1. Wo waren die Gewitter besonders stark?

In der Region Baden-Lägern fiel am meisten Regen. Innerhalb von einer halben Stunde gab es in Ehrendingen 53 Millimeter Regen und insgesamt über 70 Millimeter. Das sind zwei Drittel der Menge, die sonst im gesamten Mai fällt.

Wie viel Niederschlag das ist, veranschaulicht "Meteonews": Der Wetterdienst schreibt, in den Bezirken Baden und Zurzach seien innert kurzer Zeit über 50 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. Auch das Mettauertal im Bezirk Laufenburg war betroffen.

Die Gewitterline brachte am Nachmittag und Abend neben Überschwemmungen auch bis zu vier Zentimeter grosse Hagelkörner und 37'000 Blitze.

Blitzeinschläge in der Schweiz.

Blitzeinschläge in der Schweiz.

2. Welche Schäden gab es?

Das Gewitter hat weisse Strassen, überschwemmte Unterführungen und Garagen zurückgelassen. Im Bahnhof Baden standen die Coop-Filiale und die Vitality-Apotheke unter Wasser. In der gesamten Schweiz hat das Unwetter Schäden im Wert von über 10 Millionen Franken angerichtet. Allein die Allianz Suisse rechnet ersten Schätzungen zufolge mit rund 1200 Schadenfällen, der Schadenaufwand wird auf rund 4 Millionen Franken geschätzt. Im Raum Baden rechnet die Versicherung mit etwa 500 Schadenfällen, vor allem Fahrzeuge wurden durch den starken Hagel beschädigt. Die Zurich Versicherung schätzt den Schaden bei ihren Kunden auf 6,3 Millionen Franken. Die Aargauische Gebäudeversicherung hat bis Donnerstagmittag 155 Schadenmeldungen erhalten. Das seien Schäden von etwa 1,5 Millionen Franken. Es dürften jedoch weitere Meldungen eingehen.

Über Verletzte liegen keine Berichte vor. Die Feuerwehr stand im Dauereinsatz. Gemäss der Kantonspolizei Aargau waren in der Region Baden, im Zurzibiet und im Mettauertal elf Feuerwehren unterwegs. Bei der Notrufzentrale gingen über 100 Meldungen ein.

Hagel liess Region Baden winterlich aussehen

Hagel liess Region winterlich aussehen

Die Leserbilder aus dem Aargau.

3. Wie kam es zum heftigen Gewitter?

Verantwortlich waren entgegengesetzte Winde, wie SRF Meteo schreibt. Böiger Westwind in der Region Bern und gleichzeitig kräftiger Ostwind in der Region Zürich prallten über dem Aargau zusammen und lösten die Gewitter aus.

Mehr zum Wetterphänomen lesen Sie hier.

4. Wie sah es auf der Strasse aus?

Gemäss der Kantonspolizei Aargau kam es auf Haupt- und Ortsverbindungsstrassen weder zu Störungen noch zu Unfällen.

Nach dem Hagelsturm die Flut am Schulhausplatz Baden

Nach dem Hagelsturm die Flut am Schulhausplatz Baden

5. Wo sonst wütete das Gewitter?

Von Unwettern waren auch der Kanton Zürich und die Ostschweiz betroffen. Allein im Raum Zürich kam es zwischen 18.30 Uhr und 23.00 Uhr zu über 700 Feuerwehreinsätzen, wie die Zürcher Notfallorganisation Schutz & Rettung in der Nacht auf Donnerstag mitteilte.

Besonders betroffen war das Zürcher Unterland, wo mehrere hundert Notrufe eingingen. So traten mehrere Bäche über die Ufer, und Bäume stürzten um. An einzelnen Orten sind ganze Strassenzüge überflutet worden, heisst es in der Mitteilung. Wasser drang in hunderte Wohnungen, Keller und Tiefgaragen ein.

6. Wie sieht die Situation im Kanton Zürich aus?

Im Nordwesten des Kantons Zürich wurde in Schöfflisdorf und Oberweningen gegen 22.30 Uhr ein Sirenenalarm ausgelöst, wie die Zürcher Kantonspolizei mitteilt. In den beiden Gemeinden war das Trinkwasser nach dem Unwetter stark verschmutzt. Die Bürger müssen auf Anweisung der Behörden Wasser sparen und dieses vor dem Gebrauch abkochen. Für wie lange, war zunächst unklar. Die beiden betroffenen Gemeinden wollen am Donnerstagmorgen informieren.

Stark vom Regen getroffen wurde Dielsdorf. Dort wurde laut Polizei ein Hallenbad wegen eines Wassereinbruchs im Keller evakuiert. Zudem drang Wasser in einen Chemiebetrieb ein, und Fässer mit Chemikalien schwammen in den Fluten, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung der SDA sagte. Für die Bevölkerung bestand laut Angaben der Polizei keine Gefahr.

7. Wie wirkte sich das Gewitter auf den Bahn- und Flugverkehr aus?

Das Unwetter legte eine S-Bahn-Strecke im Nordwesten Zürichs lahm: Weil in Dielsdorf und Steinmaur Weichen unter Wasser standen, konnten die Züge der Linie 15 zwischen Dielsdorf und Niederweningen nicht mehr verkehren.

Ersatzbusse seien aufgeboten worden, sagte ein Sprecher der SBB zu einer Meldung der Bahnverkehrsinformation. Die Reisenden mussten etwas längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Am späten Mittwochabend wurde die Strecke der Bahnverkehrsinformation zufolge wieder für den Verkehr freigegeben.

Am Flughafen Zürich-Kloten ging am Abend für 30 Minuten nichts mehr um am Boden stehende Flugzeuge herum, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage sagte. Wegen der Gefahr durch Blitzeinschläge hätten sich weder Personal noch Passagiere den Flugzeugen nähern dürfen.

Deshalb sei weder Einsteigen noch Aussteigen noch Beladen und Entladen möglich gewesen, sagte der Sprecher. Auch das Betanken der Flugzeuge war nicht erlaubt. Mehrere Maschinen mit Ziel Zürich wichen auf andere Flughäfen aus.

8. Wie sieht es am Tag danach aus?

Diese Bilder zeigen, wie der Hagel richtiggehend als Mähmaschine wirkte:

9. Gibt es heute wieder Gewitter?

SRF Meteo sagt für den Donnerstag meist sonniges Wetter mit 24 bis 27 Grad voraus, warnt aber schon morgens vor lokal kräftigen Gewittern "inklusive Starkregen, Hagen und Sturmböen".

Am frühen Nachmittag warnt es einem "Potenzial für unwetterartige Gewitter" im ganzen Kanton Aargau, und zwar von 17 bis 23 Uhr. Meteonews sieht für den Nachmittag und Abend teilweise heftige Gewitter voraus. 

Die Modellprognose von Jörg Kachelmann dagegen ist konkreter, in zeitlicher wie geografischer Hinsicht. Kachelmannwetter weist (Stand: 13.45 Uhr) für 20 Uhr ein leichtes bis mässiges Gewitterrisiko für den Raum Schöftland/Oberentfelden sowie im Freiamt rund um Bremgarten und Wohlen aus. Dann zieht das Gewitter in Richtung Nordosten weiter. Um 21 Uhr droht dieselbe Gefahr  im Bezirk Zurzach sowie in mehreren Gemeinden in der Nachbarschaft. 

(sda/mwa/pz)