Wettingen

Sanierung ist dringend nötig – trotzdem bleibt das Turnhallendach ein Flickwerk

Das Dach der Turnhalle der Bezirksschule ist undicht. Bisher wurde nur zweckmässig geflickt.

Das Dach der Turnhalle der Bezirksschule ist undicht. Bisher wurde nur zweckmässig geflickt.

Das Dach der Turnhalle der Bezirksschule Wettingen ist undicht und nur notdürftig geflickt. Doch die Sanierung muss warten.

Im Juni hatte der Wettinger Einwohnerrat François Chapuis (CVP) zwei Vorstösse eingereicht, die den Zustand der gemeindeeigenen Immobilien hinterfragten. Auslöser dafür war insbesondere das undichte Dach der Doppelturnhalle bei der Bezirksschule Wettingen.

So schilderte Chapuis damals der AZ, was ihm im Frühling während der Budgetbegehung 2020 begegnet war. Die Finanzkommission, deren Präsident er ist, hatte sich von diversen Schulanlagen ein Bild gemacht, um die Kosten für mögliche Reparaturen im Budget festzuhalten.

«Während der Begehung hat die für den baulichen Unterhalt zuständige Person demonstriert, wie der Hauswart bei Regen in der Mitte der beiden Hallen einen Wassereimer und Plastikschläuche installiert, um das von aussen eindringende Wasser aufzufangen.»

Aufgestauter Unterhalt der Wettinger Immobilien

Das schreckte Chapuis auf und er forderte in einem Postulat bauliche Sofortmassnahmen, um diesen Missstand zu beheben. Ausserdem stellte er in einer weiteren Interpellation diverse Fragen, die den aufgestauten baulichen Unterhalt von Wettinger Immobilien im Fokus hatten. Nun liegen für beide Vorstösse die Antworten des Gemeinderats vor.

Der eine, das konkrete Postulat zum Dachschaden, wird an der nächsten Einwohnerratssitzung am 14. November zur Ablehnung empfohlen. Dagegen unternimmt François Chapuis nichts: «Ich verstehe natürlich, dass wegen der Machbarkeitsstudie zur Bezirksschule nur Sofortmassnahmen und keine wirklichen Sanierungsmassnahmen ergriffen werden», sagt er.

Die Machbarkeitsstudie soll bis Ende des ersten Quartals 2020 vorliegen und aufzeigen, inwiefern zusätzliche Geschossflächen bei der Bezirksschule möglich wären. «Erst nach den Erkenntnissen aus der Zustandsanalyse der bestehenden Gebäude und der Erarbeitung von Variantenstudien ist zu beurteilen, ob die Sporthallen bestehen bleiben oder durch neue ersetzt werden», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort zum Postulat.

Das aber könnte, wenn die Vorlage zum Ortsbildschutz an der nächsten Sitzung angenommen wird, eine langwierige Sache werden: «Ich gehe davon aus, dass die Handlungsfreiheit noch mehr eingeschränkt sein wird», so Chapuis.

Zurzeit sei das Metalldach des Turnhallentrakts, 1956 gebaut, dank der diversen Flickarbeiten einigermassen dicht, schreibt der Gemeinderat weiter. Chapuis fragt sich aber, wie es so weit kommen konnte und was während der umfassenden Sanierung der Bezirksschule in den Jahren 2006/07 passiert sei: «Dass das Dach rinnt, ist ja auch nicht neu, sondern war bereits in den letzten drei, vier Jahren Thema bei den Baurundgängen.»

Gemeinderat überraschend offen

Ganz allgemein findet er, dass der Gebäudeunterhalt in Wettingen in den letzten zehn Jahren sträflich vernachlässigt worden sei, deshalb auch seine andere Interpellation: «In der Vergangenheit ist ziemlich unprofessionell gehandelt worden, was der Gemeinderat in seinen Antworten auch zugibt.»

Diese Offenheit, in der die Interpellation beantwortet worden sei, habe ihn sehr überrascht. «Es ist schon fast erschütternd, aber immerhin ehrlich», sagt Chapuis. So schreibt der Gemeinderat: «In den letzten Jahren wurde infolge Sparmassnahmen nur das Nötigste in den baulichen Unterhalt investiert.»

Daher bestehe ein Nachholbedarf bei vielen Liegenschaften. «Man hat nicht gehandelt, obwohl es nötig gewesen wäre. So geht eine Gemeinde doch nicht nachhaltig und verantwortungsvoll mit dem Volksvermögen um», sagt Chapuis.

Änderung ist in Sicht, wenn auch noch in ferner: Der Gemeinderat hat im April 2018 der Abteilung Bau und Planung den Auftrag erteilt, eine Immobilienstrategie für die Nutzung der diversen Immobilien der Gemeinde auszuarbeiten, um die künftigen Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten berechnen zu können.

Dafür war ein erster Kostenblock von rund 20 000 Franken zwar bereits im Budget 2019 festgesetzt worden, dieser wurde aber in der letztjährigen Budgetdiskussion aus Spargründen vom Gemeinderat wieder gestrichen. Im Budget 2020 ist dieser Betrag nun wieder eingestellt.

Ein weiterer Betrag von 50 000 Franken wird dann laut Gemeinderat ins Budget 2021 einfliessen. «Ich erwarte nun, dass der Gemeinderat die Aufgabe des baulichen Unterhalts der gemeindeeigenen Gebäude endlich so priorisiert, dass nicht noch höhere Folgekosten entstehen und der Werterhalt langfristig gewährleistet wird», sagt François Chapuis.

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