Es ist eine kleine Verkehrsrevolution, für die der Kanton im neuen Jahr sorgt: Auf der Ehrendingerstrasse nach Baden wird die erste elektronische Busspur im Kanton Aargau Tatsache. Statt im Stau hinter den Autos warten zu müssen, werden die Busse in Richtung Stadt künftig auf gewissen Abschnitten die Gegenfahrbahn benutzen und die Autokolonne überholen dürfen.

Dazu wird der motorisierte Individualverkehr in beide Fahrtrichtungen mit einer neuen Lichtsignalanlage angehalten, der Veloverkehr ist davon ausgenommen. Sobald die Fahrspur bergwärts in Richtung Ehrendingen frei von Fahrzeugen ist, darf der Bus mit Ziel Bahnhof Baden auf die Gegenfahrbahn wechseln und die Autokolonne überholen. Nach der Lichtsignalanlage schwenkt der Bus wieder auf die korrekte Strassenseite und kann ungehindert weiterfahren. Bei der Haltestelle Schützenhaus und beim Kreisel Landvogtei wird der öffentliche Verkehr zusätzlich mit Lichtsignalanlagen bevorzugt, damit er seine Position im Fahrzeugstrom halten kann.

12'000 Fahrzeuge täglich

Die Inbetriebnahme dieser Busspur ist für Januar vorgesehen, wie Kurt Grauwiler vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sagt. Im Dezember fanden die ersten Testfahrten statt. Von einer elektronischen Spur ist die Rede, weil eine umfangreiche Sensorik einem Computer anzeigt, wie viel Verkehr auf einem Strassenabschnitt unterwegs ist. Die elektronische Spur wird folglich bloss in Stosszeiten in Betrieb sein.

Rund 12'000 Fahrzeuge fahren täglich über die Ehrendingerstrasse zwischen dem Surbtal und Baden. Unter dem hohen Verkehrsaufkommen leiden auch die Buslinien, die in der Rush Hour Schwierigkeiten haben, den Fahrplan einzuhalten. Eine eigene Fahrspur alleine für Busse zu bauen, wäre auf der Ehrendingerstrasse aufgrund der topografischen Situation am Lägernhang nur mit unverhältnismässig hohen Kosten und starken Eingriffen in die Landschaft möglich, weshalb darauf verzichtet wurde, teilt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau mit.

Elektronische Busspuren sind eine bewährte Massnahme im Verkehrsmanagement. Kantone wie Zug und Luzern oder Städte wie Rapperswil-Jona und Zürich haben sie bereits erfolgreich in Betrieb genommen, wie das BVU bereits im November schrieb. Wie viele Minuten die Zeitersparnis für Busse vom Surbtal, Niederweningen und Ehrendingen nach Baden betragen wird, sei schwierig zu beziffern, so Kurt Grauwiler.

Spürbarer Effekt

Zahlen aus anderen Städten zeigen, dass der Effekt spürbar ist: In Zug wurde vor rund drei Jahren auf der Artherstrasse eine elektronische Spur in Betrieb genommen, seither haben rund 95 Prozent der Busse nur noch eine Verspätung von maximal fünf Minuten. Vor der Inbetriebnahme der Busspur waren Verspätungen von bis zu zwanzig Minuten keine Seltenheit, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.