Wer die Räumlichkeiten im Museum Langmatt betritt, lässt sich ein auf eine Zeitreise. Da ist die Bibliothek mit dem grossen Kamin und den teuren Accessoires aus dem fernen Osten. Ein Schreibtisch mit alten Familienfotos. Und an den Wänden hängen all diese Bilder von berühmten Künstlern, als wäre es die natürlichste Sache der Welt: Hier ein Degas, da ein Van Gogh und dort drüben ein Monet. «Es kommt einem vor, als wäre die Zeit hier stehengeblieben», fand eine Besucherin anlässlich der Vernissage. «Es ist fast, als käme jetzt gleich die Herrin des Hauses um die Ecke gerauscht und sagt ‹Tee ist angerichtet›.» Und eine andere Besucherin fügt hinzu: «Bestimmt hingen die Bilder damals anders. Aber in dieser Umgebung hier wirken sie authentischer als in jedem modernen Museum.»

Die Herrin des Hauses war Jenny Brown-Sulzer (1871–1968). Sie stammte aus der einflussreichen Winterthurer Industriellenfamilie Sulzer. 1896 heiratete sie Sidney Brown (1865–1941). Dieser zählte gemeinsam mit seinem Bruder Charles Brown und Walter Boveri zur Gründergeneration der BBC, der heutigen ABB. Zur Hochzeitsreise fuhr das Paar nach Paris. Diese Reise war sozusagen die Initialzündung für eine ausgeprägte, über 40 Jahre währende Sammlertätigkeit für damals zeitgenössische Kunst. 1901 bezogen die beiden die im englischen Landhausstil errichtete Villa Langmatt. Ihre Sammlung, besonders die Werke, die das Paar in der Zeit zwischen 1900 und 1920 erworben hatte, gilt heute als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen französischer Impressionisten, die vor und nach der Zeit des Ersten Weltkrieges in der Schweiz zusammengetragen wurde.

Jahrzehnte im Keller gelagert

1987 verstarb der mittlere Sohn der beiden und letzte Spross der Familie, John Brown. Er vermachte die Villa samt Park und Sammlung der Stadt Baden mit der Auflage, eine Stiftung zu errichten und das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nun, fast dreissig Jahre später, muss das Depot des Museums komplett erneuert werden. Und die Werke, die dort während Jahren und Jahrzehnten im Keller gelagert waren, kommen ans Licht. Darunter sind wie erwähnt wahre Meisterwerke. Aber ein Depot wäre kein Depot, wenn es dort nicht auch all jene Werke von weniger bekannten oder gar gänzlich unbekannten Künstlern gäbe.

«Den ersten von vier Ausstellungsräumen haben wir bewusst genau so eingerichtet, wie wir ihn unten vorgefunden hatten: So als hätte man alle Gegenstände, die Regale samt Inhalt, mit dem Fahrstuhl ins obere Stockwerk gebracht», sagte Dr. Markus Stegmann, Direktor des Museums, anlässlich der Vernissage. So sieht der Besucher in diesem ersten Raum ebendiese Regale mit unzähligen Bildern. Am Boden stehen ein paar Büsten aus Gips, ein handbemalter Wandschirm aus Holz, allerlei Krimskrams, ein teures Kleid, Spazierstöcke, ein ganzes Sammelsurium an Gegenständen, die vielleicht hundert Jahre so im Keller gelagert waren.

Der zweite Raum zeigt Arbeiten auf Papier, darunter drei frühe Aktzeichnungen von Henri Matisse. Der dritte Ausstellungsraum stellt Bilder ins Zentrum, die das Thema Familie und Kindheit zeigen, darunter auch ein Kinderporträt von John Brown, dem späteren Stifter des Museums. Der vierte und letzte Ausstellungsraum zeigt einige Beispiele von Sammlerstücken aus fernöstlichen Kulturen. Ab 1920 begann Sidney Brown seine Sammlertätigkeit auszudehnen, auch nach China und Fernost.

Im krassen Gegensatz zu den Ausstellungsgegenständen im Inneren der Villa zeigt der zeitgenössische Künstler Raphael Stucky draussen vor dem Eingang eine Kunstinstallation in einem Jaguar mit dem Namen «Die schnellste Kunsthalle der Welt».

«Kellerkinder – Ein Depot will ans Licht». Die Ausstellung dauert noch bis zum 4. September 2016. Weitere Veranstaltungshinweise des Museums unter: www.langmatt.ch