Seit die Einführung von Fallpauschalen an Schweizer Spitälern beschlossen ist, geistert in vielen Köpfen die Angst herum, dass Spitäler ihre Patienten zu früh nach Hause entlassen. Der Grund: Ab dem 1. Januar 2012 erhalten Spitäler für jeden Fall einen fixen Betrag. Muss der Patient länger als geplant im Spital bleiben, gehen die Kosten, welche die Pauschale übersteigen, zu Lasten des Spitals.

Dieter Keusch, CEO des Kantonsspitals Baden, weist darauf hin, dass diese Ängste unbegründet sind. «Ein Wiedereintritt des Patienten innerhalb von 18 Tagen löst keinen neuen verrechenbaren Fall aus.» Mit anderen Worten: Für alle Kosten, die nach einem Wiedereintritt anfallen, muss das Spital aufkommen. Man setze alles daran, diesen «Drehtüren-Effekt» zu verhindern, sagt Keusch.

Wiedereintritt in Spital verhindern

Dem gleichen Zweck - also der Verhinderung von Wiedereintritten - dient das Konzept der Akut- und Übergangspflege. «Vor allem für ältere Menschen kann es eine Belastung sein, nach einem Spitalaufenthalt direkt wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren zu müssen», sagt Keusch. Menschen in solchen Situationen kann während längstens 14 Tagen mit einer Akut- und Übergangspflege geholfen werden.

Bei KSB-Patienten soll dies künftig im Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB) der Fall sein. Am 1. September ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen KSB und RPB angelaufen. Hintergrund der Kooperation bildet dabei ein Leistungsauftrag, den acht Institutionen im Bereich der Langzeitpflege vom Kanton erhalten haben. Im Rahmen eines Pilotprojektes setzen die Institutionen die Akut- und Übergangspflege in den nächsten vier Jahren um.

«Mit dem 14-tägigen Pflegeangebot verhindern wir aber nicht nur eine mögliche Rehospitalisation», sagt RPB-Direktor Marc Pfirter. «Während 14 Tagen vermitteln wir dem Patienten zusätzliche Sicherheit im Umgang mit den Folgen einer Krankheit oder einer Operation und unterstützen ihn dabei, den Alltag wieder selbstständig zu bewältigen», ergänzt Andrea Martin-Fischer, Leiterin Pflegedienst RPB.

Keine Konkurrenz zur Reha

Das Pflegeangebot soll weiter dazu beitragen, die Aufenthaltszeit im Spital zu reduzieren. «Nicht selten behalten wir Patienten länger als wirklich nötig im Spital, weil wir sie nicht direkt nach Hause entlassen können», sagt Keusch.

Zudem soll die Übergangspflege auch dazu dienen, den Eintritt in eine Langzeitpflegeorganisation zu verhindern beziehungsweise zu verzögern. «Währen den 14 Tagen erlangen Patienten wieder ihre notwendige Selbstständigkeit für eine Rückkehr nach Hause», erklärt Pfirter. Dieter Keusch weist weiter darauf hin, «dass die Akut- und Übergangspflege keine Konkurrenz zu Rehabilitations-Angeboten darstellt».

Jetzt stehen 4 Betten zur Verfügung

Ob und in welchem Umfang ein Patient auf diese Pflege angewiesen ist, soll dabei innerhalb der ersten Tage nach Eintritt in das Spital eingeschätzt werden. «Im ganzen Prozess findet eine enge Zusammenarbeit mit einem intensiven Informationsaustausch zwischen dem KSB und dem RPB statt», sagt Yvonne Biri, Pflegedirektorin des KSB. Diese Zusammenarbeit werde dadurch begünstigt, dass beide Institutionen von der KSB-Apotheke betreut werden.

Hat das RPB überhaupt genügend Platz für Übergangspflege-Patienten? «Bis Ende Jahr stehen vier Betten zur Verfügung, ab Januar 2012 sollen es acht Betten und ab August zwölf Betten sein», sagt Marc Pfirter. Dass dieses Angebot nicht gratis ist, versteht sich von selbst. Pfirter: «Die beim Patienten anfallenden Kosten sind gleich hoch wie in der Langzeitpflege - nämlich 202 Franken pro Tag.»