Baden
Offener Brief: Royal-Betriebsgruppe kündigt Rückzug an

In einem offenen Brief kündigt die Betriebsgruppe des Kulturbetriebs im «Royal» ihren Rückzug auf Juni 2016 an. Damit möchte sie die für sie enttäuschende Blockade-Situation beenden und eine Fortsetzung der Erfolgsstory im Royal ermöglichen.

Martin Rupf
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Geben im Juni 2016 das Zepter ab: Patrick Tobler, Andi Hofmann, Markus Tellenbach, Tine Mudri, Manu Gauch, Marc Angst und Fränzi Biedermann (v.l.).

Geben im Juni 2016 das Zepter ab: Patrick Tobler, Andi Hofmann, Markus Tellenbach, Tine Mudri, Manu Gauch, Marc Angst und Fränzi Biedermann (v.l.).

zvg

Letzten Herbst wurde bekannt, dass der Kulturbetrieb im Royal im Juni 2016 seinen Betrieb einstellen muss. Die Betriebsgruppe äusserte damals zwar ihre Enttäuschung, weitere Reaktionen blieben aber aus – bis heute. Mit einem offenen Brief (siehe unten) gelangt sie nun an die Öffentlichkeit.

In diesem schwingt eine grosse Portion Ernüchterung mit. Marc Angst von der Betreibergruppe bringt die Enttäuschung auf den Punkt: «Obwohl in den nächsten 25 Jahren auf dem Areal kein grösseres Bauvorhaben realisiert werden soll und das Royal eine Erfolgsstory für alle Beteiligten ist, sind wir mit unseren Bestrebungen, mit der Stadt und der Eigentümerschaft über mögliche Perspektiven und Bedingungen zu sprechen, abgeblockt.

Die Betriebsgruppe gibt das Zepter per Ende des Mietverhältnisses im Juni 2016 ab, an wen ist unklar. Sie hofft, dass eine neue Generation das Royal-Ruder übernehmen kann. «Wir wissen nicht, was sich alles hinter den Kulissen abgespielt hat und wo überall Blockaden oder aufseiten der Eigentümerschaft gar Vorbehalte uns gegenüber vorhanden sind», so Angst. Deshalb erachtet die Gruppe die Chance für einen Weiterbetrieb des Royals grösser, wenn neue Personen die Verantwortung übernehmen können und nach dem Ende der Zwischennutzung ein unbelasteter Neustart denkbar wird.

«Es gibt in unserem Netzwerk genügend Personen, welche diesbezüglich Interesse bekundet haben», verrät Manu Gauch. In den letzten knapp vier Jahren sei das Royal zu einer wichtigen Plattform für Kulturschaffende geworden, welche viele Einzelplayer unter einem Dach vereint habe. «Ja, man kann sagen, das Royal ist ein wichtiger Kulturförderer geworden», so Gauch. Andi Hofmann bringt die Bedeutung des «Royal» in seinen Worten zum Ausdruck: «Das Royal ist Dreh- und Angelpunkt vieler kreativen Köpfe und Kulturschaffenden hier in Baden.»

Sollte der Kulturbetrieb im Juni 2016 tatsächlich seinen Betrieb einstellen, würden die einzelnen Veranstalter und Kulturschaffenden wieder in der Subkultur-Szene versickern; geknüpfte Netzwerke und Kooperationen auch mit etablierten Kulturhäusern würden zerfallen, befürchtet Hofmann. Das von der Stadt immer wieder vorgetragene Argument gegen ein langfristiges Engagement für das Royal, man investiere jetzt schon viel Geld für ein neues Kulturlokal in der alten Schmiede, lässt die Betriebsgruppe nicht gelten. «Man kann doch nicht Äpfeln mit Birnen vergleichen. Man saniert ja auch das Kurtheater, obwohl man ein neues Jugendlokal baut.»

Der Betriebsgruppe ist es wichtig zu betonen, dass ihnen das Schicksal des Royal nicht egal ist und man auf andere Weise für seinen Erhalt kämpfen werde. «Ein Generationenwechsel ist immer gut, bringt frischen Wind», sagt Hofmann. Man würde bei Bedarf potenzielle Nachfolger denn auch so gut als möglich unterstützen. Und vor allem: «Wir werden alles daransetzen, eine fulminante letzte Saison 2015/2016 vorzubereiten, um mit einem tollen Programm nochmals möglichst viel Publikum ins Royal zu locken», verspricht Marc Angst. Und Andi Hofmann appelliert: «Mit jedem zusätzlichen Besucher, der ins Royal kommt, beweisen wir, dass das Royal nicht aus Baden verschwinden darf.»

Gespräche nicht ausgeschlossen

Was gedenkt die Stadt Baden zu unternehmen, jetzt wo feststeht, dass die grosse Überbauung auf dem Postareal nicht kommen wird? «Die Ausgangslage hat sich für uns nicht gross geändert», sagt Vizeammann Markus Schneider. Der Kulturbetrieb sei von Anfang an als Zwischennutzung ausgelegt gewesen. «Fakt ist, wir haben ein grosses Interesse an der Entwicklung des Postareals und werden unsere Interessen sicher auch beim Eigentümer einbringen», sagt Schneider. Auf die Nachfrage, ob denn die Stadt Baden gar nichts unternehme, um den Kulturbetrieb im Royal zu erhalten, antwortet Schneider: «Es ist durchaus möglich, dass die Stadt wieder das Gespräch mit der Eigentümerschaft sucht. Die Frage ist einfach, wann ist der richtige Zeitpunkt dazu.»

Noch immer unklar ist, was genau die Eigentümerin mit dem Royal plant. Auch Nachfrage lässt sich Jean-Pierre Gallati, Anwalt der Grundeigentümerin, nur entlocken: «Uns schwebt nach wie vor ein Verkaufslokal für den täglichen Bedarf vor.» Zudem sei denkbar, im ehemaligen Kino Baubüros zu platzieren, von wo aus die weitere Entwicklung des Postareals angegangen werde.