Region Baden

Privates Feuerwerk: «Es gibt immer wieder schwarze Schafe»

Beim Abfackeln und Abfeuern von Fackeln oder Raketen durch Private zeigen sich Gemeinden oft restriktiv. (Archiv)

Beim Abfackeln und Abfeuern von Fackeln oder Raketen durch Private zeigen sich Gemeinden oft restriktiv. (Archiv)

Am Sonntag stimmt der Aargau über die Feuerwerksinitiative ab. Die Bewilligungspraxis der Gemeinden bei privatem Feuerwerk heute ist unterschiedlich, jedoch eher restriktiv.

Selbst unter den Gegnern der kantonalen Feuerwerksinitiative finden sich wenige, die das private Abfeuern von Raketen befürworten. Kritisiert wird lediglich, dass ein weiteres Gesetz die persönliche Freiheit einschränken soll. Die Diskussion um die Initiative hat darum grundsätzliche Fragen aufgeworfen: Wie weit sollen private Feuerwerke erlaubt sein? Wie weit soll das Recht auf Raketen, Knallpetarden und Heuler zulasten des Wohls von Mensch, Tier und Umwelt gehen? Die Bewilligungspraxis in den Regionsgemeinden ist zwar weitgehend eher restriktiv, jedoch unterschiedlich, wie die Nachfrage ergeben hat.

Die gesetzlichen Grundlagen sind klar: Das Verursachen übermässigen Lärms ist gemäss örtlichen Polizeireglementen ebenso verboten wie laut eidgenössischem Gesetz das Abfeuern von Feuerwerk ausserhalb 1. August und Silvester/Neujahr. Wer während des Jahres aus besonderem Anlass ein Feuerwerk abbrennen lassen möchte, muss die Bewilligung beim Gemeinderat einholen. Für Feuerwerke der Kategorie 4 braucht es zudem eine entsprechende Ausbildung sowie die Einwilligung der Kantonspolizei.

Unterschiedliche Praxis

In den Gemeinden ist die Bewilligungspraxis für Feuerwerke unterschiedlich. Die Gemeinde Oberrohrdorf hat kürzlich eine neue Regelung getroffen. Maximal werden ausserhalb Bundesfeiertag und Jahreswechsel noch vier Feuerwerke bewilligt. «Damit möchten wir verhindern, dass die private Knallerei überhandnimmt», sagt Gemeindeschreiber Thomas Busslinger. Bewilligungen würden je nach Fall beurteilt und ausserdem sehr restriktiv erteilt, wobei der fünfte Antragsteller leer ausgehe. «Wir wollen die Beeinträchtigung der Bevölkerung so in Grenzen halten», erklärt Busslinger.

Nicht limitiert, aber sehr eingeschränkt werden Feuerwerke in der Nachbargemeinde bewilligt, erklärt Erich Keller, stellvertretender Gemeindeschreiber in Niederrohrdorf. Dass sich Leute nicht daran halten, komme aber immer wieder vor. Doch Reklamationen über nicht bewilligte Feuerwerke gäbe es eher wenige, sagt Daniel Schreiber, Chef der Regionalpolizei Rohrdorferberg Reusstal.

Restriktive Praxis in Wettingen

«In Wettingen werden private Feuerwerke nur nach eingehender Prüfung bewilligt», sagt Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer. Feuerwerke der Kategorien 4 und «T2» würden ohnehin nur in Rücksprache und in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei erlaubt. Bei der Bewilligung gemäss Polizeireglement spielen zudem Witterung (Trockenheit, starke Winde), Örtlichkeiten (Gefährdung) und zeitlicher Rahmen eine Rolle. «Je später das Feuerwerk am Abend, desto restriktiver unsere Bewilligungspraxis», so Blickenstorfer.

Im letzten Jahr wurden in Wettingen lediglich drei Bewilligungen erteilt. Reklamationen würden bei der Regionalpolizei zwar wenige eingehen. Auch wenn es nicht bewilligte Feuerwerke gebe, so seien diese in den meisten Fällen von kurzer Dauer, sodass die Ermittlung der Verursacher zu schwierig wäre. «Das dürfte der Grund der wenigen Reklamationen sein», ist Blickenstorfer überzeugt. Ähnlich sieht es auch in der Stadt Baden aus, weiss Polizeichef Martin Brönnimann. Nebst dem offiziellen Feuerwerk von der Schlossruine Stein am 1. August und dem Böllerschuss zu Fasnachtsbeginn werden private Feuerwerke nur zurückhaltend bewilligt. Wer sich nicht daran hält, bezahlt 200 Franken Busse, sofern er erwischt wird.

In Obersiggenthal gilt eine klare Praxis: «Der Gemeinderat hat beschlossen, kein privates Feuerwerk zu bewilligen», sagt Gemeindeschreiber Anton Meier. Damit wolle man die Bevölkerung schützen. Ausnahmen würde es höchstens für Dorffeste geben, wie zum Beispiel für die traditionelle Sichlete in Kirchdorf, die aber nicht jährlich stattfindet. Diese Praxis hat sich laut Meier bewährt, «auch wenn es immer wieder schwarze Schafe gibt, die Feuerwerk ohne Bewilligung abbrennen».

In der Gemeinde Untersiggenthal würden Feuerwerke kaum ein Problem darstellen. Das sagt sowohl Sabine Rechner, Chefin der Regionalpolizei, als auch Gemeindeschreiber Stephan Abegg. Bewilligungen würden sehr zurückhaltend erteilt. Und wenn es hie und da ohne Bewilligung «chlöpfe», dann lasse man es einfach über sich ergehen. Davon geht man jedenfalls bei der Gemeinde aus.

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