«Wir nennen unsere Instrumente liebevoll Schwarzwurzeln», sagte Marco Galli in einem kurzen Begrüssungsintermezzo; seine Worte mit einer Prise Ironie gespickt. «Wir beglücken sie mit warmem Schnauf, wir streicheln sie mit unseren Fingern. Im besten Falle sind die Töne, die wir ihnen entlocken, weich, warm und geniessbar.»

Die Allegorie ist nicht neu: «Schwarzwurzel» sei der «etwas spöttische Übername der Klarinette», schrieb kürzlich die Appenzeller Zeitung. Schriftsteller Walter Kempowski entlockte seiner Feder die wunderschöne Assoziation «Wurzelgelutsche der Klarinetten». Und in der Solothurner Zeitung wurde gleich die Trilogie «Tischbein», «Speuzchnebel» und «Schwarzwurzel» als Beinamen der Klarinette herbeigezogen.

Mozart, irischer Volkstanz und Salsa

Und wer hätte gedacht, dass ein Chor mit seinen «Schwarzwurzeln» eine Klangfülle zaubern kann, welche das Publikum komplett in Bann zieht? Dem Klarinettenchor Wettingen ist dies unter der Leitung von Roland Käppeli gelungen: Im Programm «Opus 8» tischte er Werke von Mozarts Ouvertüre «Don Giovanni» bis zum Irischen Volkstanz «Molly on the Schore» auf. Die Klarinettisten und Klarinettistinnen begleiteten den Solisten Simon Stettler (ebenfalls Klarinette) zu den «Variationen» über ein schwedisches Lied; die Salsa-Rhythmen aus dem Werk «The Sands of Time» brachten Bewegung in die Reihen.

Das Bild einer dunklen, mondlosen Nacht, irgendwo am offenen Ozean, malte der Klarinettenchor mit dem Stück «Hope». In der Ferne ein Dämmerlicht, als hätte der Komponist der Hoffnung nicht entsagt. Die Dissonanzen erinnerten an die Widersprüche im Innern, die manchmal gar nicht mit dem Äusseren einhergehen. Wenn die selten zu hörende Kontrabassklarinette, deren Klangkörper mindestens vier Meter lang nach oben und unten gewunden ist, als einzige im Saal nachklingt, scheint einem das Blut in den Adern zu stocken; eine dunkle, gleichzeitig weiche, erdige Klangfarbe.

Erdig – da wären wir wieder bei der Schwarzwurzel. Vielleicht ist der Vergleich, abgesehen von der dunklen Farbe, mit dem erdigen Klang zu begründen; oder aber mit der reichen Palette an Geschmäckern im Gaumen. Denn gehaltvoll im Ohr wie die Schwarzwurzeln auf dem Teller können sie alleweil sein, diese Klarinetten.

Nächstes Konzert des Chors mit «Opus 8»: Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr, katholische Kirche St. Konrad, Zürich.