Wettingen/Baden

Nicht nur beim Kurtheater: Wettingen will auch das Geld fürs Familienzentrum Karussell kürzen

Auch Wettinger Eltern und Kinder profitieren vom Familienzentrums Karussell in Baden. (Archivbild)

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Auch Wettinger Eltern und Kinder profitieren vom Familienzentrums Karussell in Baden. (Archivbild)

Der Gemeinderat schlägt vor, die jährlichen Beiträge für das regionale Familienzentrum in Baden zu halbieren – wie schon beim Kurtheater.

Erich Obrist, Ressortvorsteher Gesellschaft und Kultur in Baden, bringt seinen Unmut in seiner ihm typischen Art zum Ausdruck. «Wettingen nennt sich Stern an der Limmat. Aber der Stern leuchtet regional immer weniger, er verliert an Ausstrahlung. Ich wäre sehr traurig, wenn der Stern zum schwarzen Loch mutiert.»

Der Grund für Obrists deutliche Worte in Richtung der Nachbargemeinde: Wettingens Gemeinderat will auch die jährlichen Beiträge ans regionale Familienzentrum Karussell mit Standort in Baden kürzen, von 50'000 Franken auf 25'000 Franken. Der Einwohnerrat wird in der Budgetdebatte am Donnerstag in einer Woche darüber abstimmen. Auch die jährlichen Beiträge ans Badener Kurtheater sollen auf 50'000 Franken gesenkt und somit fast halbiert werden, schlägt der Wettinger Gemeinderat vor.

Erich Obrist betont: «Das Karussell ist ein regionales und kein städtisches Familienzen­trum. Es ist von enormer Bedeutung für die frühe Förderung beziehungsweise die Entwicklung der Kinder im Vorschulalter. Und auch den Eltern bietet es sehr gute Möglichkeiten, sich Tipps zu holen und sich auszutauschen. Auch Wettinger Eltern und Kinder profitieren davon. Sehr, sehr bedauerlich, dass Wettingen hier Geld sparen will.»

«Hätten Beitrag auch ganz streichen können»

Rosmarie Hubschmid, Betriebsleiterin des Familienzentrums, spricht von einem «elementaren Betrag», der verloren gehen könnte. «Wir sprechen nicht von 10 oder 20, sondern von 50 Prozent.» Die Gemeinde­beiträge von Baden, Obersiggenthal, Ennetbaden und Wet­tingen belaufen sich insgesamt auf 297'000 Franken.

«Kürzt Wettingen den Betrag tatsächlich, werden uns zehn Prozent weniger Mittel zur Verfügung stehen. Wir müssten prüfen, welche Angebote wir noch ­weiterführen könnten und ­welche nicht. Wir müssten vermutlich eigene Angebote im ­Bereich Kreativität und Begegnung abbauen», sagt Barbara Hubschmid. Sie schrieb alle Wettinger Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten an, mit der Bitte, von der Streichung abzusehen.

Markus Haas (FDP), Gemeinderat und Sozialvorsteher in Wettingen: «Der Vorschlag stammt aus meiner Feder. Der Gemeinderat hat den Auftrag, zu sparen. Das setzen wir um, die Kürzung des Karussell-Beitrags ist jedoch massiv», räumt er ein. «Aber wir hätten ihn auch ganz streichen können.» Er wisse, wie wertvoll das Karussell sei, und sparen tue weh. «Aber wir setzen den Rotstift auch in unserer eigenen Abteilung an, nicht nur bei regionalen Projekten.»

Kritik an den Budgetplänen ist auch in Wettingen zu hören: Die ehemalige EVP-Einwohnerrätin Marie Louise Reinert meldet sich: «Das Karussell ist keine Wohlfühl-Einrichtung, es ist lebensnotwendig für die Region.» Das Karussell helfe, die Hürden des Alltags besser zu nehmen, mit mehr Mut, mit mehr Schwung, mit mehr Freude. Es ist keine Therapiestelle, es ist ein Ort, der Leben besser macht und leichter – rechtzeitig vor den Katastrophen, rechtzeitig vor dem Burn-out.»

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