Ursprünglich sollte das Matura-Projekt nur für zwei Monate laufen. Doch aufgrund der positiven Rückmeldungen wurde es um drei weitere Monate verlängert: Die Rede ist von der «Pröstli-Bar» im ehemaligen Hotel Post am Postplatz in Ennetbaden (die AZ berichtete). Von den drei Maturanden der Kantonsschule Baden Sebastian Wicki, Dimitri Rüegg und Tim Kuster im letzten Herbst ins Leben gerufen, erfreut sich das Lokal im Dorfkern grosser Beliebtheit – so gross, dass das Projekt nun bis Sommer weitergeführt wird.

«Die Unterstützung ist riesig», sagt Sebastian Wicki und fügt an: «Da können und wollen wir nicht einfach aufhören.» Dass die «Pröstli-Bar» bei den Gästen gut ankommt, sieht er unter anderem im Ambiente, das durch Einwegpaletten und selbst angefertigte Holzmöbel besticht. «Die Einrichtung ist lässig, ungezwungen und lädt zum Verweilen ein.» Die Bar sei nicht nur eine Bar, sondern auch Treffpunkt und Spielecke. «Das ist in Baden schon eher speziell», sagt der 19-Jährige. Das Lokal ist donnerstags, freitags und samstags am Abend geöffnet. Wer glaubt, dass im Lokal nur Jugendliche verweilen, der irrt: «Wir haben Gäste aller Altersklassen.» Während es donnerstags vor allem Ennetbadener seien, würden am Wochenende vorwiegend Auswärtige die Bar besuchen.

Lärmbeschwerden eingegangen

Dank der «Pröstli-Bar» ist im Dorfzentrum wieder etwas Leben eingekehrt. Doch das bringt auch Lärmimmissionen mit sich: In letzter Zeit kam es zu mehreren Beschwerden vonseiten Anwohnern und Nachbarn. «Die Lärmbeschwerden sind verständlich, war es im Zentrum Ennetbadens in den letzten Jahren doch sehr ruhig», sagt Mitgründer Wicki. Man habe aber das Gespräch gesucht und Vorkehrungen getroffen. So schliesst die «Pröstli-Bar» nun eine Stunde früher, also bereits um ein Uhr nachts, und es wurden im Gebäudeinneren Schallschutzmassnahmen vorgenommen. Auch ist es neu verboten, Getränke nach 22 Uhr nach draussen zu nehmen. Weiter werden keine Events mehr durchgeführt. «Wir sind überzeugt, dass wir mit diesen Massnahmen die Lärmbelastung senken können.»

Liegenschaftsbesitzer Jodok Wicki, der Vater von Sebastian Wicki, hat Verständnis für das Bedürfnis der Bewohner und Anwohner nach Ruhe. Allerdings solle ein Dorfzentrum kein Friedhof sein, sagt er. «Nach Jahren der Stille braucht es ein Angewöhnen an das Zentrumsleben und gegenseitige Rücksichtnahme.» Sein Anliegen war und ist es, dass Ennetbaden eine lebenswerte Gemeinde ist. Dazu würden auch Treffpunkte gehören. «Das ‹Pröstli› zeigt, dass ein Bedürfnis für Gesprächsräume besteht, auch – oder gerade – in der Zeit der Digitalisierung. Es macht uns viel Freude, dies ermöglichen zu können», sagt Wicki.

Die «Pröstli»-Crew, die mittlerweile aus vier Personen – darunter Mitgründer Wicki und Kuster – sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern besteht, macht bis Sommer weiter. Ob der Betrieb danach beibehalten wird, hänge unter anderem von der Gemeinde ab, welche die Bewilligung erteilt und von den Anwohnern, sagt Sebastian Wicki. «Wir machen solange, wie es uns erlaubt wird.» Liegenschaftsbesitzer Jodok Wicki sieht Potenzial darin, das ehemalige Hotel Post als Bar zu betreiben, wie er letzten Herbst zur AZ sagte: Man sei offen für Interessierte, welche die Bar gerne pachten würden. Es seien aber auch Interessierte mit einem anderen Konzept willkommen.