Für Ulrich Spiesshofer begann alles mit einer Küchenmaschine der BBC. Seine Mutter habe diese zum Keksebacken gebraucht, plauderte der Chef des grössten Schweizer Industriekonzerns ABB in festlicher Runde aus. Und wie es eben so sei mit der Schweizer Qualität: sie funktioniere heute noch.

Nahe Wettingen, nur drei Kilometer vom Gründungsort der BBC, zelebrierte ABB am Donnerstagabend in Anwesenheit des Bundespräsidenten und Wirtschaftsministers Johann Schneider-Ammann die eigene Geschichte: Mit 600 geladenen Gästen wurde in einem eigens aufgestellten Zelt gefeiert – stilecht im Smoking, die Damen im eleganten Kleid.

Vieles drehte sich um Tradition an diesem Abend. Bei Spiesshofer, aber vor allem bei der ABB. Das Unternehmen, das nach der Fusion mit der schwedischen ASEA aus der Badener BBC entstand, ist zu einem Weltkonzern geworden - mit 135 000 Mitarbeitern, rund um den Globus verteilt.

Das spiegelte sich im Publikum: Neben lokaler Prominenz aus Baden und Politikern aus dem ganzen Land sowie ehemaligen Firmengrössen um den ersten Chef der fusionierten ABB, Percy Barnevik, waren Kunden aus China, Indien und Afrika geladen.

Aussergewöhnliches Jahr für die ABB

Mit einer pompösen Show aus Lichteffekten, Videowänden und fliegenden Lichtpunkten, die sich selbst durch ihren eigenen Schattenwurf als Drohnen entlarvten, wurden die Gäste bestens unterhalten. Ein komplettes Orchester bot ABB auf, um für Stimmung zu sorgen.

Letzteres gelang – nicht nur den Musikern, sondern vor allem auch dem ABB-Präsidenten. Peter Voser wandte sich mehrfach ans bunt gemischte Publikum, erzählte Anekdoten und scherzte über die eigenen ergrauten Haare und jene seines CEOs.

Das Duo an der ABB-Spitze hatte gut lachen an diesem Abend, denn die beiden können jetzt schon auf ein aussergewöhnliches Jahr zurückblicken. Sie haben das Unternehmen einerseits entschlackt und straffer aufgestellt, gleichzeitig gelang es ihnen, den Abspaltungsphantasien des zweitgrössten Anteilseigners Cevian einen Riegel zu schieben.

Ein Deutscher wird Schweizer Staatsbürger

Der schwedische Hedgefonds, der anders als der grösste Shareholder Investor AB übrigens gestern nicht zum Gala-Abend erschien, drängte lange auf die Trennung vom Geschäftsbereich Stromnetze. Dass Spiesshofer die Sparte jedoch wieder profitabel machte und gemeinsam mit Voser eine glaubhafte Strategie für die Zukunft aufzeigen konnte, nahm Cevian den Wind aus den Segeln.

Und so gab es am Donnerstag in Wettingen allen Grund zur Freude. Für ABB, deren Mitarbeiter das überdimensionale Festzelt in den kommenden Tagen für diverse Feierlichkeiten und Veranstaltungen nutzen können. Für die Kunden des Schweizer Industrieriesen, die eine moderne, in die Zukunft blickende ABB mit starken Wurzeln präsentiert bekamen. Und nicht zuletzt für Voser und Spiesshofer.

Für letzteren gab es ein besonderes Schmankerl. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann lobte in seiner Rede zuerst das Engagement und die Weitsicht der ABB-Führung. Als er fertig war, bat er den CEO auf die Bühne, griff beherzt in die Brusttasche und zückte ein rotes Dokument – den Schweizerpass. Um diesen hatte sich Spiesshofer lange bemüht, jetzt war es soweit. Schneider-Ammann machte den gebürtigen Deutschen zum Schweizer Staatsbürger.