Verbrechen

Saunaclub-Mord von Neuenhof: Menschenhändler Adrian B. kannte den Tatverdächtigen gut

Im Januar 2007 wurde Marco K. (+39) ermordet – er war damals Mitinhaber des Saunaclubs Saturn in Neuenhof. Der mutmassliche Mörder Nicolas V. (55) hält sich in Frankreich auf, dort war er 1987 wegen eines anderen Mordes schon verurteilt worden. Wann ihm der Prozess im Fall Marco K. gemacht wird, ist offen. Klar ist aber: Der am Dienstag vom Bezirksgericht Baden verurteilte rumänische Menschenhändler Adrian B. (45, Name geändert) kannte den mutmasslichen Saunaclub-Mörder von Neuenhof gut.

Marco K., ein Monteur aus dem Zurzibiet, wurde am 25. Januar 2007 von seiner Frau als vermisst gemeldet. Am 21. Februar fanden Gemeindearbeiter bei einem Grillplatz im Wald zwischen Neuenhof und Oberrohrdorf den verscharrten Leichnam des Vermissten – er war erschossen worden.

Rasch geriet Nicolas V., der damalige Geschäftspartner von Marco K., ins Visier der Aargauer Ermittler. Allerdings konnte der Verdächtige nicht in der Schweiz verfolgt werden, er hatte sich nach Frankreich abgesetzt. Das Land liefert seine Bürger nicht aus, im Jahr 2009 wurde das Untersuchungsverfahren den französischen Behörden übergeben. Bis heute, gut 13 Jahre nach der Bluttat, wurde Nicolas V. dort nicht vor Gericht gestellt.

Sollte es dereinst zum Prozess im Mordfall kommen, könnte Adrian B. (Name geändert) wohl zur Klärung beitragen. Denn der Menschenhändler, der am Dienstag in Baden verurteilt wurde und heute Donnerstag nach Rumänien ausgeschafft werden soll, kannte Nicolas V. gut.

Gehilfin des Menschenhändlers war zur Tatzeit in der Schweiz

Sie scheinen Geschäftspartner gewesen zu sein, wie die Anklageschrift gegen Adrian B. zeigt. Demnach war eine französische Prostituierte im November 2006 für rund zwei Wochen im Saunaclub Saturn in Neuenhof tätig. Sie widersetzte sich in dieser Zeit den Aufforderungen von Adrian B. mehrfach. Dieser benachrichtigte dann Nicolas V., der die Frau «im Klub abholte und nach Frankreich zurückführte.»

Im Januar 2007, als Marco K. umgebracht wurde, war Adrian B. nicht mehr in der Schweiz. Er war am 11. Dezember 2006 wegen Vergehen gegen das Ausländergesetz und einer Geschwindigkeitsüberschreitung festgenommen und zehn Tage später nach Rumänien ausgeschafft worden. Seine Handlangerin Lana F. (Name geändert) blieb in der Schweiz und holte am 23. Januar 2007 eine neue rumänische Prostituierte am Hauptbahnhof Zürich ab.

Bekannte des Menschenhändlers als Zeugin des Saunaclub-Mordes?

Später wurde die Frau «durch die nicht näher bekannte rumänische Staatsangehörige ‹Carmen› für die Tätigkeit als Prostituierte» in einen Klub im Kanton Zürich gebracht, wie es in der Anklageschrift heisst. Diese «Carmen» hatten Adrian B. und seine Handlangerin kurz zuvor in einem Café in der Stadt Galati in Rumänien kennen gelernt.

Die unbekannte Prostituierte hat eine Verbindung zum Fall des ermordeten Marco K.: Im Juni 2007 setzte die Kantonspolizei Aargau eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf «Carmen» aus. Laut einem Bericht des rumänischen Portals cancan.ro könnte die Prostituierte damals Zeugin des Verbrechens gewesen sein.

Ermittlungen ergaben, dass eine Rumänin mit Marco K. aus dem Saunaclub Saturn in Neuenhof verschwand. «Wir wissen, dass die Frau Carmen heisst und aus Galati stammt», wird Max Suter, der damals die Untersuchung leitete, auf dem rumänischen Portal zitiert.

«Carmen» sei von einem Zuhälter in die Schweiz geschickt worden, der mehrere rumänische Frauen hierher gebracht habe. Die Ermittler hätten den Mann nicht identifizieren können, meldet cancan.ro. Nach dem Prozess in Baden ist klar, dass es sich um Adrian B. gehandelt haben muss. «Carmen» wurde bisher trotz Belohnung nicht gefunden.

Mutmasslicher Mörder in einem anderen Fall freigesprochen

Im Juni 2007 wurde in Spanien zwei andere Prostituierte verhaftet, die im Saunaclub Saturn in Neuenhof gearbeitet hatten. Eine der beiden Frauen war Lana F., die Gehilfin von Menschenhändler Adrian B., wie AZ-Recherchen zeigen. Sie wurde zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 20 Monaten und einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken, insgesamt also 6000  Franken, verurteilt.

Damals vermutete die Polizei, der mutmassliche Mörder Nicolas V. habe sich auch nach Spanien abgesetzt. Dies war aber nicht so, der Mann wurde im Juni 2007 in Frankreich verhaftet. Nachdem er eine Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung abgesessen hatte, kam Nicolas V. im März 2010 wieder auf freien Fuss.

Im Januar 2020 wurde der Mann dann von einem Gericht in Südfrankreich wegen Erpressung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll Mitglied einer Bande gewesen sein, die Wirte im Badeort Canet-en-Roussillon zwischen 2015 und 2016 erpressten. In einem anderen Fall, in dem es um einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Discobesitzer ging, wurde Nicolas V. diesen Sommer freigesprochen.

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