Fall Lucie

Nicole Trezzini enttäuscht: «Werde für faires Urteil weiterkämpfen»

Im Mord am Au-pair Lucie hat das Badener Bezirksgericht sein Urteil gefällt: Daniel H. wird verwahrt – aber nicht lebenslänglich. Somit kann Daniel H. nach Absitzen seiner Haftstrafe eine jährliche Überprüfung verlangen.

Sie sind eine Gefahr für die Öffentlichkeit», sagte Gerichtspräsident Peter Rüegg zu Daniel H.. Das Gericht ist dem Antrag des Staatsanwalts jedoch nicht gefolgt. Dieser hatte gefordert, dass der Mörder Daniel H. lebenslänglich verwahrt wird. Stattdessen sprach das Gericht eine so genannte normale Verwahrung aus.

Philipp Mäder, stellvertretender az-Chefredaktor, nimmt Stellung zum Urteil im Fall Lucie

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Bekommt das Urteil Rechtskraft, so wird der Täter damit nach Absitzen seiner Haftstrafe zwar ebenfalls verwahrt. Er kann aber Jahr für Jahr eine Überprüfung verlangen, ob seine Verwahrung noch angemessen ist.

Der Mörder murmelte vor sich hin

Daniel H. nahm die Verurteilung beinahe regungslos zur Kenntnis. Er zwinkerte lediglich nervös mit den Augen und murmelte unhörbar vor sich hin.

So kamen in der Vergangenheit immer wieder Verwahrte frei - und schlugen anschliessend erneut zu. Der Staatsanwalt hingegen hatte eine lebenslange Verwahrung gefordert. Diese hätte laut Gesetz nur dann überprüft werden können, wenn „neue, wissenschaftliche Erkenntnisse" vorliegen, die eine erfolgreiche Therapie erwarten lassen.

Lebenslange Haftstrafe für Mord

Als eigentliche Strafe für den Mord an Lucie Trezzini hat das Gericht Daniel H. zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Der Staatsanwalt hatte eine lebenslängliche Strafe gefordert, der Verteidiger von Daniel H. eine Strafe von 18 Jahren.

Strafrechtsprofessor Martin Kilias zum Urteil gegen den Lucie-Mörder

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Gerichtspräsident Peter Rüegg sagte, dass das Gericht eine lebenslängliche Verwahrung geprüft habe. Allerdings seien die beiden Gutachter in diesem Punkt nicht eindeutig gewesen. «Beide schliessen es auf sehr lange Zeit nicht aus, dass eine Therapie möglich ist.» Damit sei die dauerhafte Nicht-Therapierbarkeit, die für eine lebenslängliche Verwahrung notwendig ist, nicht gegeben. Allerdings schien das Gericht nicht sehr glücklich zu sein, den strafrechtlich bisher nicht definierten Begriff «dauerhaft» hier anwenden zu müssen. «Was heisst die Formel dauerhaft», fragte Rüegg rhetorisch.

«Revision wird ernsthaft geprüft»

Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten zeigte sich mit dem Urteil nur teilweise zufrieden: «Eine Revision wird ernsthaft geprüft.» Verteidiger Matthias Fricker konnte noch nicht sagen, ob das Urteil weitergezogen wird. «Erst muss ich mich mit meinem Mandanten absprechen.»

Nicole Trezzini zeigte sich enttäuscht vom Urteil. Sie werde mit allen Mitteln weiterkämpfen für eine faires Urteil. Nach dem langen Prozess sei sie jetzt sehr müde. «Es war sehr anstrengend.» (mäd/dno)

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