Kultur

Premiere im «ThiK»: Das Tanztheater Baden erzählt von der Liebe und dem vergänglichen Augenblick

Tänzer Ivano Chiaravalloti in der Rolle des alten Mannes im Stück «Zeitlupenstill – tiny beautiful ugly things».

Tänzer Ivano Chiaravalloti in der Rolle des alten Mannes im Stück «Zeitlupenstill – tiny beautiful ugly things».

Das neue Stück der Badener Theaters ist eine Fusion aus Tanz, Film und Wort.

Was machen Erinnerungen mit uns? Wieso scheint die Zeit schneller zu vergehen, wenn wir älter sind? Und wie kann ich den aktuellen Moment so intensiv erleben, als ob er bereits eine schöne Erinnerung wäre?

Mit diesen drei Hauptfragen hat sich das Künstlerkollektiv des Tanztheaters Baden bei der Planung der neuen Produktion intensiv auseinandergesetzt. Das Ergebnis der einjährigen Zusammenarbeit mit Slam-Poet Simon Libsig und Animationskünstler Andrey Zolothukin heisst «Zeitlupenstill – tiny beautiful ugly things» und ist eine 90-minütige Hommage an das Leben, die Choreografien, Text und Filmprojektionen verbindet. Es wird dieses Wochenende im Theater im Kornhaus in Baden aufgeführt.

Den Rahmen des Stücks bildet eine tragisch-komische Liebesgeschichte: Ein alter Mann lässt in vielen Erinnerungen seine abrupt verstorbene Frau aufleben. Nach und nach lernt er, loszulassen und ein neues Leben zu beginnen. Die Zuschauer erwartet ein wilder Ritt durch die verschiedenen Jahreszeiten einer Beziehung.

Den Moment geniessen, bevor er vorbei ist

«Grundsätzlich ist das Stück der menschlichen Sehnsucht gewidmet, den Augenblick bewusster leben zu können», sagt Christina Szegedi, künstlerische Leiterin von «Zeitlupenstill – tiny beautiful ugly things». In der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit stelle sich oft die Frage: «Darf ich aus diesem Hamsterrad aussteigen, einfach mal raus und die Sonne geniessen?»

Wir sollten laut Szegedi viel mehr im Hier und Jetzt leben: Alles sei vergänglich und oft würden wir etwas erst richtig wertschätzen, wenn es bereits zur Erinnerung geworden sei. «Zeitlupenstill», das bedeute, sich wie in Zeitlupe bewusst darüber zu werden, was in genau diesem Moment passiert.Di

e neue Produktion des Tanztheaters beleuchtet alle Facetten menschlicher Beziehungen. Acht Tänzer, alles freischaffende Künstler, erzählen mit einer eigenen Bewegungssprache von aus dem Leben gegriffenen Situationen und Geschichten, in denen sich das Publikum wiedererkennen kann.

Anregungen zur Reflexion über das eigene Leben

Mit Andrey Zolothukin arbeitet Christina Szegedi schon seit Jahren immer wieder zusammen, und Simon Libsig kennt sie noch aus der Schulzeit. «Ich finde, die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen Sparten bereichert ein Stück ungemein», so Szegedi.

«Das Stück ist wahnsinnig vielseitig, da der Zuschauer auf allen Sinnen bedient wird.» Die Worte, gesprochen von Hans Kremer, würden dem Tanz zusätzlich zur Körpersprache noch eine grössere Zugänglichkeit geben.

Die Proben hätten offiziell vor einem Jahr begonnen, doch bereits das gemeinsame Weiterspinnen von Ideen und die Gedanken in Worte zu fassen sei ein langer Prozess gewesen. «Ich freue mich riesig, dass wir nun endlich den Vorhang aufmachen und unser Stück der Welt zeigen können», sagt Szegedi.

Ziel der Produktion sei es, die Zuschauer zum Nachdenken über die Grundfragen des Stücks zu bringen: Sie sollen ihr eigenes Verhalten und ihren Umgang mit Erinnerungen reflektieren und auch retrospektiv mit Humor betrachten. Letzterer sei trotz der tragischen Thematik ein wichtiger Teil des Stücks, findet Szegedi.

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