Baden

Plastikexperiment: Auch Angestellte von Grosskonzernen wollen mitmachen

Das Interesse am Plastikexperiment ist gross. Schon der erste Infoanlass in der Druckerei in Baden zog rund 200 Personen an.

Das Interesse am Plastikexperiment ist gross. Schon der erste Infoanlass in der Druckerei in Baden zog rund 200 Personen an.

Mitarbeitenden von Badener Firmen, wie etwa General Electric, starten Initiativen zum Plastikverzicht. Das «Vaudoise-Haus» wird zur Anlaufstelle.

Was Ende November unter dem Namen «Baden geht voran. Das Plastikexperiment» gestartet ist, stiess seither auf grosse Resonanz. Eine lose Gruppe von sieben Personen um den Badener Hausarzt Christoph Broens will mit dieser Aktion ein Zeichen gegen den «Plastikwahnsinn» setzen und fordert die Bevölkerung auf, im März 2020 einen Monat lang auf Plastik zu verzichten.

Nach einem ersten Infoanlass, an dem im Eventlokal «Druckerei» im BT-Gebäude über 200 Personen teilgenommen haben, bildeten sich rund 20 Arbeitsgruppen zu diversen Themen. Eine davon hat Unternehmen im Fokus und wird von Camilla Arnaud koordiniert.

Die beim Badener Standort von General Electric tätige Mitarbeiterin hatte nach dem Infoanlass ein Mail an die Angestellten von GE geschickt und das Interesse an einem Workshop abgefragt, an dem Ideen gesammelt werden sollen, wie man am Standort in Baden plastikfreier wirtschaften könnte: «Die vielen raschen Rückmeldungen für einen solchen Workshop haben mich wahnsinnig gefreut», sagt Arnaud.

Bis heute hätten sich rund 100 Personen dafür angemeldet. Der Workshop findet Anfang Januar in den Firmenräumlichkeiten statt – alles auf freiwilliger Basis. «Ich habe inzwischen auch intern sechs Freiwillige gefunden, die mir bei der Organisation und weiteren Arbeiten helfen», so Arnaud.

Auch andere Unternehmen involviert

In ihrer Arbeitsgruppe sind aktuell drei Personen vertreten, eine davon ist bei ABB Schweiz beschäftigt und eine andere bei einem weiteren Grosskonzern mit Sitz in Baden. Diese beide seien ebenfalls daran, etwas Ähnliches wie Arnaud auf die Beine zu stellen.

Mit einer weiteren internationalen Firma mit Standort in Baden ist die GE-Angestellte ebenfalls in Kontakt. Arnaud wäre froh um mehr Firmen, ob klein oder gross, die sich ebenso in der Arbeitsgruppe engagieren würden: «Interessierte Personen dürfen sich sehr gerne bei mir melden», wünscht sich die Nussbaumerin.

Erste Ideen, wo man ansetzen könnte, wären: «Zum Beispiel könnte man in den Pausenräumen die Kaffeerähmchen ersetzen oder in der Kantine mögliche Alternativen zu den Plastikverpackungen der Sandwiches finden.»

Zudem wäre eine weitere Option, Mehrweggeschirr zur Verfügung zu stellen. «Auch in anderen Bereichen könnte sicherlich Plastik gespart werden, zum Beispiel in der Logistik», sagt Arnaud. Aber das solle dann Teil des Workshops sein: «Wir werden dort ebenfalls Arbeitsgruppen mit Personen aus verschiedenen Unternehmensbereichen bilden und so hoffentlich gemeinsam die unterschiedlichsten Alternativen zu Plastik herausarbeiten.»

Am Ende soll aus den zusammengetragenen Ideen ein Leitfaden entstehen, der Tipps und Tricks enthält, wie Unternehmen ihren Plastikverbrauch verringern können und was stattdessen genutzt werden kann. Ein solcher Leitfaden soll es auch für Gastrobetriebe, Detailhändler und für Privatpersonen geben, um es künftig allen so einfach wie möglich zu machen, auf Plastik zu verzichten. Zudem plant die Plastikexperiment-Gruppe ein Label zu schaffen, mit dem Geschäfte, die sich besonders um Plastikverzicht bemühen, ausgezeichnet werden.

Wiederbelebung von leerstehendem Ladenlokal

Eine Vision der Gruppe wurde am Mittwoch wahr: Eine Plastikzentrale. Also eine Anlaufstelle für alle Interessierten, die nach Plastik-Alternativen suchen oder selbst Ideen einbringen wollen. Die Gruppe darf dafür schon bald das seit rund zwei Jahren leer stehende Ladenlokal im sogenannten «Vaudoise»-Haus an der Weiten Gasse, dort wo früher das Mode-Outlet «Chicorée Best Price» war, zwischennutzen, sagt Brunhilde Mauthe, zuständig für die Kommunikation beim Plastikexperiment.

«Wir dürfen dafür beide Stockwerke nutzen und werden unten in den Schaufenstern zum Beispiel auf die App aufmerksam machen, die eine der Arbeitsgruppen aktuell gerade entwickelt.» Ansonsten sollen sich hier künftig die Arbeitsgruppen treffen oder andere Anlässe organisiert werden, um auf den März 2020 einzustimmen.

Der nächste Infoanlass ist auf den 27. Januar angesetzt. Ebenfalls in konkreter Planung sind diverse Anlässe durch den ganzen Monat März. So zum Beispiel am ersten Wochenende im März ein Forum in der Halle 37 mit Marktständen, Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion. Hier sollen denn auch nicht nur Befürworter des Plastikexperiments zu Wort kommen: «Wir wollen auch kritischen Stimmen Platz geben», sagt Mauthe.

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