Oberrohrdorf
Als Kühe noch Güllenwagen zogen – «Früher hatte man noch Zeit für Znüni und Mittagsschläfchen»

Toni Meier aus Oberrohrdorf hat mit einem Team von Historikern und Leuten aus der Landwirtschaft ein umfangreiches Werk herausgegeben. Ein schöner Überblick, wie früher Pferde und Ochsen als Nutztiere gehalten wurden und wie dies das Leben prägte, bevor Maschinen die Arbeit übernahmen.

Peter Riner
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Pferde vor dem Jauchewagen von Willy Humbel, Oberrohrdorf (Jahr 1935)

Pferde vor dem Jauchewagen von Willy Humbel, Oberrohrdorf (Jahr 1935)

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Etwas bescheiden ist im Untertitel von «Alten Ansichten und Geschichten über Fuhrwerke und Beschirrungen» die Rede. In Tat und Wahrheit aber ist das fast 300 Seiten starke Werk mit hunderten von zum Teil historischen Aufnahmen ein umfassendes Werk über den Einsatz von Pferden, Ochsen und anderen Zugtieren im landwirtschaftlichen und gewerblichen Einsatz.

Die jüngere Generation dürfte kaum je einen mit Kühen vorgespannten Güllenwagen im Dorf gesehen haben. Oder schwarz verhüllte Pferde, früher auf der letzten Fahrt unverzichtbare Helfer bei der Überführung eines Sarges mit einem Verstorbenen in den Kirchhof.

Toni Meier, Herausgeber vom Kutschenmuseum Oberrohrdorf

Toni Meier, Herausgeber vom Kutschenmuseum Oberrohrdorf

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Und dann kamen die Maschinen

Seit Jahrhunderten von Jahren helfen Zugtiere den Menschen bei der Arbeit. Bevor moderne Traktoren die schwere Arbeit auf den Feldern übernahmen, leisteten Zugtiere (vor allem Pferde und Ochsen) beim Anbau von Nahrungsmitteln und beim Transport von Gütern wertvolle Dienste.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der Anteil von Haustieren als Arbeitskraft stark zurückgegangen. Ihre Arbeit wurde von Motoren übernommen. Zugtiere verschwanden aus der Landwirtschaft und allmählich drohte auch die harte Arbeit früherer Generationen auf Hof und Feldern in Vergessenheit zu geraten.

Für die Nachwelt dokumentiert

Im Jahr 2017 konnte der Herausgeber in einem ersten Band seine umfangreiche Sammlung unter dem Titel «Kutschenmuseum Toni Meier in Oberrohrdorf, Wagen – Geschirre – Bilder» der Öffentlichkeit vorstellen. Er durfte damals vor allem auf das Fachwissen von Andres Furger zählen.

Beim zweiten Buch unter dem Titel «Pferde, Ochsen und andere Zugtiere» hat ein Team von Historikern und Leuten aus dem landwirtschaftlichen Umfeld in mehrjähriger und unentgeltlicher Arbeit ein Werk geschaffen, das die Arbeit vorheriger Generationen würdigt und die benutzten Gerätschaften in Wort und Bild für die Nachwelt dokumentiert. Die umfangreiche Sammlung des Kutschen-Museums in Oberrohrdorf war dafür die ideale Basis.

Eine Viehschau 1985 auf dem Gemeindehausplatz in Oberrohrdorf

Eine Viehschau 1985 auf dem Gemeindehausplatz in Oberrohrdorf

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Eine Teamarbeit

Teil A ist ausführlich den Zugtieren und ihrem täglichen Einsatz gewidmet. Hier kommt Autor Jürg Burlet ausführlich zu Wort. Burlet, wohnhaft in Oetwil am See, war die letzten 20 Jahre Kurator am Schweizerischen Landesmuseum in Zürich für die Bereiche Fahnen, Uniformen und Fahrzeuge.

Teil B ist der Landwirtschaft am Rohrdorferberg gewidmet. Einmal mehr versteht es alt Gemeindeammann Toni Merki mit seiner bildhaften Sprache die Leserin und den Leser «hereinzuziehen». Die Geschichten drehen sich um Familie, Landwirtschaft, Winter und Waldarbeit, Schule und Kirche, aber auch um die Fasnachtszeit. Typisch dieser Satz von Toni Merki: «Wenn ich mich frage, was der markanteste Unterschied von damals zur heutigen Zeit ist, so bin ich überzeugt, dass es die frühere Gemächlichkeit ist, die uns abhandengekommen ist. Man hatte noch Zeit. Zeit zum Znüniessen, Zeit fürs Mittagsschläfchen, für das Zobig auf dem Feld, für ein Gespräch mit dem Nachbarn».

Rind und Pferd gemeinsam eingespannt vor einem Fasswagen beim ehemaligen Restaurant Weisses Kreuz in Oberrohrdorf

Rind und Pferd gemeinsam eingespannt vor einem Fasswagen beim ehemaligen Restaurant Weisses Kreuz in Oberrohrdorf

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Das Familienleben

Otto Rütimann, auch in Oberrohrorf wohnhaft, aber in Arni-Islisberg aufgewachsen, befasst sich in Teil C mit der Landwirtschaft seiner Heimatgemeinde. Und auch da ist viel Interessantes und Amüsantes aus Familie und Bauernhof zu lesen. Sehr schön zum Beispiel die Passage, wie die Mutter dem kleinen Otto zur erklären versucht, dass sich die Erde dreht und der Jüngling das Unbegreifliche bei einem eigenen Experiment zu klären versucht und kläglich scheitert. Ergänzt werden die Ausführungen der Autoren durch ein Glossar, das die wichtigsten Begriffe kurz erklärt sowie einem Stichwort-Verzeichnis.

Nicht minder wichtig war die Arbeit von Heinz Weisskopf aus Oberrohrdorf. Er hat für das vorliegende, im Weber Verlag, Thun/Gwatt gedruckte Buch unter anderem das Layout erstellt und intensiv bei der Text- und Bildredaktion mitgewirkt.

Verkauft wird das druckfrische, umfangreiche Werk im Kutschen-Museum von Toni Meier. Mail: toni_meier@bluewin.ch, Abholung nach telefonischer Voranmeldung: 056 496 19 43.

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