Der Bau von Handyantennen in Baden soll reglementiert werden: Dies fordert der neue «Verein Mobilfunkantenne Baden». «In der Stadt stehen 22 Mobilfunkantennen, für weitere Anlagen laufen Baugesuche. Die Stadt verzichtet aber leider darauf, bei der Planung der Antennenstandorte aktiv mitzuwirken. Wir hoffen, dass die Stadtbehörden ihren gesetzlichen Spielraum künftig ausschöpfen und auf die Standortwahl Einfluss nehmen», schreibt der Verein auf seiner Website. Mobilfunkantennen seien technische Fremdkörper im Stadtbild und lösten bei Teilen der Bevölkerung wegen möglicher gesundheitsschädigender Auswirkungen Ängste aus.

«Wir wehren uns nicht gegen Mobilfunkantennen an sich, aber gegen den unkontrollierten Wildwuchs», erklärt Vorstandsmitglied Loris Gazzotto. «Unser Verein verlangt Vorgaben in der Bau- und Zonenordnung. In Wohn- und Schulzonen beispielsweise sollen Antennen nur zulässig sein, wenn kein Standort in einer anderen Zone möglich ist.»

Stadt: «Schon oft gewehrt»

Die Stadtverwaltung entgegnet, sie habe in den letzten Jahren diverse Gesuche für neue Mobilfunkanlagen an die Betreiber zurückgewiesen, da ihr das Mitspracherecht nicht eingeräumt worden sei; in der Folge hätten jeweils bessere Standorte eruiert werden können. Das Mitspracherecht der Gemeinden bei der Standortbewertung sei in der Vereinbarung aus dem Jahr 2009 zwischen Kanton und Mobilfunkanbieter festgelegt. Die Stadt prüfe diesbezüglich insbesondere, ob die Mobilfunkanlagen eine gute Architektur- und Städtebauqualität aufweisen und die Anlagen sich gut in das Strassen- und Ortsbild einfügen. Seien alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten, hat ein Gesuchsteller Anrecht auf eine Baubewilligung.

Den bisher wichtigsten Kampf hat die Gruppierung diesen Frühling verloren. Bereits vor zwei Jahren, also noch bevor der Verein gegründet wurde, begannen sich Anwohner gegen die geplante Swisscom-Antenne auf dem Dach der Kantonsschule Baden zu wehren. Erst reichten sie eine Einsprache beim Badener Stadtrat ein, doch dieser bewilligte das Baugesuch. Die Antennen-Gegner zogen den Entscheid an den Regierungsrat weiter – im März hat aber nun auch dieser die Beschwerde abgewiesen und grünes Licht für den Bau der Antenne gegeben. Man werde nicht vor Bundesgericht gehen, erklärt Vorstandsmitglied Loris Gazzotto. «Unsere Chancen auf einen Erfolg sind nicht gross genug. Leider gilt in diesem Fall: Ausser Spesen nichts gewesen.»

Die Einsprecher brachten diverse Argumente gegen die Handy-Antenne vor. Es sei fragwürdig, unmittelbar an einem Ort mit empfindlicher Nutzung wie der Kantonsschule eine Mobilfunkantenne zu platzieren, kritisierten sie. Und sie monierten, die Antenne werde auf einem Gebäude erstellt, das in unmittelbarer Nähe zu den denkmalgeschützten Bauten des Architekten Haller auf dem Gelände der Kantonsschule stehe; damit würden diese Denkmäler beeinträchtigt. Doch auch dieses Argument liess der Regierungsrat nicht gelten: «Die optische Einwirkung der geplanten Antenne auf die Hallerbauten ist nicht dergestalt, dass sich eine Verweigerung der Baubewilligung rechtfertigen würde.»

Schulleitung: Ja zur Antenne

Im Gegensatz zu vielen Quartierbewohnern hatte die Kantonsschulleitung nichts gegen die Antenne einzuwenden. Vor einem Jahr sagte sie auf Anfrage, es gebe an der Schule wohl über tausend Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer. «Wenn so viele Menschen diese Technologie nutzen, finden wir den Widerstand gegen eine Antenne, die es für diese Technik braucht, schwer nachvollziehbar.»

Grundeigentümer des Areals ist der Kanton Aargau. Solange die Swisscom als Bauherrin und Betreiberin die gesetzlichen Grenzwerte einhalte, würden vonseiten der Grundeigentümerin keine Vorbehalte bestehen. Die Swisscom bezahlt dem Kanton 8000 Franken jährlich für die Platzierung der Mobilfunkanlage auf dem Kanti-Dach.