Am Samstagnachmittag liess die Aargauer Juso ein Transparent mit einem grossen Mittelfinger über dem Sitz von General Electric (GE) in Baden steigen. Damit reagierten sie auf einen Bericht des "Tagesanzeigers", nach welchem der Wert der in Baden registrierten Tochterfirma GE Energy Switzerland mit einem legalen Steuertrick in nur 60 Minuten um das 167'500-Fache gestiegen ist. Den Firmenwert maximieren, während insgesamt 900 Arbeitsplätze an Schweizer Standorten gestrichen werden – damit hat GE den Bogen endgültig überspannt, findet Mia Gujer, Präsidentin der Juso Aargau und Mitinitiantin der Protestaktion.

"Wir wollten die Menschen auf diesen hinterhältigen Steuertrick der Firma aufmerksam machen", erklärt sie auf Anfrage. "GE manipulieren die Stimmbürger und Stimmbürgerinnen, indem sie Abwanderung ins Ausland und Arbeitsverlust androhen und bringen sie so dazu, Steuererhöhungen an der Urne abzuschmettern." Dennoch würden sie gleichzeitig Hunderte von Menschen – einzig zum Zweck der Gewinnoptimierung – entlassen.

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Positive Reaktionen von Mitarbeitern

Während die Firmenleitung nicht auf ihre Aktion reagiert habe, sei das Echo unter GE-Mitarbeitern positiv ausgefallen. "Viele haben es beim Vorbeigehen bemerkt und gelächelt", so Gujer. Wie lange das Transparent hängen blieb, kann sie nicht sagen. Sie seien nicht dazu aufgefordert worden, es zu entfernen. Auch habe ihre Aktion keine polizeilichen Konsequenzen nach sich gezogen.

Gegenüber der az will General Electric auf Anfrage keine Stellung zur Juso-Aktion nehmen. Sie verweisen lediglich auf ein Interview, das am 24. Januar im "Tagesanzeiger" erschien. Darin gibt Manager Michael Rechsteiner an, der Konzern würde Gewinne ausnahmslos dort versteuern, wo sie gemacht werden. Die Kantonsregierung im Aargau sei im Vorfeld über den Milliarden-Transfer informiert worden.

Gujer meint abschliessend: "Die fehlenden Steuereinnahmen, mit denen wir seit mehreren Jahren zu kämpfen haben, hat unser Kanton vor allem Steuersenkungen für Firmen wie GE zu verdanken." Diese würden mehrere Milliarden Franken über Steuerlöcher am Staat vorbeischleusen. "Deshalb werft am 12. Januar ein 'Nein' zur Unternehmenssteuerreform III ein, damit weitere solche Steuertricks in Zukunft nicht noch zusätzlich begünstigt werden."