Primarschule Stetten
Radweg: Schüler fahren im Dunkeln

Kanton schmettert Antrag der Gemeinderäte von Stetten und Künten für Beleuchtung ab – diese sei nicht zonenkonform. Experten schlagen vor, weisse Markierungen an den Seiten des Radwegs anzubringen.

Erna Jonsdottir
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Symbolbild: Stetter und Künter Schüler haben keinen beleuchteten Radweg.

Symbolbild: Stetter und Künter Schüler haben keinen beleuchteten Radweg.

AZ-Archiv

Der Radweg von Stetten nach Künten ist nicht beleuchtet. Gefährlich ist er zwar laut Kurt Diem, Gemeindeammann Stetten, nicht. Doch ist er auch sicher? Eine Frage, die viele Eltern beschäftigte, als der Gemeinderat letzten Herbst beantragte, die Stetter 5. und 6. Klasse in Künten zu führen. Sorge bereitete, der Radweg, der am Waldrand entlang führt, sei im Winter zu gefährlich. Dies, obschon der Gemeinderat betonte, dass dort in den letzten 30 Jahren nie etwas passiert sei. An Informationsveranstaltungen zur Mittelstufe vor rund einem Jahr fassten die Gemeinderäte von Stetten und Künten dann den Auftrag, eine Beleuchtung entlang des Waldrands zu prüfen. Die Bemühungen der Gemeinderäte, den Radweg mit einer LED-Beleuchtung auszustatten, ist jetzt gescheitert.

Mittelstufe seit August in Künten

Der Schulvertrag zwischen Künten und Stetten über die Führung der 5. und 6. Primarschulen in Künten bewegte die Gemüter in Stetten. Im September 2013 nahmen die Stimmberechtigten den Vertrag mit 422 Ja- gegen 276 Neinstimmen an der Urne an. Seit dem Schulstart im August fahren laut Regula Meier-Rösti, Leiterin Schule Künten, täglich 44 Kinder von Stetten nach Künten und 25 Jugendliche von Künten nach Stetten zur Schule. Künten und Stetten führen gemeinsam eine Oberstufe in Stetten. Laut Meier fahren die Kinder in Gruppen hin und her. Negative Rückmeldungen von Eltern bezüglich Veloweg habe sie bisher keine erhalten. (ejo)

Kinder fahren teils ohne Licht

Die Kinder müssen den Radweg weiterhin im Dunkeln befahren. «Wir hatten befürchtet, dass der Gemeinderat seine Versprechen nicht einhält», sagt Stephanie Weber dazu. Sie war Sprecherin der Gruppe Pro Primar, die gegen eine Mittelstufe in Künten war. Doch auch die Gemeinderäte sind nicht glücklich: «Zähneknirschend nehmen wir die Stellungnahme des Kantons zur Kenntnis», schreiben sie in ihrem Communiqué. Besonders frustrierend: «Obwohl das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) keine Bewilligung für eine Beleuchtung in Aussicht stellte, fuhr eine Delegation nach Aarau und suchte das persönliche Gespräch.» Diem: «Den Vorwurf von Frau Weber lassen wir daher nicht gelten.»

«Eine Beleuchtung des Radwegs ist nicht zonenkonform», begründet das BVU seinen negativen Entscheid. Konkret: Entlang von Waldrändern werde grundsätzlich keine Bewilligung erteilt – Natur und Wildtiere dürften nicht gestört werden, zudem wolle man keine zunehmende Lichtverschmutzung. «Radwegbeleuchtungen im Ausserortsbereich verbessern die Sicherheit nicht. Vielmehr sollten die Velos den Verkehrsvorschriften entsprechend mit einer Beleuchtung ausgerüstet sein», schreibt das BVU. Wie Sarah Keller, Mediensprecherin der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal (Repol), bestätigt, fahren auch zwischen Künten und Stetten Kinder ohne Licht. «Wir versuchen, Kinder und Erwachsene mit unseren Kampagnen zu sensibilisieren.» Das gelinge nicht immer. «Wird ein Kind ohne Licht auf dem Velo erwischt, erstatten wir Anzeige bei der Jugendanwaltschaft», mahnt sie. Auch die Gemeinderäte appellieren an die Vernunft der Eltern, ihre Kinder mit Licht und Reflektoren auszustatten.

Tatenlos bleiben die Gemeinderäte nicht: Kantonsexperten schlagen vor, die Seiten des Radweges weiss zu markieren. «Diese Randmarkierungen erhöhen laut BVU die Sicherheit erheblich, weil sich die Radfahrer besser orientieren können», sagt Diem. Dazu müssen zuerst die Wegränder abgerundet werden. Die Gemeinderäte der beiden Gemeinden wollen sich der Sache nach den Gemeindeversammlungen annehmen. Der Kanton will sich an den Kosten beteiligen.