Obersiggenthal ist ein gebranntes Kind. Als Ende der 90er-Jahre der Bau der Brücke von Rieden nach Baden Tatsache wurde, versprach der Kanton, der Mehrverkehr würde sich in Grenzen halten. Heute, 17 Jahre nach der Eröffnung, gehört die Landstrasse in Nussbaumen zu den meistbefahrenen im Kanton. Zu Stosszeiten stauen sich die Autos teilweise bis nach Kirchdorf. Zudem stören die vielen, meist ausländischen Lastwagen.

Die Gemeinde wehrt sich nun gegen den geplanten Martinsbergtunnel am Brückenausgang, der die Innenstadt von Baden entlasten und den Verkehr in die Nähe der Autobahnzufahrt in Neuenhof lenken soll. Dazu fand in der Badener Galerie Anixis eine Diskussionsrunde statt: Die Ammänner von Baden und Obersiggenthal besprachen das vom Kanton geplante Gesamtkonzept Ostaargauer Strassenentwicklung, kurz Oase. «Es ist erwiesen, dass jede neue Strasse neuen Verkehr anzieht», sagte der Obersiggenthaler Gemeindeammann Dieter Martin (FDP). Bevor neue Strassen für Autos gebaut werden, müsse man das Carsharing weiter fördern, die Velo-Vorzugsrouten umsetzen oder den öffentlichen Verkehr attraktiver machen.

«Ein bemerkenswertes Statement für einen Freisinnigen», kommentierte Moderator Hans Fahrländer die Aussagen mit einem Augenzwinkern. Die geplante Velo-Vorzugsroute hob auch der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP) hervor. Bessere Radwege seien aber nur möglich, wenn das Zentrum von Baden entlastet werde. Den Aussagen der beiden Ammännern konnte das Publikum nicht viel abgewinnen, zumal es auch kaum Überraschendes zu Hören gab.

Dafür sorgten die Zuschauer selbst für markante Aussagen: «Uns Siggenthaler drückt der Schwerverkehr und nicht die Velofahrer. Was sagt ihr zu dem?», forderte etwa ein Mann die Diskussionsteilnehmer heraus. «Die Siggenthaler Brücke bekommt an beiden Enden so viel Verkehr wie der Badener Schulhausplatz», gab ein weiterer Mann seine Befürchtungen kund. Das allgemeine Misstrauen gegenüber dem Kanton, fasste ein Mann aus Obersiggenthal zusammen: «Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.»

Kritik auch aus Baden

Es kamen auch Voten aus dem Badener Kreuzliberg-Quartier: Mit der geplanten neuen Brücke nach Wettingen befürchte man dort «eine Lärmhölle». Auch Zuschauer aus Neuenhof, Windisch und Brugg meldeten sich. «Velorouten werden doch nicht gebraucht, wenn gleichzeitig die Kapazität für die Autos gesteigert wird», stellte ein Mann fest.

Für Jürg Caflisch (SP), Präsident des VCS Aargau, der den Anlass organisierte, liegt das Grundproblem beim Strassenfonds: «Es gibt zu viel Geld für Strassenbau im Kanton: 250 Millionen Franken pro Jahr», sagte er. Zudem sei über 80 Prozent des Verkehrs in Baden hausgemacht, ein Martinsbergtunnel würde die Innenstadt deshalb kaum entlasten. Dieter Martin bemängelte die Informationspolitik des Kantons. Mitreden könne man kaum. Als einzige Lösung für eine Entlastung des Siggenthals werde das Verkehrsmanagement erwähnt, was nicht ausreiche.

Markus Schneider verriet, dass auch er einer Lösung nur übers Verkehrsmanagement nicht traue. Trotz Unterzahl vertrat er aber die Haltung, das Projekt «Oase» nicht bachab zu schicken. «Der Kanton hat jetzt mal einen Vorschlag gemacht», sagte er. Den gelte es nun zu bearbeiten und zu verbessern.