Vielen mag es beim Durchfahren nicht aufgefallen sein, wohl aber den Bewohnern und Passanten: dass die Grünfläche mit Bäumen, Sträuchern und Familiengärten auf dem Feld «Taggewis» bei der Oberrohrdorferstrasse in Fislisbach von einem Tag auf den anderen rückgebaut wurde. «Als ich im Frühjahr einmal bei meiner Familie auf Besuch war, haben mich einige Bewohner auf diese Nacht-und-Nebel-Aktion aufmerksam gemacht», sagt Urs Heinz Aerni, der in Fislisbach aufgewachsen ist und in Zürich lebt.

«Das ist ein markanter Eingriff»

Der Rückbau der Grünzone hätte Fragen aufgeworfen und Irritation ausgelöst, sagt Aerni. Denn für Bewohner und Passanten war sie eine grüne Insel mitten in der Monokultur. Sie sahen darin einen Mehrwert für die Umwelt: Die Fläche bot Vögeln, Insekten und Kleinsäugern nicht nur Schutz, sondern auch Ernährung. Aerni begann, sich Gedanken zu machen, und kam zum Schluss: «Das ist ein markanter Eingriff.» In der Folge nahm der Feldornithologe und Journalist Kontakt mit der Bauverwaltung auf und wollte wissen, warum diese Fläche rückgebaut wurde.

Grund für die Plafonierung ist das neue Grundwasserpumpwerk «Moos», das die Gemeinde gemeinsam mit Mellingen derzeit baut. Dieses befindet sich auf dem angrenzenden Feld «Maas». «Zum Schutz des Grundwassers werden gestützt auf das Bundesrecht um das neue Grundwasserpumpwerk verschiedene Schutzzonen ausgeschieden, in welchen unterschiedliche Auflagen gelten», schreibt Roger Kamber, Leiter Tiefbau von Fislisbach. Weil die Grünfläche in eine Schutzzone fällt, in der solche Familiengärten nicht zugelassen sind, habe das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) den Rückbau in der Baubewilligung für das neue Grundwasserpumpwerk «Moos» verfügt.

Man habe die Besitzer der betroffenen Parzelle Nummer 21 frühzeitig über den Rückbau informiert und ihnen alternative Pflanzplätze angeboten, schreibt Kamber weiter. Jedoch wollten sie diese nicht in Anspruch nehmen. «Die Gemeinde Fislisbach hat zwischenzeitlich die Parzelle erworben.»

Bewohner wären gerne informiert worden

Für Urs Heinz Aerni sind die Antworten aus fachlicher Sicht klar ausgefallen. «Trotzdem hätte ich mir von der Gemeinde mehr Sensibilität gegenüber den umliegenden Bewohnern gewünscht», sagt er. In anderen Worten: Dass nicht nur die Besitzer der Parzelle über das Vorhaben informiert worden wären, sondern auch die Anwohner. Dies, weil der Druck auf die örtliche Biodiversität aufgrund der Wohn- und Strassenbauaktivitäten zunimmt und die Verunsicherung dadurch grösser wird. «Die Bewohner hätten mit einem Schreiben, einem Flugblatt oder per Mail auf den Rückbau aufmerksam gemacht werden sollen. Durch eine proaktive Kommunikation hätten sie sich besser verstanden gefühlt», sagt Aerni.

Warum dies nicht der Fall war, erklärt Roger Hegglin, Leiter der Bauverwaltung: Die Wohnhäuser hätten zur Parzelle einen grösseren Abstand. «Die umliegenden Bewohner sind also nicht direkt betroffen.» Ausserdem habe man die Bevölkerung mit verschiedenen Pressemitteilungen und auch an Gemeindeversammlungen über das Projekt informiert, sagt Hegglin.

Als Kompensation für den Rückbau hat die Gemeinde mit dem Pächter und grösstenteils auch Eigentümer der umliegenden Parzellen vereinbart, eine Ökowiese – zwischen dem Fahrweg südlich der «Taggewis» bis zum Fahrweg südlich des Siedlungsgebiets auf der Bereite der neuen Schutzzone – anzulegen. «Der Landwirt hat die Wiese angesät und sie ist nun am Wachsen», sagt der Leiter Tiefbau, Roger Kamber.