Knall auf Fall

Nach Zoff mit Aargauer Gemeinden: Der umstrittene Multibag-Recyclingsack verschwindet

Auffallendes Blau: So sahen die Multiba-Säcke aus.

Auffallendes Blau: So sahen die Multiba-Säcke aus.

Die Multibag-Recyclingsäcke sind Geschichte – die Firma hat das Angebot Knall auf Fall eingestellt. Der Geschäftsführer gibt sich wortkarg.

Die Kunden des Multibag-Sammelsacks haben diese Woche eine überraschende SMS-Nachricht erhalten: «Der Multibag wird per sofort eingestellt. Es finden keine weiteren Abholungen statt. Sie erhalten in den kommenden Wochen eine Rückerstattung auf die bereits gezahlten Gebühren. Bei Fragen bitte nur per E-Mail! Weitere Infos folgen per E-Mail/Post.» Über die Gründe der Einstellung schweigt sich die Firma NTPK AG mit Sitz in Zofingen aus.

Die Multibag-Kunden konnten verschiedenste Recycling-Abfälle ungetrennt in den Sammelsack vor die Haustür stellen, also Glas, PET, Alu und Stahlblech sowie Elektroschrott, Kaffeekapseln, Metall oder Altkleider. Das Unternehmen sammelte sie dort ein. Das «Abo Standard» kostete Private 19.50 Franken. Es beinhaltet vier 35-Liter-Säcke bei einer monatlichen Abholung. Es gab weitere Abos.

Doch die Firma stand wegen des Multibag-Sammelsacks mit mehreren Gemeinden auf Kriegsfuss, etwa mit der Stadt Baden oder Magden und Möhlin aus dem Unteren Fricktal. Die Stadt Baden forderte die Firma im August per Einschreiben auf, die Sammeltätigkeit bis am 30. September einzustellen. Badens Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann wies gegenüber dieser Zeitung auf das Entsorgungsmonopol hin, das die Stadt bei Siedlungsabfällen auf ihrem Gemeindegebiet innehat.

Baden müsste einem Unternehmen dafür eine Konzession erteilen. «Wir sehen momentan aber keinen Sinn darin», sagte er. Die Fricktaler Gemeinden hatten gleich argumentiert. Gloor zeigte sich damals überrascht über den Brief aus Baden. «Wir sind hier schon seit zwei Jahren tätig.» Bei 11'400 Haushalten in Baden gab es nur 45 Multibag-Kunden, Er wies Vorwürfe zurück, das Einsammeln der Multibag-Säcke führe zu unnötigen Fahrten und sei ökologisch nicht sinnvoll. Zum Streit im Fricktal hatte er gesagt: «Wir befinden uns in einer rechtlichen Grauzone.»

Ein Konkurs sorgt für Fragezeichen

Auf Anfrage gibt sich Gloor wortkarg: «Die Einstellung von Multibag hat keine wirtschaftlichen, sondern persönliche Gründe.» Die NTPK AG hat Sammelsäcke von Partnerfirmen einsammeln lassen. Einen Stellenabbau gebe es nicht. Diese Firma existiert weiter.

Gloor ist auch Geschäftsführer der Cremo Handels GmbH, die vor einer Namensänderung noch NTPK International GmbH hiess und ihren Sitz an derselben Adresse in Zofingen hat. Dieser Firma ist das Geld ausgegangen. Sie befindet sich in Liquidation, wie im Aargauer Amtsblatt publiziert wurde. Das Gerichtspräsidium Zofingen hat das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Warum genau kam es zu diesem Konkurs? Besteht eine Verbindung zur NTPK AG? Welches Fazit zieht Geschäftsführer Gloor zum Multibag-Sack nach dem Zoff mit den Gemeinden? Bei der AZ haben sich immerhin mehrere Kunden gemeldet, welche das Multibag-Aus bedauern. Gloor allerdings lässt diese und weitere Fragen unbeantwortet.

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