Rechnung 2020
Im Millionen-Rausch: Warum Spreitenbach einen enormen Überschuss verzeichnet

Über 7 Millionen statt die erwarteten 139 000 Franken Ertragsüberschuss: Die 12'000-Einwohner-Gemeinde schliesst das Jahr 2020 deutlich besser ab als budgetiert. Die Gründe.

Claudia Laube
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Auf Spreitenbach warten hohe Investitionen: Unter anderem soll das jetzige Gemeindehaus zu einem Schulhaus umgebaut werden.

Auf Spreitenbach warten hohe Investitionen: Unter anderem soll das jetzige Gemeindehaus zu einem Schulhaus umgebaut werden.

Severin Bigler

Nach neun Monaten Unterbruch hat Spreitenbach seit Sonntag offiziell wieder einen Gemeindepräsidenten. Nur zwei Tage später vermeldet die Gemeinde erneut Positives: Die Rechnung 2020 schliesst mit einem beachtlichen Überschuss von 7,3 Millionen Franken. Budgetiert waren gerade einmal 139'000 Franken – ein enormer Unterschied.

Wie kommt dieses Resultat zustande?

«Grundsätzlich sind es zwei Posten, die massiv obenaus schlagen: die Steuereinnahmen und die soziale Sicherheit»,

erklärt Finanzvorsteher Roger Mohr (SVP). Insgesamt konnte Spreitenbach im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Franken mehr Steuereinnahmen generieren. Davon waren 1,6 Millionen Franken bereits als Verlust abgeschrieben.

Neben Mehreinnahmen bei den natürlichen Personen verzeichnete die Gemeinde auch eine Million Franken mehr Aktien- sowie 450'000 Franken mehr Sondersteuern als erwartet. Zu Letzteren gehören unter anderem Grundstückgewinn- oder Erbschaftssteuern. Ausserdem konnte die Gemeinde bei der Sozialhilfe 2,9 Millionen Franken einsparen. Roger Mohr:

«Dieser hohe Überschuss kam für den gesamten Gemeinderat völlig überraschend.»

Der Betrag sei aber mit Vorsicht zu geniessen, stehen in Spreitenbach doch in den nächsten Jahren hohe Investitionen an: So wurde vor kurzem die Baubewilligung für das neue, 13 Millionen Franken teure Gemeindehaus erteilt, ausserdem steht der Umbau des jetzigen Gemeindehauses in ein Schulhaus an, dessen Kredit der Bevölkerung an der Sommergmeind vorgelegt werden soll. «Dadurch relativiert sich dieses Ergebnis wieder», schreibt der Gemeinderat in seinem Mitteilungsblatt, in dem zahlreiche weitere Posten aufgeführt sind, die zum Überschuss beigetragen haben.

Finanzvorsteher Roger Mohr (SVP)

Finanzvorsteher Roger Mohr (SVP)

Bild: zvg

Mehrkosten hingegen verzeichnete die Gemeinde bei der Pflegefinanzierung und beim Posten Verkehr. Die Nettoinvestitionen betrugen 6,1 Millionen Franken.

300'000 Franken mehr vom Kanton

Auch der kantonale Finanzausgleich hat seinen Anteil am Millionen-Überschuss. Von allen Gemeinden im Aargau erhält das Dorf am meisten Geld. 2020 waren 5 Millionen Franken angekündigt, Spreitenbach bekam nun aber 300'000 Franken mehr. Warum das so ist, das kann Mohr nicht sagen. Für 2021 sind 5,5 Millionen Franken budgetiert.

Die Gemeinde belegte in den vergangenen Jahren regelmässig auch einen der Spitzenplätze bei der Sozialhilfequote. Das hat sich geändert: Laut Statistik Aargau befindet sich die Gemeinde mit 3,9 Prozent auf Rang 8. Die Quote ist 2019 um 29 Prozent markant gesunken.

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