Baden
Nach Wegweisung: Jetzt wird Strassenmusiker Frank Powers zum Politikum

Weshalb sich Einwohnerrat Benjamin Steiner (Team Baden) für Frank Powers einsetzt.

Sabina Galbiati
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Mit Wehmut und zwei Anzeigen wegen verbotenen Musizierens in der SBB-Unterführung hat Strassenmusiker Frank Powers im Mai seinen Gitarrenkoffer gepackt und ist aus Baden verschwunden (die az berichtete).

Er werde auf öffentlichem Grund in Baden nicht mehr musizieren, sagte er gegenüber dem «Badener Tagblatt» und verabschiedete sich von der Stadt mit einem «1000 Dank» an seine treuen Zuhörer. Seither halten die Passanten vergebens Ausschau nach der beliebten «Voice of Baden».

Als er in der SBB-Unterführung die zweite Anzeige kassierte, sagte er noch vor Ort, «es müsste doch möglich sein, im Bahnhofareal einen Platz von zwei, drei Quadratmetern zu definieren, wo Strassenmusiker und -künstler auftreten dürfen». Auf städtischem Boden sei dies nämlich eher mühsam wegen der Reglementierung.

Mit seiner Aussage sorgt Powers für politische Wellen: Einwohnerrat Benjamin Steiner vom Team Baden hat Powers Idee aufgegriffen und unter neckischem Titel «Baden ist. Frank Powers» einen Vorstoss eingereicht. Darin bittet er den Stadtrat, zu klären, wo und unter welchen Bedingungen eine solche freie und unbürokratische Zone für künstlerische Darbietungen möglich ist. «Als ich von der Anzeige gegen Powers las, dachte ich nur, das kann doch nicht sein», sagt Steiner. Es sei ein Verlust für Baden, dass er nicht mehr hier musiziert.

Steiner, der seit 2013 im Einwohnerrat ist, argumentiert im Vorstoss mit dem ersten Leitsatz des Badener Kulturkonzepts. Der Satz besagt zusammengefasst: Die Stadt fördert das künstlerische Schaffen in allen Sparten, sie unterstützt das freie und das institutionalisierte Schaffen und sie unterstützt Kultur mit traditionellem, experimentellem und unkonventionellem Charakter. «Das strenge Reglement für Strassenkünstler, das die Stadt hat, beisst sich extrem mit dem Leitbild Badens, Kleinkunst aktiv zu fördern», sagt Steiner.

Musik für lebendigere Innenstadt

Klar ist, der Stadtrat kann, was das SBB-Areal betrifft, nichts machen. «Doch Baden hat zahlreiche Plätze, wo Strassenmusiker spielen könnten», sagt Steiner. Alle würden vom Aussterben der Innenstadt sprechen und dass die Stadt wieder lebendiger werden müsse, gibt Steiner zu bedenken. «Doch dazu braucht es Leben, und da wären die Strassenmusiker ein Gewinn.»

Frank Powers alias Dino Brandao fühlt sich geehrt ob des politischen Engagements. «Ich war auch positiv überrascht von den vielen Reaktionen, die ich im Mai bekam.» Bis auf Weiteres halte er aber an seinem Entscheid fest und spiele nicht mehr auf Badens Strassen. Stattdessen spielt er seither in anderen Schweizer Städten oder in den Metropolen im Ausland wie etwa Berlin.

Der Stadtrat beantwortet Steiners Bitte mit dem Verweis auf das erste Legislaturziel bis 2018: «Spielregeln und Verhaltensweisen für eine verantwortungsvolle Nutzung des öffentlichen Raums sind gemeinsam verhandelt und alle Anspruchsgruppen bekannt.» Die Abteilung Entwicklungsplanung wird diesen Herbst mit den Abteilungen Öffentliche Sicherheit, Soziale Dienste sowie Kinder, Jugend, Familie einerseits die «zu beachtenden öffentlichen Räume» sowie die «einzubeziehenden Interessengruppen» definieren. «Zu möglichen Interessengruppen könnten nebst Quartiervereinen, Gastrobetreibern oder Gewerbetreibenden auch Vertreter von Strassenmusikern und -künstlern zählen», sagt Rolf Wegmann, Leiter der Entwicklungsplanung.

Man werde dies auf jeden Fall in Erwägung ziehen. «Im kommenden Jahr werden wir mit diesen Interessengruppen zusammensitzen, ihre Anliegen diskutieren und versuchen, jene Spielregeln für den öffentlichen Raum in der Stadt zu definieren.» In diesem Rahmen könne man auch über solche Spielflächen für Strassenmusiker diskutieren, sagt Wegmann.

«Baden könnte Vorreiter sein»

Frank Powers antwortet auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, als Vertreter der Strassenmusiker mit an den Tisch zu sitzen: «Auf jeden Fall. Es ist eine gute Sache, und nur schon die Diskussion finde ich spannend.» Man müsse auf der Suche nach einer Lösung immer alle Seiten anhören. Es sei verständlich, dass ein Gastro- oder Kioskbetreiber keine Dauerbeschallung vor dem Eingang möchte.

«In Schweizer Städten haben es die Strassenkünstler allgemein nicht leicht. Baden könnte diesbezüglich eine Vorreiterrolle einnehmen.» Powers denkt an weitere Vorteile nebst einer belebteren Innenstadt: «Es gibt einige junge Talente in Baden, denen die Stadt eine grossartige Plattform bieten könnte, um in ungezwungenem Rahmen aufzutreten.» Viele würden sich anfangs nicht trauen, in einer Bar oder einem Klub vor Publikum zu spielen. «Die Strassen meiden sie oft, da die Regelungen von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind, was die Musiker verunsichert.»

Zudem gebe es Profimusiker, die im Kurpark üben, die genauso gut auf einem definierten Platz in der Altstadt für die Passanten spielen könnten. Er glaube daran, dass Baden eine Lösung finden wird. «Dann werde auch ich wieder hier im öffentlichen Raum spielen», sagt der Musiker.

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