Freienwil, mit knapp 1000 Einwohnern die kleinste Gemeinde im Bezirk Baden, muss gemäss Vorgaben des Kantons fünf Flüchtlinge aufnehmen. Jahrelang hatte die Nachbargemeinde Ennetbaden die Freienwiler Asylbewerber gegen Entschädigung bei sich beherbergt, doch seit diesem Jahr fehlt dort der Platz. Gleichzeitig muss dem Kanton eine deutlich höhere Entschädigung bezahlen als bisher, wer die zugewiesenen Asylbewerber nicht aufnimmt – auf rund 40 000 Franken im Jahr beläuft sich der Betrag. Darum hat Freienwil keine andere Wahl, als nun selber eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Doch eine passende Wohnung zu finden, war bis heute ein für den Gemeinderat unmögliches Unterfangen. «Wir haben wochenlang, monatelang vergeblich nach einer Wohnung gesucht», sagt Gemeindeammann Robert Müller (SVP). Es gebe im Dorf kaum geeigneten Wohnraum, hinzu komme die Schwierigkeit, in einem kleinen Dorf Privateigentümer zu finden, die ihre Immobilie Asylbewerbern zur Verfügung stellten.

Was im Mai als Ultima Ratio angedacht war, wird nun effektiv als Lösung für das Wohnraumproblem vorgeschlagen: Ein Teil des rechtskräftig eingezonten Gewerbegebietes soll in eine sogenannte «Spezialzone Asylwohnheim» umgezont werden. Der Kanton habe grünes Licht für diesen ungewöhnlichen Vorschlag gegeben, sagt Robert Müller.

Das für die Umzonung vorgesehene Gewerbegebiet Maas befindet sich direkt hinter dem Fussballplatz an der Bergstrasse. Gebaut werden soll dort eine Asylunterkunft für acht Personen. Freienwil kauft der Nachbargemeinde Ehrendingen einen 100 Quadratmeter grossen Schulpavillon ab, in dem vier Zimmer für je zwei Bewohner eingerichtet werden.

Die Kosten für Kauf und Umbau sind mit 350 000 Franken veranschlagt, über diesen Kredit wird die Herbst-Gemeindeversammlung abstimmen. Über die Umzonung soll an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Frühling 2017 abgestimmt werden.

Robert Müller ist überzeugt, dass das Beispiel Freienwils Schule machen könnte. «Einige Gemeinden stellen Flüchtlingen attraktive Wohnungen zur Verfügung, weil gerade keine preiswerteren Objekte frei waren.»

Das werde nicht in allen Teilen der Bevölkerung goutiert. Die Schaffung einer Sonderzone und der anschliessende Umbau des Pavillons in eine Asylunterkunft sei eine pragmatische Lösung für das Freienwiler Wohnraumproblem, ist Müller überzeugt.

Er könne sich an keinen weiteren Fall erinnern, bei dem für die Unterbringung von Asylbewerbern Land eingezont werden soll, sagte Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, als die Idee im Frühling ein erstes Mal diskutiert wurde.