Im Mellinger Gemeinderat kam es letzten August zum Eklat. Es folgte ein medialer Schlagabtausch, bei dem Beat Gomes Klarheit über seinen Ressortentzug forderte und Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP), der sich auf das Amtsgeheimnis berief. Von einem Mediator, der die Differenzen bereinigen sollte, war die Rede. Und es wurde eine Strafanzeige wegen «allfälliger Amtsgeheimnisverletzung» eingereicht. Seither ist es erstaunlich ruhig geworden um den Fall Gomes.

Das Thema ist aber keinesfalls vom Tisch: Es sorgt im Reussstädtchen nach wie vor für Gesprächsstoff, wie Gemeinderat Beat Gomes sagt. «Regelmässig werde ich auf die Situation im Gemeinderat angesprochen.» Was sich im Hintergrund tut, darauf habe er keine Antwort. «Ich weiss nicht, was Sache ist. Was ich aber sagen kann, ist, dass es seit dem Eklat keine lauten Worte mehr gegeben hat», so Gomes.

Die Gremiumsmitglieder pflegten einen vorsichtigen, vornehm netten und professionellen Umgang mit ihm. «Wir besprechen die Geschäfte pflichtbewusst und offen. Auch bringe ich mich bei jeder Sitzung ein, mehr als andere.» Trotz Eklat sei er immer seinen Pflichten nachgegangen und bemühe sich, seine Arbeit bestmöglich umzusetzen. «Ich blieb sogar der Fasnacht fern, nachdem ich im letzten Jahr wegen meiner Rede kritisiert worden war, die ich im feuchtfröhlichen Zustand gehalten habe.»

Entzug, Mediator, Brief, Anzeige

Rückblick: Im August 2018 entzog der Gemeinderat seinem Mitglied Beat Gomes einen Teil seiner Ressorts. Zu diesem Entscheid habe unter anderem mehrfaches Fehlverhalten, Missachtung des Kollegialitätsprinzips und Gomes’ Verhalten gegenüber Behörden- sowie Kommissionsmitgliedern geführt. Wegen des Amtsgeheimnisses ging der Gemeinderat nicht auf Details ein. Gomes sagte seinerseits, dass der Ressortentzug mit seiner Doppelrolle als Gemeinderat und Journalist zu tun habe und er dem «Reussboten», für den er heute als freier Mitarbeiter schreibt, zu nahe stehe.


An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung im September sagte Gemeindeammann Gretener, dass man erwäge, eine externe Person beizuziehen, um die Differenzen zu bereinigen. Im Oktober forderte Beat Gomes in einem Brief den Gemeinderat auf, dass dieser öffentlich die passenden Worte findet, um Gomes’ Ruf und Ehre wiederherzustellen sowie den Ressortentzug aufzuheben. An der Gemeindeversammlung im November erwähnte Gretener, dass man «vor einiger Zeit eine Meldung an die Staatsanwaltschaft gemacht habe wegen allfälliger Amtsgeheimnisverletzung». Gretener wie Gomes betonten damals, dass im Gremium ein fairer und sachlicher Umgang gepflegt werde.

Erst den Abschluss abwarten

Das sei auch weiterhin der Fall, sagt Gemeindeammann Bruno Gretener. «Wir gehen nach wie vor möglichst professionell mit der Situation im Gemeinderat um und versuchen, alle laufenden Projekte und Aufgaben zeitgerecht und gut zu erfüllen.» Doch wie steht es um die Strafanzeige? Was ist mit dem Mediator? Wird der Gemeinderat auf die Forderungen im Brief eingehen und den Ressortentzug aufheben?

Gretener sagt, dass man sich im Gemeinderat gemeinsam entschieden habe, «vor einer allfälligen Aussprache» den Ausgang des laufenden Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft abzuwarten und «keine weiteren Aktivitäten zu unternehmen sowie keine weiteren Informationen» dazu zu geben. Was die Ressorts betrifft, werde man die Verteilung nach der Ersatzwahl am 19. Mai gemeinsam mit dem neuen Gemeinderatsmitglied für den Rest der Amtsperiode offen diskutieren und gemeinsam festlegen, so Gretener.

Die Freude am Politisieren hat Beat Gomes indes nicht verloren: «Die Mellinger brauchen mich. Ich habe noch viele Ideen, dich ich angehen und umsetzen möchte.» Etwa in den Bereichen Energie und Umweltschutz, für die er sich bereits heute als Ressortvorsteher einsetzt. «Mit dem Rücktritt von Giovanna Suter kann es gut sein, dass die Ressorts neu verteilt werden. Ich werde dafür kämpfen, dass ich die volle Ressortverantwortung zurückerhalte.»