Bereits letzte Woche fühlten sich SBB-Kunden aus Baden benachteiligt: Ein Interregio von Bern nach Zürich liess entgegen dem Fahrplan die Haltestelle in Baden aus. Dies, um die Verspätung aufzuholen, die er sich auf der Fahrt durch das Mittelland eingehandelt hatte. Am vergangenen Wochenende übergingen die SBB den Bahnhof Baden erneut; diesmal sogar fahrplanmässig. Besucherinnen und Besucher des Züri-Fäschts konnten nachts in Extrazügen heimkehren; Haltestellen für diese Schnellzüge waren unter anderem in Aarau, Lenzburg, Brugg, Zofingen und Rheinfelden vorgesehen – nicht aber in Baden.

Zwar fuhren auch nach Baden noch nach Mitternacht Züge, allerdings nur die langsameren S-Bahnen. «Als Badener fühlt man sich wirklich als Kunde zweiter Klasse», schreibt ein AZ-Leser in einem Mail an die Redaktion. «Das gab es bis jetzt noch nie. Bei allen anderen Festen oder auch dem letzten Züri-Fäscht konnten die Badener mit dem Schnellzug heim.» Weiter habe ihn gestört, dass für die Fahrt in der S-Bahn ein Nachtzuschlag bezahlt werden musste, dieser in den Extrazügen aber nicht verlangt worden sei.

Die SBB schreiben auf Anfrage von einem Fehler in der Planung. «Unsere Fachleute gingen fälschlicherweise davon aus, dass die Züge wegen der Gleisarbeiten auf der Strecke zwischen Brugg, Turgi und Baden nicht in Baden würden halten können.» Man habe den Fehler in der Nacht auf Samstag bemerkt und den Fahrplan für die zweite Festnacht kurzfristig umgeplant. «In der Nacht auf Sonntag hielten die Extrazüge also in Baden. Wir entschuldigen uns bei den betroffenen Reisenden für diesen Fehler.» Betreffend Nachtzuschlag bestätigten die SBB, dass dieser für die Extrazüge nicht verlangt wurde, für die Nacht-S-Bahnen hingegen schon. Beim Züri-Fäscht 2016 sei das Nachtnetz noch mit höheren Getränkepreisen finanziert worden; der Zürcher Verkehrsverbund habe für das diesjährige Fest entschieden, den Nachtzuschlag von fünf Franken wieder zu erheben.

Stadtammann Schneider: «Das geht gar nicht»

Der Co-Präsident der FDP Baden, Tobias Auer, hat schon länger den Eindruck, dass Baden beziehungsweise der Aargau bei den SBB derzeit keine allzu grosse Bedeutung geniessen. Er fordert den Badener Stadtrat darum in einem Postulat dazu auf, sich proaktiv für den Erhalt von Schellzuglinien einzusetzen.

Stadtammann Markus Schneider (CVP) äussert sich erstmals zur Debatte: «Dass ein Zug nicht anhält, wo er gemäss Fahrplan stoppen sollte, geht gar nicht.» Der Stadtrat setze alles daran, die direkten Schnellzugverbindungen nach Zürich, Zürich-Flughafen, Bern und Basel zu erhalten. Die Direktverbindungen seien für Baden enorm wichtig; die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, aber begrenzt.