13 500 Erwachsene und 17 500 Kinder besuchten 2017 das Familienzentrum Karussell an der Haselstrasse in Baden. Als Treffpunkt für Familien und Kinder, Unterstützung für frisch gebackene Eltern oder einfach zur Entlastung im manchmal stressigen Familienalltag hat sich das Karussell zu einer nicht mehr wegzudenkenden sozialen Institution in der Region entwickelt. Das zeigen auch die stark gestiegenen Besucherzahlen der jüngsten Vergangenheit (vgl. nachfolgende Grafik).

Zu 55 Prozent wird das Zentrum von der öffentlichen Hand getragen, 41 Prozent erwirtschaftet das Karussell mit Eigenleistungen. Lediglich vier Prozent der finanziellen Mittel stammen aus Spendengeldern – unter anderem von Serviceclubs, Privatpersonen und regionalen Unternehmen. Nun baut Betriebsleiterin Kathie Wiederkehr gemeinsam mit ihrem Team die Wirtschaftsbeziehungen aus.

«Wir suchen regionale Firmen und Unternehmen, die als Partner während jeweils vier Jahren einen vereinbarten Betrag spenden», erklärt Wiederkehr. Ab 1000 Franken jährlich sind die Unternehmen dabei. Als Gegenleistung können deren Mitarbeiter das Karussellangebot zu Mitgliedertarifen nutzen, das Unternehmen wird unter anderem als Spender auf der Website des Familienzentrums aufgeführt oder kann einmal pro Jahr die Räumlichkeiten des Karussells gratis nutzen.

Spenden haben einen Haken

Zwar erhält das Familienzentrum seit je Spenden, doch die haben einen Haken: «Diese einmaligen Beiträge bringen wenig Budgetstabilität. Viele Fonds und Stiftungen möchten Pilotprojekte oder einmalige Anschaffungen finanzieren. Wir brauchen aber nicht immer wieder eine neue Kletterlandschaft oder reissen neue Projekte an, sondern setzen auf Kontinuität und Nachhaltigkeit», erklärt Wiederkehr. Mehrjährige Partnerschaften sollen die Beständigkeit sichern.

Mit diesen sogenannten Public Private Partnerships (PPP) zwischen Familienzentrum und Firmen der Region will Kathie Wiederkehr Stabilität in die allgemeine Finanzierung des Karussells bringen. Denn gerade bei den drei Gemeinden Baden, Wettingen, und Obersiggenthal, die zusammen mit Ennetbaden gut 50 Prozent der Beiträge stemmen, sitzt das Geld längst nicht mehr so locker in den Taschen wie noch vor wenigen Jahren, als sie die finanziellen Mittel für die Pilotphase des Familienzentrums bewilligten.

Das hat sich jüngst beispielsweise beim Konzertlokal Nordportal gezeigt, wo die Stadt Baden die Miete und Nebenkosten nur noch bis zum Juni 2018 trägt. «Vor solchen Entscheiden sind wir auch mit unserem guten Ruf und den guten Zahlen, die das Karussell vorweist, nicht gefeit», sagt Kathie Wiederkehr.

Dieses Jahr endet die Pilotphase des Familienzentrums. Deshalb müssen die Gemeinden entscheiden, ob, und in welchem Umfang sie das Familienzentrum künftig unterstützen.

Signalwirkung für Gemeinden

«Mit dem PPP-Projekt möchten wir aufzeigen, dass wir uns um eine breite finanzielle Abstützung bemühen und das Familienzentrum von der Wirtschaft mitgetragen wird», sagt Wiederkehr. Die Beiträge der Gemeinden werden dadurch aber nicht überflüssig: «Wir sind darauf angewiesen, dass die Gemeinden den bisherigen Beitrag weiterhin leisten. Und nebst den vier genannten Gemeinden versuchen wir, weitere Gemeinden ins Boot zu holen.» Es solle eine gesunde Balance entstehen zwischen Beiträgen der öffentlichen Hand, Wirtschaftspartnern und Eigenfinanzierung», sagt Wiederkehr.

Letztlich argumentiert Wiederkehr, die seit 40 Jahren im Sozialwesen tätig ist, auch mit der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, welche die Unternehmen tragen sollten. «Das Karussell bringt der ganzen Region einen Mehrwert und trägt zur Standortattraktivität bei», sagt sie. So mache das Karussell die Region ein Stück weit familienfreundlicher, wodurch gut qualifizierte Arbeitnehmer, die Familie haben, eher gewonnen werden könnten.

Ein regionales Unternehmen, das eine solche Partnerschaft mit dem Familienzentrum bereits unterzeichnet hat, ist die Holzbaufirma Peterhans-Schibli in Fislisbach. «Wir sind in der Region tätig und unsere Kunden sind auch Familien. Das Familienzentrum ist sehr gut geführt und macht die Arbeit mit viel Herzblut», sagt Beat Peterhans, Geschäftsführer der Holzbaufirma. «So haben wir langfristig die Gewissheit, die Region im Familienbereich zu unterstützen, was eine sinnvolle und gezielte Investition ist.» Komme hinzu, dass im Betrieb auch Familienväter beschäftigt seien. «Sie können mit ihren Familien das grosse Angebot zum Mitgliedertarif nutzen.»

Wiederkehr und ihr Team haben erst vor einigen Wochen mit der Suche nach Wirtschaftspartnern begonnen. Bereits fünf Unternehmen haben ihre Unterstützung zugesagt; mit weiteren sei man im Gespräch.