Baden

Prominenz im Kulturcafé: Hannelore Hoger begeistert das Publikum

Zog die Besucher in ihren Bann: Hannelore Hoger.

Zog die Besucher in ihren Bann: Hannelore Hoger.

Die deutsche Schauspielerin las in Baden Liebesgeschichten.

«Bella Block zu Gast im Kulturcafé» steht auf dem Schild bei der Eingangstür. Schauspielerin Hannelore Hoger gehört zu den Besten ihres Fachs. Ihre grosse Popularität verdankt sie aber vor allem dieser einen Rolle als ZDF-Kommissarin.

2018 war dann Schluss mit der Krimiserie. «Ich finde, 29 Filme reichen», bekundet die 76-Jährige im Vorfeld ihrer Lesung resolut. Auch in anderen Serien wie Tatort, Derrick, der Alte oder Filmen wie «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» war sie zu sehen. In Alain Gsponers «Heidi» spielte sie die Rolle von Klaras Grossmutter.

Elisabeth Seiler, die mit ihrem Partner Bert De Raeymaecker seit 2015 das Kulturcafé in Baden leitet, stand mit Hoger im Theater Bochum gemeinsam auf der Bühne. Beide hatten 1978 Hauptrollen im Federico-García-Lorca-Stück «Bernarda Albas Haus» unter der Regie von Augusto Fernandes.

«Für mich als junge Actrice war Hannelore schon damals der absolute Star. Ich bewunderte sie und wollte von ihr lernen», erinnert sich Seiler. Auch ihre Karrierechancen in Deutschland standen gut, doch sie kam wegen der Liebe in ihre Heimatstadt Baden zurück.

Trotzdem brach der Kontakt zwischen den beiden Frauen nie ab. Obwohl Hoger sonst wesentlich grössere Säle füllt, liest sie bereits zum dritten Mal im Kulturcafé. «Ich finde kleine Lokale wie dieses toll.»

Winston Churchill: «Mein süsses Miezekätzchen»

Für Baden hat sie Liebesgeschichten ausgewählt. Warum? «Im Leben gibt es ja nur drei essenzielle Themen: Liebe, Tod und Teufel», sagt sie. Natürlich füllt sich das Kulturcafé bis auf den letzten Platz. Zuerst liest sie einen Brief von Winston Churchill an seine Frau Clementine vor.

Das Schriftstück beweist, dass der als Raubein bekannte ehemalige britische Premierminister auch ganz anders konnte. «Mein süsses Miezekätzchen» schreibt er seine Angetraute an und bezeichnet sie, die ihn zärtlich Mops nennt, als «hellen Lichtstrahl des Glücks».

Hoger liest leise, aber eindringlich. Von einem ihrer Lieblingsschriftsteller, dem Schweizer Robert Walser, kommt das Prosastück «Der Kuss» über eine erotische Begegnung zu Gehör. Alle Augen sind auf die Mimin mit der starken Ausstrahlung gerichtet.

Hoger variiert stimmlich sparsam, aber gekonnt bei den verschiedenen Protagonisten und Stimmungswechseln. Und wenn sie eine dramaturgische Pause macht, könnte man im Badener Kulturcafé eine Stecknadel fallen hören.

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