Baden
Nach dem Kuratorium kürzt auch die Stadt den Palino-Beitrag

Der Künstlerfrau Stella Palino bläst beim Start der Theatersaison rauer Wind ins Gesicht. Ans Aufgeben denkt sie jedoch trotz fehlender finanzieller Unterstützung nicht.

Erna Jonsdottir
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Die Künstlerfrau Stella Palino starte mit ihrer «Hommage an Edith Piaf» in der «Unvermeidbar» die Theatersaison.

Die Künstlerfrau Stella Palino starte mit ihrer «Hommage an Edith Piaf» in der «Unvermeidbar» die Theatersaison.

Aargauer Zeitung

Dass das Aargauer Kuratorium die Beiträge für das «Teatro Palino» streicht, hat im Juli bei den Theaterleuten um die Transgenderfrau Stella Palino Wut und Enttäuschung ausgelöst. Jetzt steht das Badener Kleintheater vor dem nächsten Erdbeben:

Der Stadtrat will auf Antrag der Kulturkommission den in den letzten drei Jahren bezahlten Beitrag von 10 000 Franken an das Kulturprogramm in der «Unvermeidbar» streichen. Immerhin wird Stella Palino weiterhin mit einem Beitrag von 20 000 Franken für ihre Theaterproduktionen unterstützt – unabhängig davon, wo sie diese aufführt.

«Nach dem ersten Betriebsjahr hat die Kulturkommission 2012 die Kulturveranstaltungen in der ‹Unvermeidbar› auch im Sinne einer Starthilfe mit 10 000 Franken unterstützt», erklärt Patrick Nöthiger, Leiter Kultur. Die Kulturkommission gehe jedes Jahr neu über die Bücher und prüfe die Anträge der Badener Kulturveranstalter.

«Dieses Jahr sind wir zum Schluss gekommen, dass eine Unterstützung des Programms in der Bar aus inhaltlichen wie auch betrieblichen Gründen nicht mehr geleistet werden kann», sagt er. Konkret: Die Kulturkommission sei zurückhaltend mit Fördergeldern, die für ein Programm in einem Gastro-Betrieb gesprochen werden. «Als Starthilfe war der Beitrag aber gerechtfertigt», betont Nöthiger. Die Kürzung des Palino-Beitrags muss der Einwohnerrat noch genehmigen.

Palino hat immer noch Schulden

Trotz trüber finanzieller Aussichten – Stella Palino lässt sich nicht mehr aus der Ruhe bringen, wie sie sagt. «Derzeit komme ich über die Runde, auch wenn ich nach wie vor Altlasten abzahle», erklärt die Kunstfrau, die nun verstärkt von Sympathien und Sponsoren zu leben hat.

Wie sich die Streichungen der Beiträge auswirken werden? «On verra.» Es gebe zwei Möglichkeiten, mit einer solchen Situation umzugehen: «aufgeben oder weitermachen». Ans Aufgeben denkt sie nicht, im Gegenteil. «Dass wir in den Augen des Kuratoriums unzeitgemässen Quatsch produzieren, hat zuerst wehgetan», gesteht sie.

Heute sei sie durch diese Haltung noch stärker motiviert, Theater zu machen, die Segel zu setzen und weiter von einer festen Theatergruppe zu träumen. «Ich lasse mir nicht in meine Produktionen hineinreden. Und ich erwarte auch nicht, dass alle mein Theater lieben.» Aus diesem Grund nimmt sie den Entscheid der Kulturkommission gelassen. «Sollen sie den Beitrag kürzen, mein Team und ich machen trotzdem weiter, auch wenn finanziell manchmal nichts herausspringt.»

Flüchtlinge spielen mit

Heute startet Palino die Theatersaison im Kunstcafé Unvermeidbar mit der Aufführung «Hymne à la vie». Die Hommage an Edith Piaf zu deren 50. Todestag war letztes Jahr derart erfolgreich, dass Palino bis im Dezember Zusatzvorstellungen gab. «Ihre Chansons sind ein Kontrast zur kleinbürgerlichen und weltverschlossenen Denkweise, die in Baden derzeit herrscht.»

Dass Stella Palino ihre Produktionen nicht über Bord wirft, soll die Uraufführung von «An Weihnachten sind wir zurück» ab November zeigen. Das Stück handelt vom Ausbruch des 1. Weltkriegs und thematisiert Dichter wie Kurt Tucholsky, dessen Reime «Jeder Schuss ein Russ’» und «Jeder Stoss ein Franzos’» damals Eisenbahnwaggons zierten. Rund 14 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan sind Teil der Produktion, die sich im Theater, in der «Unvermeidbar» und auf der Strasse abspielt. «Mehr verrate ich nicht», sagt Palino.