Baden

Ohne die Hilfe des Badener Tagblatt gäbe es dieses Hilfswerk nicht

Margrit Fuchs mit Schülern in Ruanda im Jahr 2007 Alex Spichale

Margrit Fuchs mit Schülern in Ruanda im Jahr 2007 Alex Spichale

Im Jahr 1993 hat das Badener Tagblatt über 150'000 Franken gesammelt und so massgeblich zum Aufbau des Hilfswerks Margrit Fuchs in Ruanda beigetragen.

Am 10. Dezember 1993 erhielt das Badener Tagblatt einen Brief des Transportunternehmers Walter Knecht aus Windisch. Der Inhalt: In Ruanda wirke die 76-jährige Windischerin Margrit Fuchs uneigennützig als Helferin und Einzelkämpferin und arbeite vor allem für die Kinder. Die Not dort sei erschütternd. Ob das BT einen von ihr verschickten Brief über die Zustände publizieren könnte.

Dies tat die Redaktion denn auch. Und sie tat, selber beeindruckt vom Wirken der 76-Jährigen und dem Elend der Bevölkerung, noch mehr. Am 22. Dezember 1993 startete das BT – ohne dass Margrit Fuchs Kenntnis von dieser Aktion hatte – auf der Seite «hier+heute» einen Spendenaufruf.

Der Titel: «Spenden als Weihnachtsüberraschung – ein Werk, das Unterstützung verdient». Margrit Fuchs, so die Begründung, betreue in Gitarama 220 Waisenkinder, untergebracht in alten Hütten. Tag für Tag würden ihr weitere Kinder übergeben, sie müsse dringend einen Heimneubau erstellen, doch fehle ihr das Geld.

Aus diesem Grund nehme die Redaktion mit Freude Spendenanmeldungen von Leserinnen und Lesern entgegen. Die verantwortlichen Redaktoren erhofften sich einen Ertrag von rund 20 000 Franken, womit der Baubeginn gesichert gewesen wäre. Doch es kam ganz anders.

«Ein Weihnachtswunder»

Die Leserschaft zeigte sich ebenfalls tief gerührt von den Aktivitäten der Heimleiterin. Die Spendenzentrale mit drei freigeschalteten Nummern wurde von Anrufen überflutet, der Telefonverkehr brach zeitweise zusammen. Innerhalb von drei Tagen trafen Spendenzusicherungen von 178 961 Franken ein!

«Eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft», so das Fazit des BTs am 24. Dezember. Am gleichen Tag telefonierte der Leiter der Sammelaktion der ahnungslosen Heimleiterin nach Ruanda, dass sie das Projekt realisieren und finanzieren könne. Die Frau war völlig überrascht vom Anruf einer Zeitungsredaktion und glaubte der Meldung zunächst nicht.

«Um Himmelswillen» waren dann auf die Bestätigung hin ihre ersten Worte. «Dies ist ein wahres Geschenk Gottes, ein Weihnachtswunder, die schönste Weihnacht, die ich je erleben durfte!» Tränen flossen, wie sie dem Anrufer gestand, über ihre Wangen. Das BT berichtete in der Ausgabe vom 27. Dezember über die Reaktion der überglücklichen Heimleiterin. Mit dem Geld könne nicht nur der Neubau bezahlt werden, auf längere Zeit auch der Heimbetrieb und Lebensunterhalt der Waisen.

Da die Spendenzentrale bis Weihnachten überlastet war, führte der hauptverantwortliche Redaktor im Zeitungsbericht noch seine private Telefonnummer für Anrufe an und nach Weihnachten auf. Die Folge war, dass die ganze Familie über die Festtage ununterbrochen weitere telefonische Spendenmeldungen entgegennahm, auch während der privaten Weihnachtsfeier.

Bis zum 18. Januar trafen auf dem Sammelkonto 311 006 Franken ein. «Wie ein Weihnachtsmärchen» titelte das BT daraufhin. Noch im gleichen Jahr wurde Ruanda von einem fürchterlichen Bürgerkrieg heimgesucht, und Margrit Fuchs musste wie alle Ausländer das Land verlassen. 1995 kehrte sie zurück und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Da es kriegsbedingt mehr Waisenkinder gab denn je, war ihr Engagement wichtiger denn je. Und um sie in diesem Wirken zur Minderung der unglaublichen Not zu unterstützen, lancierte das BT im Dezember 1995 die zweite Spendenaktion. Seither sind diese Weihnachtssammlungen zugunsten des Hilfswerkes in Ruanda zur Tradition geworden und ermöglichten den eigentlichen Auf- und Ausbau der Aktivitäten zugunsten der Notleidenden.

In diesen Tagen läuft die 21. Sammelaktion. Die Gründerin und Leiterin des Hilfswerkes war 2007 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ihr Lebenswerk aber, massgeblich unterstützt vom BT und inzwischen auch von den weiteren Zeitungen des az-Medienverbundes, wird von einer Stiftung und dem von Margrit Fuchs ins Leben gerufenen Sozialbüro von Gitarama weitergeführt.

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