«Als ich ein Teenager war, habe ich mich nur über unseren Wohnort geärgert. Dauernd gab es etwas, das instandgesetzt werden musste.» Mit diesen Worten leitete Patrice Gilly die Führung durch Hof und Mühlegebäude ein, in dem er aufgewachsen ist. Sein Vater hatte die historische Mühle im schützenswerten Dorfkern von Otelfingen 1968 gekauft und sorgfältig restauriert. Heute ist Patrice Gilly stolz auf den einmaligen Gebäudekomplex und die Tradition von Konzerten im Mahlraum der Mühle, die ebenfalls auf seinen Vater zurückgehen. Die Mühle gehört inzwischen einer Stiftung, in der er sich stark engagiert.

Dieser Stiftungsrat hat sich im vergangenen Jahr teilweise neu zusammengesetzt und sich seither intensiv mit den Strukturen der Stiftung befasst, die so unterschiedliche Aufgaben wie den Erhalt des historischen Gebäudes und die Förderung kultureller Anlässe hat. Nach Prüfung verschiedener Optionen wurde die ursprüngliche Organisationsstruktur mit einer in der Stiftung integrierten Kulturkommission bestätigt und mit neuen Leuten personell verstärkt.

Konzerte in Wohnzimmern

An einer Medienorientierung in der holzgetäferten Stube mit imposantem Kachelofen wurden Leute vorgestellt, die in Teams von zwei oder drei Personen für die vier Veranstaltungssparten Classic, Non-Classic, Kids und Spoken Word zuständig sein werden. Der Enthusiasmus, den sie mit ihren Ideen versprühten, weckt Erwartungen für die anstehende Saison. 

Bevor das neue Team der Kulturkommission und der Veranstaltungssparten ab Sommer 2019 die Verantwortung für die Spielsaison 19/20 übernehmen wird, steht aber noch das Grossprojekt VOCE’19 auf dem Programm. Im Juni werden zusammen mit dem Bistro Philosophe und dem Kulturkreis Würenlos Grenzen überschritten. Eine Reihe von Künstlern und Künstlerinnen geben am Freitag Wohnzimmerkonzerte beziehungsweise Vorführungen in privaten Wohnzimmern. Am Samstag stehen Workshops mit einem anschliessendem Open-Air Konzert auf dem Programm. Neben den kulturellen Aktivitäten legt der Stiftungsrat grosses Gewicht auf die verstärkte Nutzung der Räumlichkeiten durch Kurzvermietungen. Die Lokalität eignet sich gerade für spezielle Anlässe wie zum Beispiel Hochzeitsfeiern und Jubiläen. Bei schönem Wetter bietet der lauschige Hof ein einmaliges Ambiente für diesen ganz besonderen Tag und der ehemalige Mahlraum kann als stimmungsvoller Tanz- oder Bankettraum genutzt werden.

Kurzvermietungen – wie auch die kulturellen Veranstaltungen – sollen zu einer Belebung der Gemeinde und speziell dem historischen Dorfkern beitragen. Gemeindepräsidentin Barbara Schaffner und dem Präsidenten des Stiftungsrates Wolfgang Wörnhard ist das, wie sie betonen, ein grosses Anliegen. Der Stiftungsrat – der wie die Mitglieder der Kulturkommission sowie zahlreiche weitere Helfer und Helferinnen ehrenamtlich arbeitet – sei überzeugt, dass es für den Erhalt der Kulturdenkmäler ein breites Interesse der Öffentlichkeit daran brauche.