Lehrling verurteilt

Nach Horror-Taten in Aargauer Kita: Wie lässt sich sexueller Missbrauch verhindern?

Es gibt Massnahmen, mit denen Kitas Missbrauch oder Gewalt an Kindern vermeiden können. (Symbolbild)

Es gibt Massnahmen, mit denen Kitas Missbrauch oder Gewalt an Kindern vermeiden können. (Symbolbild)

Gemeinden und Kindertagesstätten haben diverse Möglichkeiten, um Missbrauchsfälle zu vermeiden. Massnahmen sind auch im Sinn der Angestellten, wie eine Fachexpertin erklärt.

Am Dienstag hat das Bezirksgericht Baden einen ehemaligen Lehrling einer Kindertagesstätte aus der Region Baden wegen sexuellem Missbrauch an zwei Kleinkindern verurteilt. Der heute 28-Jährige soll sich während seiner Ausbildung zwischen 2016 und 2018 mehrfach an zwei- bis vierjährigen Buben vergangen haben. Einen Fall gab er zu, den anderen bestreitet er. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Fall kam ab Mai 2018 ans Tageslicht, als die Eltern des eines Buben aufgrund seiner Schilderungen den Missbrauchsvorwurf erhoben. «Der Fall hat dazumal verständlicherweise eine grosse Empörung ausgelöst», erinnert sich Marianne Ryf. Sie ist Geschäftsleiterin der Fachstelle Kinder & Familien (K&F) mit Sitz in Ennetbaden.

Die unabhängige Fachstelle führt im Auftrag von vielen Aargauer Gemeinden Qualitätsüberprüfungen in Kitas, Tagesstrukturen und Tagesfamilien durch. Ebenso Erstberatungen für den Aufbau von Tagesstrukturen sowie Fachberatungen im Bereich familien- und schulergänzender Kinderbetreuung, dies im Rahmen einer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton nach dem Aargauer Volks-Ja zum Kinderbetreuungsgesetz vor zwei Jahren.

«Keine hundertprozentige Sicherheit»

Für die Aufsicht der Kitas sind im Aargau die Gemeinden zuständig. Wie können Gemeinden, Trägerschaften und Kitas einen solchen Missbrauchsfall verhindern oder zumindest das Risiko minimieren? «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie», sagt Ryf. Aber sie verweist auf diverse Massnahmen. Gemeinden sollen von allen Mitarbeitenden regelmässig den sogenannten Sonderprivatauszug verlangen. Dieser beinhaltet auch Urteile zu Berufs-, Tätigkeits- oder Kontaktverbote zum Schutz von Minderjährigen.

Weiter sollen Mitarbeitende einen Verhaltenskodex zu Grenzverletzungen unterzeichnen. Dazu gehören physische und psychische Gewalt. «Die Angestellten bezeugen damit, dass sie keine pädosexuellen Neigungen haben, noch nie sexuelle Handlungen zu Kindern gemacht haben und in kein solches Strafverfahren involviert sind.»

«Gemeinden schauen genauer hin»

Im Kanton Aargau habe sich die Situation in den letzten Jahren verbessert. «Es hat eine Sensibilisierung stattgefunden», stellt Ryf fest. «Gemeinden schauen genauer hin und sind kritischer.» Es würden allerdings auch heute noch Kitas mit nicht pädagogisch ausgebildetem Personal und ohne pädagogisches Präventionskonzept geführt. Für Ryf sind das klare Minuspunkt, auf die Eltern achten sollen.

Grundsätzlich sollten zwar wann immer möglich mehrere Angestellte mit Kindern zusammen sein. Wenn sie mit Kindern allein sind, benötige es besondere Massnahmen oder Regeln. Dies gelte insbesondere für sensible Bereiche wie Schlafräume oder den Wickeltisch. «Wir empfehlen es so einzurichten, dass der Wickeltisch zwar abgeschirmt ist, aber dass sich auch weitere Personen im Raum aufhalten oder die Türen offenbleiben.»

Im Sinn der Angestellten

Solche Massnahmen seien auch im Sinne der Angestellten. So sind sie selbst vor falschen Vorwürfen geschützt. Wegen Missbrauchsfällen hatten und haben manche Eltern Vorbehalte gegenüber männlichen Kita-Angestellten. «Nach dem Fall aus der Region Baden wollten verunsicherte Eltern ihr Kind nicht mehr zu Kitas mit männlichen Angestellten bringen», erinnert sich Ryf. Solche Vorbehalte seien mittlerweile nicht aus der Welt, aber seltener geworden.

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