Fürs Foto verteilt Musiker Peter Finc seine gutproportionierten 1,96 Meter über das Louis-Philippe-Sofa des Hotels Blume und spielt auf der mitgebrachten Gitarre ein paar groovige Riffs. Die Vögel in der hauseigenen Voliere zwitschern dazu. Der Künstler wirkt happy und total entspannt.

Beim letzten Gespräch vor drei Jahren stand Finc zwar kurz vor einer Chinatournee, war aber frustriert vom ganzen Musikbusiness und pleite. Die Zeiten haben sich geändert. Gerade hat er mehrere Songs mit der amerikanischen Sängerin Freda Goodlett eingespielt, ein Live-Album mit der deutschen Jazz-Saxofonistin Nicole Johänngten veröffentlicht, liefert den Sound zum Spielfilm «Oboleo», der am 8. März in Berlin Premiere feiert, und rüstet sein Oldtimer-Mercedes-Wohnmobil mit Solarenergie auf, damit er auf seiner eigenen mobilen Konzertbühne spontane «Solar-Gigs» geben kann.

In der Badener Szene war er bekannt

Der 40-Jährige ist ein Herzblutkünstler und behauptet von sich selber: «Nur wenn ich Musik mache, drehe ich den Hahn voll auf.» In der Badener Szene war der Multiinstrumentalist bekannt wie ein bunter Hund, tourte vor allem mit William White durch die Konzerthallen und ist bis heute immer noch fester Bestandteil von Linard Bardills «Tubeschlagband».

Doch es kam die Zeit, in der sich Finc als Begleitmusiker eingeengt fühlte, und die Auftritte generell immer schlechter bezahlt wurden. Geringschätzige Kommentare wie «du machst ja gerne Musik, dann musst du doch nichts damit verdienen» oder «Warum sollst gerade du von Musik leben können? Arbeite endlich etwas!» machten ihm auf Dauer schwer zu schaffen. «Ich verlor fast den Glauben an mich», erinnert er sich heute.

«Als mich wieder mal ein Veranstalter über den Tisch ziehen wollte, kam das Fass zum Überlaufen», berichtet Finc. 2014 schob er den Riegel. «Ich gehe in der reichen Schweiz nicht für ein Butterbrot spielen», postete er auf Facebook. Und gerade als er die Miete für seine Wohnung in einem Bauernhaus nahe Murten nicht mehr bezahlen konnte, kam per Zufall ein Job als Badmeister in Winterthur auf ihn zu. Zwei Jahre lang tauchte der Kreative in die friedliche, manchmal etwas enge Welt eines provinziellen Freiluftbades ein und stellte das Musikmachen zurück. «Ich liess einfach los. Sich an etwas zu klammern, macht alles nur schlimmer», sagt der Lebenskünstler.

Materielle Ansprüche hat er kaum

Aber sein instrumentales Können, das er sich autodidaktisch beigebracht hatte, war eben doch gefragt. Erste Konzertbookings tröpfelten bald wieder rein und wurden immer mehr. Finc nimmt nur noch diejenigen an, die angemessen entlohnt werden. Respekt für seine Arbeit ist ihm wichtig. Mittlerweile wohnt er in einer günstigen Altbauwohnung in Ehrendingen. Materielle Ansprüche hat er kaum. «Mein grösster Besitz ist das, was ich zum Musikmachen brauche», kommentiert er.

An einem Auftritt in Zürich entdeckte ihn die weltweit anerkannte Saxofonistin Nicole Johänngten und der Funke sprang sofort. Seit einem Jahr sind sie zusammen in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Die Kombination von seinem Gitarrenspiel und Gesang mit ihren jazzigen Saxofon-Improvisationen ist neu. «Wir proben nie, gehen an den Konzerten spontan aufeinander ein», erzählt der im Kappelerhof aufgewachsene Badener. Die enorme Energie, die daraus entsteht, ist auf der soeben erschienen Live-CD spürbar. Peter Finc hat zu seiner Berufung zurückgefunden. Sein Ziel: «Ich will in 40 Jahren noch so Musik machen können, wie heute.»