Baden

Möbelhaus-Inhaber deponiert Bilanz: «Dass es so endet, stimmt mich traurig»

Möbelhaus an zentraler Lage: 1997 eröffnete hier das «in!baden». mru

Möbelhaus an zentraler Lage: 1997 eröffnete hier das «in!baden». mru

Nach 20 Jahren hat «in!baden» Anfang diesen Jahres seinen Betrieb eingestellt – Inhaber Raoul Burger erklärt der Aargauer Zeitung weshalb. Das Ende von «in!baden» reiht sich an eine traurige Reihe von Geschäftsschliessungen in der Möbelbranche.

Also doch: aufmerksame Passanten dürften sich während der Festtage aufgrund der stark reduzierten Möbel im Möbelgeschäft «in!baden» gefragt haben: «Zeichnet sich hier das Ende des Traditionshauses ab?» Seit gestern ist diese Frage beantwortet.

In einem Brief hat Firmengründer und Inhaber Raoul Burger (59) seine Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten und Freunde informiert, er habe den Betrieb seines Geschäfts Anfang dieses Jahres eingestellt. Auf Nachfrage bestätigt Burger: «Ja, ich habe Anfang Januar die Bilanz deponiert; seit dem 4. Januar ist das Geschäft zu.»

Dass es so zu Ende gegangen sei, stimme ihn und auch seine Kunden – wie zahlreiche Reaktionen zeigen würden – sehr traurig. «Das letzte Jahr begann noch recht gut. Doch obwohl wir zusätzliche Massnahmen wie Stellenabbau, Onlineauftritt und Reduzierung der Verkaufsfläche eingeleitet haben, kam es im Sommer zum Einbruch, den ich mir nicht erklären kann», so Burger. Die Umsätze von März bis September seien um 43 Prozent eingebrochen.

2008 brannte das Möbelhaus

Dass das Ende ausgerechnet auf das 20-Jahr-Jubiläum fällt, macht die Sache besonders bitter. 1997 kaufte Burger das Design-Möbel-Fachgeschäft aus der «Wohnbedarf Zürich Gruppe» heraus und verselbstständigte es. Es gab in den letzten 20 Jahren auch Rückschläge, die Burger und sein Team zu bewältigen hatten. So brach im Dezember 2008 im Möbelhaus ein Feuer aus und verursachte einen Sachschaden von mehreren 100'000 Franken.

Inhaber Raoul Burger: «Dass es so endet, stimmt mich traurig.»

Inhaber Raoul Burger: «Dass es so endet, stimmt mich traurig.»

In den letzten Jahren hatte das Traditionshaus immer mehr mit verändertem Kaufverhalten, dem schwachen Euro und dem Onlinehandel zu kämpfen. «Das Internetshopping erlebte selbst bei beratungsintensiven Gütern einen unerwarteten Aufschwung, wodurch wir zusätzliche Marktanteile verloren», schreibt Burger in seinem Brief an die Kunden. «Nur durch die Gewährung immer höherer Rabatte konnten sich die Verkäufe etwas stabilisieren.» Dies habe jedoch übersetzte Umsatzziele bei geringerer Marge nach sich gezogen. «Auf die Dauer konnte das nicht gut gehen.»

Obwohl Burger in seinem «in!baden» vor allem innovative und exklusive Möbelstücke anpries, seien immer mehr Kunden in den Onlinehandel abgewandert. «Kunden, die Geschäfte wie das ‹in!baden› aufsuchen, sind in der Regel sehr preissensibel», sagt Burger. Nicht selten sei es vorgekommen, dass sich interessierte Personen in seinem Geschäft beraten liessen, um dann online – meist bei einem ausländischen Anbieter – die Ware zu beziehen oder aber auch gleich im grenznahen Ausland einzukaufen.

«Ein Beispiel: Vor nicht allzu langer Zeit hat sich eine öffentliche Schule aus der Region Baden für USM-Möbel interessiert. Schliesslich teilte mir die Schulleitung mit, der Deal mit uns käme nur bei einem weiteren Rabatt zustande, weil ein ausländischer Anbieter die Möbel 300 Franken billiger liefern könne. Das beginnt also schon bei der öffentlichen Hand!»

Die schlechten Verkaufszahlen einfach der Verkehrssituation rund um Baden anzulasten, sei sicher zu einfach. Aber: «Es ist derzeit nicht wahnsinnig attraktiv, in die Stadt zu gelangen. Und auch um den Ladenmix steht es nicht allzu gut», so Burger. Immerhin habe das Weihnachtsgeschäft geholfen, den Schaden einigermassen in Grenzen zu halten, sagt Burger.

Er hatte sich schon im Sommer 2016 Gedanken über seine mögliche Nachfolge gemacht und sich damals noch optimistisch geäussert. «Ich würde mir wünschen, dass ‹in!baden› auch nach meiner Pensionierung weitergeführt wird.» Er habe sich denn auch intensiv um eine Nachfolgeregelung bemüht, so Burger. «Ich habe zahlreiche Fusions- und Übernahme-Verhandlungen geführt.» Doch mit fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten in einem sehr schwierigen Marktumfeld am Ende leider ohne Erfolg. «All diese Faktoren sowie die allgemeine schlechte Wirtschaftslage zwingen mich, den Betrieb einzustellen», schreibt Burger in seinem Brief.

Seine drei Mitarbeiter seien schon früh in den Prozess eingebunden worden. Eine Mitarbeiterin habe bereits eine neue Anstellung gefunden, ein Mitarbeiter habe eine Stelle in Aussicht und für den dritten Mitarbeiter werde er sich selbstverständlich auch noch einsetzen. Welche Zukunftspläne er selber hat, weiss Burger noch nicht genau. Erst einmal gelte sein Interesse einer geordneten Auflösung der Firma und einem sauberen Abschluss. Und danach? «Ich weiss nur, dass ich auf die eine oder andere Art der Möbelbranche verbunden bleiben will.» Er werde die nächste Zeit für eine Neuorientierung nutzen.

Firmen-Schliessungen häufen sich

Das Ende von «in!baden» reiht sich an eine traurige Reihe von Geschäftsschliessungen in der Möbelbranche. Erst im letzten Sommer schloss das Möbelhaus Form+Wohnen beim Stadtturm nach 47 Jahren. Zwar ist die Firma noch eingetragen und Inhaber Reto Schmid wickelt auf Wunsch noch Möbelbestellungen ab, doch schon bald wird ein neuer Mieter ins Untergeschoss der Liegenschaft einziehen.

Und im Herbst 2015 sorgte die Schliessung von Weibel Möbel in Endingen nach 150 Jahren für Gesprächsstoff. Wenige Monate später wurde zudem bekannt, dass die Klingnauer Möbelfirma de Sede in neue Hände kommt und die im Energiehandel tätige Oel-Pool AG eine deutliche Mehrheit an «de Sede» halten wird.

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