Region Baden

RVBW: 4 Prozent Schwarzfahrer – notorische Sünder zahlen keinen Franken

4070 Fahrgäste der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen wurden letztes Jahr ohne gültiges Ticket erwischt.

4070 Fahrgäste der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen wurden letztes Jahr ohne gültiges Ticket erwischt.

Wer im öffentlichen Verkehr ohne gültiges Ticket unterwegs ist, wird ab 2019 in einem nationalen Register erfasst. Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) führen bereits eine solche Datenbank – ihr Nutzen ist umstritten.

Ab April 2019 werden Schwarzfahrer in einer neuen nationalen Datenbank erfasst. Diesen Entscheid hat der Tarifverbund «Direkter Verkehr Schweiz» gefällt, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Dem Verbund sind die 250 wichtigsten Transportunternehmen der Schweiz angeschlossen, auch die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW). Mit dem nationalen Register sollen notorische Schwarzfahrer härter bestraft werden als bisher.

Künftig kommt ein gestaffelter Zuschlag zur Anwendung: Wer innerhalb von zwei Jahren mehrmals ohne Ticket in einem öffentlichen Verkehrsmittel erwischt wird, bezahlt beim ersten Mal eine Busse von 100 Franken, beim zweiten Mal 140 Franken, beim dritten Mal 170 Franken – und dies unabhängig davon, in welchem Kanton oder bei welchem Transportunternehmen. Zwar gibt es bereits jetzt Verkehrsverbünde, welche die Daten von Schwarzfahrern erfassen und sie im Wiederholungsfall härter bestrafen. Doch die Register der einzelnen Transportunternehmen sind nicht miteinander verknüpft.

Eine solche Datenbank bereits angelegt hat die A-Welle, ihr angeschlossen ist auch die RVBW. Es werden exakt jene eingangs erwähnten Zuschläge verlangt, die künftig schweizweit gelten werden. Ausserdem werden in der Region Baden sogenannte Graufahrer erfasst – Gäste mit einem Ticket, das nicht in allen Zonen gültig ist. Sie bezahlen Zuschläge von 75 Franken, wobei dieser Betrag ebenfalls zunimmt, wenn jemand mehrfach erwischt wird.

Der Erfolg des neuen Bussenregimes, das seit 2014 gilt, hält sich in der Region Baden aber in Grenzen. Stefan Kalt, Direktor der RVBW, zieht eine gemischte Bilanz. «Seit die Höhe der Busse steigt, überlegt sich vielleicht tatsächlich der eine oder andere Gast, doch noch ein Ticket zu lösen. Allerdings ändert das Register nichts daran, dass gewisse notorischen Sünder keinen Franken bezahlen, auch nicht auf Druck von Inkassobüros.» Daran werde vermutlich auch ein nationales Bussenregister nichts ändern, sagt Kalt.

Hinzu kommt: Die Schwarzfahrer-Quote ist in Baden verhältnismässig hoch. Dass die persönlichen Daten erfasst werden, hat auf Sünder offenbar keine oder nur wenig abschreckende Wirkung. Zum Vergleich: Schweizweit werden pro Jahr 800 000 Schwarzfahrer gebüsst – das sind 1,4 Prozent aller Fahrgäste. Die RVBW verzeichnen eine deutlich höhere Quote. Letztes Jahr wurden 88 091 Fahrgäste überprüft – 4 070 waren ohne gültigen Fahrausweis unterwegs, was einer Schwarzfahrerquote von 3,99 Prozent entspricht. Mit Abstand am höchsten ist die Quote in der Region Baden in den Nachtbussen: Dort wird fast jeder fünfte Fahrgast gebüsst (19,5 Prozent), meistens wegen fehlenden Nachtzuschlages. Rund 150 000 Franken an Bussengeldern treiben die RVBW pro Jahr ein.

Angesprochen auf die hohe Schwarzfahrer-Quote, sagt Stefan Kalt: «Womöglich wurden im vergangenen Jahr leicht mehr Nachbusse kontrolliert als auch schon.» Die RVBW mache aber keine gezielte Jagd auf Schwarzfahrer und werde das auch in Zukunft nicht tun. «Die Fahrausweiskontrollen werden monatlich in sämtlichen unserer 28 Zonen gemacht.»
Es lassen sich aber auch Stimmen finden, die gestaffelte Zuschläge und das Register sinnvoll finden. So sagt ein RVBW-Ticketkontrolleur: «Früher kam es öfter als heute vor, dass Leute ganz bewusst schwarz fuhren und eine Handvoll Bussen pro Jahr in Kauf nahmen. Durch die steigende Höhe der Bussen lohnt sich das kaum mehr.»

A-Welle will effizientere Kontrollen

Auch A-Welle-Geschäftsführer Martín Osuna befürwortet ein nationales Register. «Es ist im Interesse aller Kunden, die sich korrekt verhalten und ein Billett lösen.» Parallel zur Einführung des nationalen Bussenregisters wird innerhalb der A-Welle eine Änderung bei den Kontrollen diskutiert, wie Osuna bestätigt.

Derzeit gilt die Vorgabe, pro Million Fahrgäste 300 Kontrollstunden durchzuführen, aber nicht, wie viele Passagiere dabei kontrolliert werden müssen. Künftig könnte ein fix zu kontrollierender Fahrgastprozentsatz vorgeschrieben werden, dies «zur wirksamen Einnahmensicherung», wie Osuna sagt. Oder anders formuliert: Die A-Welle hofft, die Effizienz bei den Kontrollen zu erhöhen und noch mehr Ticketsünder als bisher zu erwischen.

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