Baden

«Schindler-Lift Nr. 2»: Was von der Legende des ältestens Aufzugs der Welt übrig blieb

Der Lift im Badener Atrium-Hotel Blume ist nicht so alt wie angenommen – doch etwas ist noch da vom Schindler-Lift Nr. 2.

Gross war die Empörung, als es hiess, dass in der «Blume» im Badener Bäderquartier gar nicht der legendäre Schindler-Lift Nummer 2 die Gäste befördert. War doch über Jahrzehnte in Reiseführern, in Zeitungen und im neusten Geschichtsbuch über das Badener Grand Hotel zu lesen, dass der älteste Lift der Welt im Bäderquartier immer noch in Betrieb sei. Nun kontert Fredy Hauser, Stadtführer und gelernter Maschinenzeichner: «Wenn man genau hinschaut, sieht man noch Überreste des berühmten Lifts.»

Ein Blick zurück: Den Mythos um den Lift zerstörte ein Artikel im «Senkrechtstarter-Blog», hinter dem Schindler Deutschland steht. Dort schreibt Beat Baumgartner: «Schon ein kurzer Blick auf die Blechkabine des jetzigen Personenaufzuges in der Blume zeigt, dass der Lift unmöglich aus dem vorletzten Jahrhundert stammen kann.»

Kabine von 1948

Der langjährige Redaktor der Personalzeitung von Schindler Schweiz recherchierte bei Schindler Aarau genauer nach und fand heraus: Der elektrische Lift in der «Blume» stammt aus dem Jahr 1948. Das zeigt eine Offerte vom 6. März 1948. Der Aufzug kostete damals 18 617.30 Franken. «Für die damalige Zeit ein respektabler Betrag», so Baumgartner. Der Lift ersetzte eine alte wasserhydraulische Anlage mit der Kommissionsnummer 213, ungefähr aus dem Jahr 1895. «Von diesem Hydrauliklift Nummer 213 gibt es keine Unterlagen mehr, weil er damals total abgebrochen wurde.» Der heutige noch in Betrieb stehende Lift wurde 2006 das letzte Mal renoviert.

Doch was ist jetzt noch übrig von der Lift-Legende? Fredy Hauser erklärt: «Sieht man genauer hin, ist zu erkennen, dass die tragende Konstruktion des Lifts aus Gusseisen ist und dieselbe Verzierung aufweist wie das Balkongeländer.» Diese stamme ganz klar aus dem späten 19. Jahrhundert und somit vom ersten Lift, der im Atrium-Hotel Blume eingebaut wurde, sagt Hauser, der bei der damaligen BBC die Ausbildung machte und danach weltweit als Verkaufsingenieur arbeitete. «Um 1900 investierte man noch das Geld und die Zeit in reich verzierte Gusseisen-Säulen mit Längsrillen und sogenannten Bördeln, die auf den Säulen des Lifts und des Balkons in der ‹Blume› zu erkennen sind.» Auch die aufgegossenen Flanschen, mit denen die Säulen zusammengeschraubt wurden, seien dem letzten Jahrhundert zuzuschreiben. Hätte man neben der Kabine und der Hydraulik 1948 auch die tragenden Elemente ersetzt, wären sie geschweisst und nüchtern gehalten, so Hauser.

«Auch so eine Attraktion»

Ob es sich beim Lift aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich um die Nummer 2 handelte, bezweifelt der Schindler-Mitarbeiter in seinem Artikel. «Tatsächlich fehlen die Dokumente, die klar belegen, welcher Lift damals eingebaut wurde», sagt auch Fredy Hauser. «Fakt ist: Die Kabine und die Steuerung sind rund 70 Jahre alt und auch so eine Attraktion. Die Tragkonstruktion ist nachweislich älter und stammt noch vom ersten Lift.» Dies würden er und seine Stadtführerkollegen auch so an den Bäder-Führungen erklären.

Für Hotelier Patrik Erne, der die «Blume» zusammen mit seinem Bruder Silvio 2002 übernahm, spiele es keine Rolle, ob es der Aufzug Nummer 2 oder Nummer 213 sei, wie er schon im Sommer erklärte. Auf der Website des Hotels ist weiterhin zu lesen, dass es sich um den Schindler-Lift Nummer 2 handelt. «Wir werden keine Anpassung am Text auf der Homepage oder anderswo machen», sagte Erne im vergangenen Juli. Denn schon als seine Eltern die «Blume» 1972 kauften, hiess es, es sei die legendäre Nummer 2, welche die Gäste befördere, so Erne.

Meistgesehen

Artboard 1