Auf nicht wenigen Briefkästen in der Schweiz ist ein «Keine Werbung»-Kleber angebracht. Das ist vor allem der Schweizerischen Post im Dorn im Auge, besteht doch die Hälfte der beförderten Post aus Werbepost. Und das Geschäft mit unadressierten Webesendungen harzt: 2015 ging es um 1,7 Prozent zurück.

Kein Wunder also, setzt die Post alles daran, die Kleber möglichst wieder verschwinden zu lassen. Rund 330 000 Schweizer Haushalte – darunter auch Haushalte in Baden und Ennetbaden – haben in den letzten Tagen Post vom gelben Riesen bekommen mit der Überschrift «Jetzt gratis von attraktiven Warenmustern profitieren. In ihrem Wohngebiet verteilen wir von Oktober bis Dezember 2016 jeden Monat ein attraktives Warenmuster.»

Einzige Bedingung: Der Briefkasten darf nicht mit einem «Keine Werbung»-Kleber versehen sein. Oder noch besser: «Sie können auch den beiliegenden Aufkleber ‹Werbung OK› nutzen, um einen bestehenden Kleber einfach zu überkleben.» Denn nur dann darf die Post den Kunden Werbung – und dazu gehören auch Warenproben wie Bouillonwürfel oder eine Packung Müesli – zusenden.

Falls der Briefkastenbesitzer dann zu einen späteren Zeitpunkt wieder einen «Keine Werbung»-Kleber anbringe, werde man diesen Wunsch selbstverständlich respektieren, so die Post grosszügig. «Wir nötigen die Kunden nicht; jeder hat die freie Wahl, ob er den «Werbung OK»-Kleber anbringen will oder nicht, betont Mediensprecher Oliver Flüeler.

Kritik vom Konsumentenschutz

Es ist nicht das erste Mal, dass die Post zu dieser Werbe-Offensive greift. Bereits im Sommer 2015 erhielten rund 40 000 Postkunden in Bern, Lausanne und Luzern einen entsprechenden Brief. Die Aktion rief damals die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) auf den Plan, welche die Aktion der Post scharf kritisierte. Die Post hoffe, mit dieser «Müsterliaktion» möglichst viele Briefkästen werbeempfänglich zu machen.

Die SKS initiierte ihrerseits einen kostenlosen «Stopp Werbung»-Kleber. Kunden konnten den Post-Kleber an die SKS schicken und erhielten dafür einen Stopp-Kleber. Ob die SKS von der neuerlichen Post-Offensive Kenntnis hat und ob die SKS allenfalls in Erwägung zieht, ihrerseits wieder eine Offensive zu lancieren, war nicht in Erfahrung zu bringen, das seitens SKS niemand zu diesen Fragen Stellung nehmen konnte.

Die SKS und die Post haben immer wieder Differenzen ausgefochten. So störte sich die SKS auch schon daran, dass die Post ihre Pöstler angewiesen hatte, Kunden von den neuen «Werbung OK»-Klebern zu überzeugen. Die Post argumentierte, es gebe viele Haushalte, die nach einem Umzug den Stopp-Kleber vom Vermieter übernehmen würden, vielleicht aber gerne unadressierte Werbung erhalten würden.

Mediensprecher Flüeler ergänzt: «Man darf in der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass die Post nicht nur Kunden auf der Empfänger-Seite hat. Vielmehr sind wir auch Dienstleister für die Werbe- und Produkteindustrie.» So bestehe die Hälfte der beförderten Post aus Werbepost.

Diesen Frühling schlug die Post noch einen ganz anderen Weg ein, indem Kunden für eine Online-Dienstleistung gewonnen werden sollten, bei der sie über ein Webportal aussuchen konnten, von welchem Unternehmen sie Werbung erhalten möchten. Der Slogan lautete damals: «Sagen Sie Jein zu Werbung.»