Das Gasthaus Klosterstübli auf der Wettinger Klosterhalbinsel ist eines der traditionsreichsten Lokale im Dorf. Jetzt hat es einen neuen Pächter: Mustafa Sarikus, der bis vor fünf Jahren während langer Zeit das Restaurant Jägerstübli in Möhlin führte und nun gerade frisch aus dem Baselbiet nach Wettingen gezogen ist. «Ich bin seit 20 Jahren Gastronom und habe lange nach einem neuen Lokal gesucht», erzählt er bei einem Besuch in der Gaststube. «Ich bin überglücklich, dass ich hier in Wettingen fündig wurde.»

Sarikus hat seit Anfang Juli viel Geld, Zeit und Herzblut in den sanften Umbau des «Klosterstübli» investiert. Er hat teilweise neues Mobiliar gekauft, Wände neu gestrichen – und den Namen wieder auf das Wesentliche reduziert.

Lamm- und Rindshaxen aus dem Ofen

Sarikus’ Vorgängerin Simona Villano setzte ganz auf gehobene, hausgemachte italienische Küche und führte das «Klosterstübli» seit 2015 unter dem Namenszusatz «Il Camino». Sie wirtete erfolgreich und hatte eine treue Stammkundschaft, musste das Lokal nun aber aus privaten Gründen weitergeben.

Sarikus, der gebürtiger Kurde ist und aus der Südtürkei stammt, bietet weiterhin Pasta an. Er wird selbst am Herd stehen und hat für den Anfang drei Mitarbeiterinnen für den Service und die Küche eingestellt: «Wir müssen uns am Anfang sicher noch etwas einspielen, aber wir sind bereit für die Eröffnung.»

Neben verschiedenen Spaghetti und Schweizer Fleischgerichten – Cordons bleus, Filets und Braten – stehen auch ausgewählte Gerichte aus Sarikus’ alter Heimat auf der Speisekarte. «In Möhlin habe ich schon gutbürgerliche Schweizer Küche angeboten. Dort wurde ich immer wieder von Gästen gefragt, ob ich nicht auch einmal etwas aus der orientalischen Küche kochen könnte», erzählt er.

Er kam dem Wunsch nach – die Gäste waren begeistert. Besonders stolz ist er auf eine Spezialität, die er jetzt auch im «Klosterstübli» kochen wird: Lamm- und Rindshaxen mit orientalischen Gewürzen im Ofen zubereitet und mit buntem Gemüse serviert. Es ist ein altes Familienrezept.

Das «Klosterstübli» soll von Montag bis Samstag durchgehend von morgens bis abends geöffnet haben. Dass hier auf der Klosterhalbinsel zu wenig Laufkundschaft vorbeikommen könnte, macht Sarikus keine Sorgen: «Wir hoffen, dass uns möglichst viele Stammgäste treu bleiben und wir mit unserer Küche überzeugen.»

Zudem sei hier ein richtiges Gewusel, wenn der Schulbetrieb der Kanti Wettingen im Gang ist. «Vom Handwerker, der morgens hier sein Znüni isst, über den Stammgast, der vielleicht auch einmal nur ein Bier an der gemütlichen Bar oder auf der Terrasse trinkt, bis zum Feinschmecker am Abend sollen sich hier alle wohlfühlen», sagt Sarikus.

Er sei ganz begeistert von Wettingen und von der Klosterhalbinsel. Mit den Nachbarn im traditionsreichen «Sternen» gleich vis-à-vis hat er sich auch schon zusammengesetzt. «Ich sehe den ‹Sternen› nicht als Konkurrenz. Er ist eine andere Grössennummer. Aber ich denke, wir ergänzen uns sehr gut.»

Ein Stück Wettinger Geschichte

Das «Klosterstübli» hat wie der «Sternen» eine lange, wechselvolle Geschichte. In jüngerer Zeit war es mal ein Gault-Millau-Tempel, mal stand es leer. Das denkmalgeschützte Haus liegt direkt neben der Klosterkirche. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ursprünglich Teil eines Ökonomietrakts der Wettinger Zisterzienserabtei.

Nach der Aufhebung des Klosters wurde hier 1864 erstmals eine Pintenwirtschaft eingerichtet. Um 1908 baute Wirt Robert Meier das Restaurant in seiner heutigen Form aus. Das schöne alte Wirtshausschild mit dem stilisierten Wettinger Klosterwappen mit der gekrönten Meerjungfrau und dem Meerstern dürfte aus dieser Zeit stammen.

Am 1. August lädt Mustafa Sarikus mit einem Tag der offenen Tür zur feierlichen Eröffnung ins «Klosterstübli»: Ab 15 Uhr gibt es für alle Neugierigen Spaghetti zum Probieren und einen offerierten Apéro.