Simon Balissat, Zürcher machen sich oft über Aargauer lustig. Und jetzt dürfen ausgerechnet Sie als Badener die Morgenshow bei «Radio 24» mitmoderieren. Wie haben Sie dieses Kunststück geschafft?

Simon Balissat: Es braucht in Zürich wohl jemanden, der den Aargau vertritt. Viele Pendler wohnen im Aargau und fahren auf der Autobahn nach Zürich, hören in dieser Zeit Radio. Ich bin sozusagen die Aargauer Stimme in Zürich.

«Simple Simon» vom 10 Juni 2015

«Simple Simon» vom 10 Juni 2015

Morgenshow sind für Radios die wohl wichtigste Sendung des Tages. Sie sind jetzt ein Radio-Star?

Nein, nein, ich bin kein Star, ich werde eher im Hintergrund sein. Hauptmoderator Dominik Widmer ist der Star, ich unterstütze ihn, wenn er nicht weiterweiss. Ich bin derjenige, der auch noch seinen Senf dazu gibt, so könnte man meiner Rolle beschreiben. Ich bin derjenige, der ab und zu für eine weitere Pointe sorgt. Aber klar, es ist ein weiterer, bedeutender Schritt für mich als Moderator.

Haben Sie nie Angst, dass Ihnen vor dem Mikrofon plötzlich die Ideen ausgehen?

Ich hatte nachts zwar schon Albträume, in denen ich vor dem Mikrofon sass und kein Wort rausbrachte. Wenn ich aber live auf Sendung bin, nein, dann habe ich keine Angst. Dass es mir sozusagen die Sprache verschlägt vor dem Mikrofon, das ist zum Glück noch nie vorgekommen. Die Spontaneität muss ganz einfach zu den Stärken eines Moderators zählen, man kann nicht alles mit Skripten vorbereiten.

Wie schaffen Sie es, frühmorgens fit zu sein? Man trifft Sie ja auch ab und zu spätabends in Baden an.

Ich kenne das Frühaufstehen, habe ja schon bisher morgens den Verkehr gelesen. Ich lasse mir mein Leben nicht nehmen, gehe gerne ab und zu abends essen, ins Kino oder eins trinken mit Kollegen. Dafür schlafe ich am Nachmittag ein paar Stunden, mache sozusagen Siesta. Je später die Woche, desto später gehe ich ins Bett.

Bei «Radio 24» sind Sie bekannt geworden als griesgrämiger «Simple Simon». Wie würden Sie diese Kolumne beschreiben?

Immer um 10 vor 6 am Abend lasse ich Dampf ab. Ich ziehe über Dinge her, die mich nerven. Das können Autofahrer sein, die sich im Stau vordrängen, oder Leute, die im Tram zu laut Musik hören. Diese Kolumne sorgt für viel Feedback, ich erhalte oft auch negative Reaktionen. Aber das zeigt immerhin, dass die Leute zuhören. In der Morgenshow wird meine Rolle eine andere sein, ich will die Leute am Morgen nicht anschnauzen.

«Simple Simon» vom 18 Juni 2015

«Simple Simon» vom 18 Juni 2015

Dampf lassen Sie auch in Ihrer bissigen «Badener Tagblatt»-Kolumne ab. Haben Sie noch nie bereut, den Leuten derart an den Karren zu fahren? Immerhin wurden Sie wegen kritischer Zeilen über den FC Baden für ein Jahr vom Stadion-Mikrofon verbannt.

Schwierige Frage (überlegt). Nein, eigentlich bereue ich nichts. Mein Gott, ich habe halt einfach geschrieben, was die Fans denken. Aber ich habe zu hart auf die Person geschossen, mein Lehrgeld gezahlt und mich beim FC Baden und dem Vorstand dafür entschuldigt. Aber ich denke, es tut dieser Stadt gut, wenn ab und zu einer auf den Tisch haut.

Warum haben Sie eigentlich Radio Argovia verlassen? Sie sind doch in der Region stark verwurzelt.

Ich wollte wissen, wie ich im Zürcher Haifischbecken zurechtkomme. Entweder machst du es gut, oder du bist schnell Geschichte. Im Nachhinein war es ein guter Entscheid, ich habe super Chancen erhalten bei «Radio 24».

Haben Sie Ihren Dialekt in den vergangenen drei Jahren denn schon dem Züridüütsch angepasst?

Nein, das ist auch gar nicht nötig. Das Badenerdüütsch tönt ja fast genau so wie das Züridüütsch. Sowieso sind die Zürcher nicht sehr dialektaffin, die hören die Unterschiede nicht gut raus. Das hat auch damit zu tun, dass es klassische Stadtzürcher fast nicht mehr gibt, die meisten Stadtbewohner sind zum Beispiel in Winterthur oder eben in der Region Baden aufgewachsen. Wäre ich aber Brugger – na ja, dieser Dialekt wäre schon sehr gewöhnungsbedürftig für ein Zürcher Radio.

Welches ist momentan der beste, welches der langweiligste Radio-Moderator im Land?

Wahrscheinlich kriege ich jetzt einen Rüffel von unserer Marketing-Abteilung, aber Roman Kilchsperger macht bei «Energy» eine Morgenshow, die nur er so machen kann, manchmal macht er aus nichts eine ganze Sendung, beeindruckend. Dominik Widmer, mit dem ich zusammenarbeiten darf, ist unglaublich kreativ, er hat fantastische Ideen. Sein verstecktes Telefon zum Beispiel ist Kult. Und wie er auf die Leute zugeht auf der Strasse – toll. Er macht so Radio, wie ich es gerne könnte.

«Simple Simon» vom 29 Juni 2015

«Simple Simon» vom 29 Juni 2015

Und die in Ihren Ohren schlechteste Morgenshow?

Ich finde, das SRF 3 hat enorm nachgelassen. Die Morgenshow ist wahnsinnig schlecht. Langweilig, ohne Drive. Das dürfen Sie genau so schreiben. Ich weiss nicht mal, wer genau die Sendung moderiert. Wir sind diesem Sender meilenweit voraus, und das mit viel weniger Manpower. Aber in diesem Riesenapparat SRF kann man halt auch nicht so schnell so viel bewegen wie bei uns.

Letzte Frage: Viele Radiomoderatoren landen früher oder später beim Fernsehen. Moderieren auch Sie bald eine Sendung, zum Beispiel den Samstagsjass oder eine Quizshow?

Für den Samstagsjass wäre ich sofort zu haben! Ich bin ein begnadeter Jasser. Das ist eine riesige Fernsehshow, die cool zu moderieren wäre, auch wenn es vielleicht bünzlig tönt. Sehr gerne würde ich eine wirklich freche Late-Night-Show machen ab 22 Uhr.