Baden

Paukenschlag an der Badstrasse: Dölf A. Köpfli verkauft seine Häuser an die SBB-Pensionskasse

Vier Häuser an der Badstrasse und am Brenntweg gehören jetzt der Pensionskasse der SBB. Das Eckhaus hinten ist noch im Besitz von Köpfli.

Vier Häuser an der Badstrasse und am Brenntweg gehören jetzt der Pensionskasse der SBB. Das Eckhaus hinten ist noch im Besitz von Köpfli.

Der Badener Unternehmer Dölf A. Köpfli stiess mit seinem Neubauprojekt auf Widerstand. Jetzt übt er Kritik an der Stadt.

In der Ladenlandschaft an der Badener Badstrasse dürfte bald wieder ein neuer Wind wehen. Der Badener Unternehmer Dölf A. Köpfli plante hier mit seiner Immobilienfirma Metaloca AG einen Neubau mit dem klingenden Namen Metropol. Im neuen Gebäude sollten Läden, Büros, Wohnungen und ein Restaurant oder ein Café entstehen.

Köpfli wollte einen Treffpunkt für «tout Baden» schaffen und die sehr stark frequentierte Einkaufsstrasse aufwerten. Dafür erwarb er die vier Häuser an der Badstrasse 25, 27 und 29 sowie am Brenntweg 1. Alle vier Liegenschaften stammen aus dem 19. Jahrhundert, teilweise sind sie dringend sanierungsbedürftig.

Nachdem Köpfli mit seinem Neubauprojekt auf grosse Widerstände stiess, vermietete er die leer stehenden Läden und Wohnungen im Herbst 2018 vorerst für eine Zwischennutzung bis 2023. Jetzt hat er die vier Häuser verkauft.

Wer den Zuschlag erhielt, wurde schon seit Wochen in der Stadt gemunkelt, nun schafft Dölf A. Köpfli Klarheit: Es ist die Pensionskasse der SBB. Mit rund 56000 Versicherten und einem Kapital von rund 17 Milliarden Franken ist sie eine der grössten Pensionskassen der Schweiz. Köpfli schreibt in seiner Mitteilung, mit dem Verkauf verabschiede er sich von seiner «Mission einer artgerechten Pflege der Badener Altstadt».

«Der Badstrasse sollte man Sorgen tragen»

Ins Immobiliengeschäft kam der 67-jährige Ur-Badener und langjährige Druckereiunternehmer vor zwölf Jahren durch sein Engagement am Theaterplatz 5, wo er das ehemalige Geschäftsdomizil seiner Druckerei durch einen stattlichen Neubau ersetzte. In der Folge kaufte er auch das ehemalige Höchli-Haus an der Badstrasse 21 und liess es umbauen.

Köpfli geht es um eine ortbildgerechte Aufwertung der Innenstadt, wie er sagt. Und: «Der Badstrasse im Besonderen sollte in ihrer Essenz unbedingt Sorge getragen werden.»
Köpfli ist überzeugt, mit dem Verkauf an die Pensionskasse der SBB eine gute Lösung gefunden zu haben: «Die Stadt Baden bekommt damit einen Projektpartner auf Augenhöhe.»

Die neue Besitzerin könne an bester Innenstadtlage in der Nähe zum Bahnhof eine zukunftsträchtige Wertanlage realisieren. Und seine Metaloca AG bleibe ihrer Mission treu und verkaufe die «Metropol-Perle» an der Badstrasse nicht an einen Spekulanten, sagt Köpfli. Das rosarote Eckhaus an der Badstrasse 31 (Knecht Reisen) hat Köpfli vor kurzem ebenfalls erworben. Dieses Haus ist immer noch in seinem Besitz.

Was die Pensionskasse hier nun plant, ist noch offen. Klar ist: Die Häuser werden nicht an die SBB Immobilien übergehen. Diese standen zuletzt stark in der Kritik, weil sie als Bundesbetrieb an bester Lage teure Luxusliegenschaften bauten – etwa an der Europaallee in Zürich.

«Die Pensionskasse SBB und SBB Immobilien sind völlig unabhängig voneinander und haben unterschiedliche Immobilienstrategien», sagt Patrick Zuber, Mediensprecher der Pensionskasse. Zum Kaufpreis der Häuser an der Badstrasse oder zu allfälligen Neubauplänen könne er derzeit nichts sagen.

Kritik an der Stadtbildkommission

Deutliche Worte findet Dölf A. Köpfli, wenn es um die Vorgeschichte seines Neubauprojekts geht. «Alles schien auf gutem Gleise – doch die Stadtbildkommission teilte diese Meinung nicht.» Der «immense administrative Aufwand» und die Erfahrungen bei anderen Badener Bauprojekten hätten ihn in seinem Entscheid beflügelt, seine vier Häuser zu verkaufen.

Stadträtin Sandra Kohler (parteilos) ist als Bauvorsteherin von Amtes wegen Präsidentin der Stadtbildkommission. Sie findet es schade, dass Köpfli sein Projekt Metropol zurückgezogen hat. Kohler betont, dass die Stadtbildkommission eine beratende Funktion habe und keine Entscheide treffe. «Die Kommission gibt grundlegende Anregungen, gibt aber nicht detailliert vor, was geändert werden soll», sagt Kohler.

Der abschliessende Entscheid zu einem Baugesuch liege beim Stadtrat. «Dass die Kommission sowie die Abteilung Planung und Bau Einfluss auf grössere Bauprojekte – und damit auch auf den Schutz des Badener Ortsbildes – haben, finde ich wichtig und sinnvoll», sagt Kohler.

Doch Dölf A. Köpfli geht noch weiter und sagt: «Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass es bald nur noch Grossunternehmen möglich ist, anspruchsvolle Bauvorhaben in der Stadt Baden zu realisieren.» Die Hürden und damit die Unsicherheiten im Bewilligungsverfahren seien immens.

«Es scheint an der Zeit, die Zusammensetzung und die Verfahren der baurelevanten Behörden wie der Stadtbildkommission zu überprüfen und im Sinne einer Vereinfachung anzupassen», schliesst Köpfli.

Sandra Kohler sagt, sie verstehe sehr gut, wenn der Bewilligungsprozess für manche Bauherren anstrengend sei: «Bauen ist ein sehr emotionales Thema, bei dem es fast immer Reibungsflächen gibt. Aber etwas Reibung führt oft zu einem guten Ergebnis.»

Mit der SBB-Pensionskasse sei die Stadt bereits im Austausch: «Wir haben unsere Wünsche für diesen sehr anspruchsvollen Standort angebracht. Jetzt warten wir gespannt ab, was die Pensionskasse für ein neues Projekt vorstellt.»

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