Wahl in Mellingen

Parteien finden keinen Kandidaten – nun springt eine Parteilose in die Bresche

Maria Giovanna Suter (53), parteilose Spontankandidatin für den Gemeinderat: «Ich werde noch kräftig die Werbetrommel rühren müssen, damit die Leute wissen, wer ich bin.»

Maria Giovanna Suter (53), parteilose Spontankandidatin für den Gemeinderat: «Ich werde noch kräftig die Werbetrommel rühren müssen, damit die Leute wissen, wer ich bin.»

Maria Giovanna Suter (parteilos) kandidiert als Einzige für den Gemeinderat Mellingen. Weil sie die Anmeldefrist für die Wahlen verpasst hat, steht sie nicht auf den Wahlzetteln.

Das Reussstädtchen hat nach Ablauf der Anmeldefrist doch noch eine Kandidatin für den frei werdenden Sitz im Gemeinderat erhalten. Nachdem Daniela Koller (parteilos) ihren Rücktritt bekannt gegeben hatte, fehlte es den grösseren Ortsparteien an möglichen Kandidaten (wir berichteten).

Maria Giovanna Suter (parteilos) springt in die Bresche und kandidiert. «Als ich in der az las, dass sich kein Kandidat gemeldet hatte, fühlte ich mich angesprochen und habe mit Gemeinderätin Mirjam Egloff Kontakt aufgenommen», sagt sie. Sie wolle sich für die Gemeinde und die Einwohner einsetzen. «Bisher konnte ich das aber wegen meines Arbeitspensums nicht», sagt die gebürtige Lenzburgerin. Seit fünf Jahren wohnt die zweifache Mutter mit ihrer Familie in Mellingen und arbeitet in einer 60-Prozent-Anstellung beim Departement Volkswirtschaft und Inneres.

Weil die 53-Jährige aus einer FDP-Familie kommt – ihr Vater war Parteimitglied – und sie der Partei nahe steht, unterstützt die Ortspartei Suters Wahlkampf. Gemeinderätin und FDP-Ortspräsidentin,Mirjam Egloff informierte die anderen Ortsparteien über Suters Kandidatur. Auf die gemeinderätliche Unterstützung angesprochen, sagt Suter: «Wir sind Nachbarinnen und kennen uns gut.» Mit Ammann Bruno Gretener und Mirjam Egloff sind bereits zwei FDP-Politiker im Gemeinderat vertreten. Zu einer möglichen FDP-Mehrheit im künftigen Gremium sagt Suter: «Ich will noch offenlassen, ob ich der Partei beitrete.»

Mehr politisches Profil bitte

Die bürgerlichen Parteien zeigen sich einerseits erleichtert, dass nun eine Kandidatin für das Amt zur Verfügung steht. Doch bei der CVP wünscht man sich von Suter ein politisch klareres Profil. «Sie ist für uns diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt», sagt CVP-Präsident Hanspeter Koch. «Im freiwerdenden Ressort sind die Bereiche Soziales und Kultur angesiedelt. Vor allem im Sozialbereich hat eine Gemeinde finanzielle und organisatorische Spielräume. Da macht es einen Unterschied, ob ein SPler oder FDPler die Leitung hat», gibt Koch zu bedenken. Die CVP halte die Kandidatin aufgrund der beruflichen Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung für geeignet, sagt Koch. «Sie scheint zudem eine kommunikative, motivierte Kandidatin zu sein. Trotzdem werden wir in der CVP Stimmfreigabe beschliessen.»

Die SVP unterstützt den Wahlkampf von Suter. «Sie ist in unseren Augen eine bürgerliche Kandidatin», sagt Roger Fessler, vormals Präsident der Orts-SVP. Deshalb wird auf dem Flyer, der diese Woche an die Haushalte gehen soll, nebst dem FDP- auch das SVP-Logo zu sehen sein. Trotzdem dürften die Gefühle der Parteimitglieder gemischt sein. Einige hätten sich gewünscht, dass Roger Fessler, der bereits Mitglied der Finanz- und Feuerwehrkommission ist, sich für das Amt beworben hätte. «Ich wurde darauf angesprochen und es würde mich sehr reizen», sagt Fessler. Er habe aber zwei kleine Kinder und sei als Offizier bei der Feuerwehr Regio Mellingen stark eingespannt. «Sobald der richtige Moment kommt, bin ich aber bereit, zu kandidieren.»

SP hofft auf belebteres Städtli

Noch unschlüssig ist man sich in der jungen Ortssektion der SP. «Grundsätzlich freuen wir uns, dass es doch noch eine Kandidatin gibt», sagt Joris Egger, Präsident der SP Mellingen-Wohlenschwil-Mägenwil. «Wir möchten Frau Suter aber kennen lernen.» Man wisse, dass sie der FDP nahe steht, «aber deswegen wollen wir ihr keinen Stempel aufdrücken», sagt Egger. Wichtig sei der SP, dass Suter sich für ein belebteres Städtli und mehr kulturelles Leben einsetze.

Wie die Bürgerlichen hatte die SP in den eigenen Reihen nach einem Kandidaten gesucht, doch auch nach einer zweiten Runde keinen gefunden. Nun will sich die Linke auf die kommunalen Gesamterneuerungswahlen 2017 konzentrieren. Egger: «Ziel ist es, einen Kandidaten oder eine Kandidatin in den Gemeinderat zu bringen.»

Werbetrommel solls richten

Kandidatin Suter hat am 18. Oktober zwar freies Feld, doch weil sie die Anmeldefrist für die Kandidatur verpasst hat, steht ihr Name nicht auf den Wahlzetteln. Wer Sie wählen will, muss diesen am besten vollständig, damit eindeutig, auf seinen Wahlzettel schreiben. «Ich werde noch kräftig die Werbetrommel rühren müssen, damit die Leute wissen, wer ich bin», sagt sie. «Aber wer mich kennt, weiss, dass ich für die Bedürfnisse anderer immer ein offenes Ohr habe.» Und wie steht es um die Absichten fürs Städtli? «Ich kann sagen, dass mich die Bereiche sehr interessieren, die im freiwerdenden Ressort angesiedelt sind, darunter das Sozialwesen, Jugend, Gesundheit, aber auch Kultur.» Zu möglichen Plänen oder Zielen sagt sie: «Ich will mich auf keine Tests auslassen. Sollte ich gewählt werden, will ich mich zuerst in die Dossiers einarbieten.»

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