Verkehrskonzept

Noch mehr Verkehr? Konzept «Oase» sorgt auch in Baden für Unmut

Die Stadt und die Region Baden müssen sich auf mehr Verkehr vorbereiten. Bild: Alex Spichale (24.4.2019)

Die Stadt und die Region Baden müssen sich auf mehr Verkehr vorbereiten. Bild: Alex Spichale (24.4.2019)

Regierungsrat Stephan Attiger und Fachleute informierten in Baden über das umstrittene Regionale Verkehrskonzept «Oase».

Die Aula der Berufsschule Baden am Martinsberg war zwar nur etwa zur Hälfte besetzt. Aber immerhin rund 150 Gäste kamen am Dienstagabend in den Saal, um mehr über die laufende Anhörung und die Pläne des Kantons zum Verkehrskonzept Oase zu erfahren. Was einst eine Abkürzung für Ostaargauer Strassenentwicklung war, trägt nun den Untertitel «Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau». Baudirektor Stephan Attiger (FDP) betonte gleich zu Beginn der Veranstaltung in seiner Heimatstadt: «Bitte denken Sie daran, es gibt noch kein konkretes Projekt.» Es gehe jetzt darum, bis zum Januar die Bevölkerung anzuhören. Danach muss der Grosse Rat über die Festsetzung im Richtplan entscheiden. Erst dann kann das Department Bau, Verkehr und Umwelt mit der konkreten Planung beginnen. Die Anhörung läuft seit dem 18. Oktober.

Attiger sagte, der Ostaargau und insbesondere die Region Baden seien die dynamischste und am stärksten wachsende Gegend im Aargau. Bis 2040 rechnen die Fachleute hier mit einem Bevölkerungswachstum von 30 Prozent. Das bringt unumstritten mehr Verkehr mit sich, auch im Raum Brugg, im Siggenthal und im unteren Aaretal. Das führe zu Engpässen, nicht zuletzt in der engen Badener Klus.

Sorgen im Siggenthal und im Kappi, Unmut am Liebenfels

Der Kanton möchte dem mit einer Vielzahl von Massnahmen vorbeugen, die insgesamt rund 1 Milliarde Franken kosten dürften. Die grössten Brocken in Baden sind dabei der Umfahrungstunnel durch den Martinsberg und eine allfällige neue Autobrücke über die Limmat, die aber noch nicht Teil der «Oase» ist.

«Wir möchten alle dort wohnen, wo es ruhig und schön ist. Aber wir möchten auch möglichst mobil bleiben», sagte Carlo Degelo, Leiter der kantonalen Abteilung Verkehr. Nach der Präsentation der Pläne sagte Roland Kuster, Gemeindeammann von Wettingen (CVP) und Präsident des Verbands Baden Regio: «Wir müssen jetzt vorausschauend planen. Nicht erst hinterher, wenn wir im Verkehr versinken. Und wir dürfen die Region nicht auseinanderdividieren.» Besonders wichtig sei dem Verband die Verschiebung vom Autoverkehr zum Fuss- und Veloverkehr und zum öV.

In der anschliessenden Fragerunde wurde die offene Kommunikation des Kantons explizit gelobt, aber es gab auch viele kritische Stimmen und spürbare Sorgen aus dem Publikum. Nicht nur im Siggenthal und im Kappelerhof fürchtet man mehr Lasten- und Autoverkehr. Auch im Badener Chrüzliberg-Quartier gibt es offenbar grossen Unmut über das am Liebenfels geplante Portal des Martinsbergtunnels. Ein Anwohner sagte, es sei schwer verständlich, dass dem ohnehin schon vom Verkehr belasteten Quartier jetzt eine neue vierspurige Strasse, ein Tunnelportal und eine neue Autobrücke vor die Nase gesetzt werden sollen. Projektleiter Frank Rüede erwiderte, es könne bei der «Oase» nicht nur Gewinner geben. Es gehe darum, das Beste für möglichst viele herauszuholen. Und er empfahl: «Helfen Sie mit, dass dieser Teil optimiert wird.»

Fragen zum Verlauf der Limmattalbahn

Für die Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen nach Baden läuft derzeit parallel zur «Oase» eine separate öffentliche Anhörung. Mehrere Votanten aus Neuenhof sagten, die Gemeinde brauche eigentlich die Limmattalbahn nicht. Man fürchte eine Zerschneidung des Dorfes, wenn die Zürcherstrasse mit einem Tramtrassee ergänzt und verbreitert werde.

Zudem sei Neuenhof heute schon ideal angebunden mit Bussen und der S-Bahn. Mit der geplanten Einführung des Viertelstundentakts der S-Bahn werde die Anbindung noch besser. Der Umweg der Limmattalbahn von Neuenhof über das Tägerhard – hier soll ein neuer S-Bahn-Halt entstehen – sei unattraktiv, um in die Stadt Baden zu kommen. Carlo Degelo gab zu bedenken, dass die Linienführung der Bahn noch nicht in Stein gemeisselt sei. Stephan Attiger ergänzte, dass eine Stadtbahn auch viel zu einer hochwertigen Aufwertung des Siedlungsgebiets beitragen könne, das zeigten zahlreiche Beispiele, etwa in Zürich.

Nach knapp zwei Stunden war der Informationsabend zu Ende. In dieser Zeit konnten längst nicht alle Fragen geklärt werden. Regierungsrat Attiger sagte aber noch einmal mit Nachdruck zum Publikum: «Bitte bringen Sie sich ein, nehmen Sie an der Anhörung teil.» Bis zum 17. Januar können alle Bürgerinnen und Bürger Stellung nehmen. Die Unterlagen sind auf der Website des Kantons zu finden und liegen in den Bezirkshauptorten öffentlich auf.

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