Die Frostnächte im April sowie Hagelschlag im August haben zu grossen Schäden in den Rebbergen geführt, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) diese Woche mitteilte. Als Folge davon fiel die Weinlese vergangenes Jahr mit schweizweit 79 Millionen Litern so tief aus wie seit 1978 nicht mehr.

Der heisse Sommer habe den Winzern aber zu einer frühen Ernte und zu einer guten Traubenqualität verholfen. Soweit der Blick auf das Schweizer Weinjahr – doch wie fiel es in den Regionen Baden und Zurzach aus? Eine Umfrage bei Winzern zeigt: Die Bilanz fällt von Ortschaft zu Ortschaft, teilweise von Hang zu Hang anders aus.

Sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2017 zeigt sich Jürg Wetzel, der Reben in Gebenstorf, Birmenstorf und Villigen bewirtschaftet: «Die Qualität des 2017er-Jahrgangs ist überdurchschnittlich gut.» Dies dank des goldenen Herbstes mit vielen Sonnenstunden. «Auch von der Menge her können wir uns nicht beklagen.

In Birmenstorf und Gebenstorf verzeichneten wir eine Traubenernte, die im langjährigen Schnitt liegt.» Dass trotz Frost ein guter Jahrgang resultierte, erklärt Wetzel damit, dass schon 2016 ein schwieriges Jahr mit vielen Schäden gewesen sei; doch Pflanzen hätten die Fähigkeit zu lernen und die Fruchtbarkeit zu erhöhen.

Er keltert in seiner Trotte in Ennetbaden auch die Weine seiner beiden Brüder, die in Ennetbaden und Würenlos Reben bewirtschaften. «In Ennetbaden, das 2016 glimpflich davon kam, konnten 2017 nur ungefähr 70 bis 80 Prozent der langjährigen Durchschnittsmenge geerntet werden», erklärt Jürg Wetzel.

Als Ursache der regionalen Unterschiede vermutet er unter anderem die Art und Weise, wie die Kälte wirkte. «Vor zwei Jahren bildete sich schwere, kalte Luft, die sich an manchen Orten zu einer Art Kaltluftsee entwickelten, der nicht aus Tälern entweichen konnte. In Ennetbaden aber zog die Luft via Limmat weg.» Dafür sei Ennetbaden im vergangenen Jahr besonders von der kalten Bise betroffen gewesen.

Meinrad Steimer von der Weinbaugenossenschaft Wettingen: «In weit oben gelegenen Parzellen nahe der Waldgrenze erfroren wegen des Frosts rund drei Viertel der Jungtriebe.» Weisswein und Spezialitäten werden darum im Jahrgang 2017 knapp. «Die Kälte besser verkraftet haben die Reben-Parzellen in tieferen Lagen, und insbesondere mit der Qualität des Blauburgunders dürfen wir sehr zufrieden sein.» Der Ertrag entspreche insgesamt rund zwei Dritteln eines Durchschnittsjahres.

Kräftige Weine in ungeraden Jahren

Die Weinbaugenossenschaft Birmenstorf kam mit einem blauen Auge davon, wie Claude Venturini sagt. «Trotz des Frostes sind wir zufrieden mit der Erntemenge. Nach den Frostnächten im April boten die Reben noch ein trauriges Bild, aber es entwickelte sich danach eine doch gute zweite Generation.»

Es habe sich einmal mehr bestätigt, dass in ungeraden Jahren stets stärkere und kraftvollere Weine heranreiften. Dies sei seit dem Jahrhundertsommer 2003 zu beobachten, sagt Claude Venturini.

«Wir hatten Glück, konnten rund 70 Prozent der langjährigen Durchschnittsmenge ernten», sagt Marc Berger, Geschäftsführer der Weinbaugenossenschaft Döttingen: «An einzelnen Hängen, wo der Frost besonders intensiv wirkte, betrug der Ausfall aber weit über 50 Prozent.» Ausbezahlt haben sich laut Marc Berger rebbautechnische Massnahmen, die präventiv getroffen worden seien.

«Wir haben nach dem kalten Jahr 2016 den Schnitt der Reben im Winter zeitlich nach hinten verschoben, sodass sich ausreichend Reserven bilden konnten.» Als Folge davon hatten Reben nach dem Frost im April 2017 die Kraft, um ein zweites Mal Triebe zu entwickeln.

Ob ein Weinjahr als gut oder weniger gut in die Geschichte eingehe, hänge aber weniger von der Anzahl abgefüllter Flaschen ab, als vom persönlichen Weingeschmack, sagt Berger. «Ich bin überzeugt, dass der Döttinger Wein aus dem 2017 vielen Leuten schmecken wird.»