Wie wenn die Kugel beim Roulette um die richtige Zahl hüpft, dann aber doch nicht dort zu liegen kommt: So fühlten sich die vergangenen Monate wohl für die Verantwortlichen der Stadtcasino Baden AG an.

Im Juni 2014 hatte das österreichische Finanzministerium den Badenern den Zuschlag für die Errichtung einer Spielbank in Wien gegeben. CEO Detlef Brose sprach von einem «Riesenerfolg».

Doch nun hiess ein österreichisches Gericht eine Beschwerde der «Casino Austria» gut und entzog den Badenern die Konzession, das Verfahren wird neu aufgerollt. Werden die Badener dennoch weiter um die Errichtung einer Wiener Spielbank pokern?

«Der Verwaltungsrat hat darüber noch nicht entschieden», sagt der neue VR-Präsident Jürg Altorfer, der sich erstmals öffentlich zur aktuellen Situation äussert. «Der vorberatende Projektausschuss wird dem Verwaltungsrat allerdings empfehlen, das Projekt weiter zu verfolgen.»

Vier Millionen Franken haben die Badener zusammen mit ihrem deutschen Partner, der Gauselmann-Gruppe, bisher auf das Projekt in Österreich gesetzt. «Wir sind weiterhin der Meinung, dass unser Projekt zu Recht den Zuschlag erhielt.

Dies aufgrund des einzigartigen Standortes im Palais Schwarzenberg, eines Konzessionsgesuches auf sehr hohem Niveau und mit einem Projekt, das der Stadt Wien ein Casino mit internationalem Flair garantiert», sagt Altorfer.

Enttäuschende Entwicklung in Davos

Ernüchternde Nachrichten gibt es nicht nur aus Österreich, sondern auch aus Davos zu vermelden. Vor drei Jahren hatten die Badener 90 Prozent der Aktien der Casino Davos AG übernommen. «Wir können mit den Geschäftsergebnissen des Casino Davos in den letzten beiden Jahren nicht zufrieden sein», sagt Altorfer. Festzuhalten sei aber, dass das Bergcasino im Branchenvergleich bei der Ertragsentwicklung sehr gut abschneide.

Nun komme ab diesem Jahr leider die Euroschwäche und ein damit zu befürchtender Rückgang von Touristen oder zumindest eine drohende Reduzierung der Pro-Kopf-Ausgaben hinzu.»

Spielbank-Chef Detlef Brose denkt gar laut über eine Schliessung des Davoser Casinos nach: Man habe die Aktienmehrheit in Davos zwar nicht ausschliesslich aus Profit-Erwägungen erworben, jedoch stehe auch das Betriebsergebnis im Fokus. Es sei klar festzustellen, dass positive Renditen in den Schweizer Bergcasinos (Davos und St. Moritz) nur mit einer weiteren Reduzierung der Spielbankabgaben möglich sind.

«Dies haben wir in der Vernehmlassung zum neuen Geldspielgesetz als elementare Forderung eingebracht», sagt Detlef Brose. Sollte die Politik nicht entsprechend reagieren, «droht den Bergcasinos aus unserer Sicht die Schliessung».

Die Stadtcasino Baden AG verfolgt seit einigen Jahren eine Expansionsstrategie. «Die Abhängigkeit von einem einzigen Standort und die Unsicherheit, was nach Ablauf der Konzessionsdauer im Jahre 2022 geschieht, sind die Gründe», sagt Altorfer.

Zusammen mit ihrem deutschen Partner bewerben sich die Badener darum nun auch für die ausgeschriebenen Konzessionen in Rheinland-Pfalz und in Berlin. Welches Expansionsprojekt geniesst Priorität – Deutschland oder Österreich?

Altorfer: «Bei diesen beiden Projekten stehen wir nicht vor einer Entweder-oder-Situation. Im Rahmen unserer Vorwärtsstrategie werden die Entscheidungen zu Teilnahmen an Konzessionen generell unabhängig voneinander getroffen. Was man sagen kann: Wirtschaftlich bedeutsamer ist das Wiener Projekt.»

Die Stadtcasino Baden AG steht zu 51 Prozent im Besitze der Einwohner- und Ortsbürgergemeinde Baden. Die restlichen 49 Prozent der Aktien verteilen sich auf 2310 Einzelaktionäre.