Nach mehr als zwei Stunden dämmerte es wohl auch dem hinterletzten Anwesenden, der mit der Hoffnung auf Kompromisse oder gar Eingeständnisse zur Einwenderversammlung erschienen war, dass hier ist nichts zu holen ist; die Positionen bezogen sind. Darum geht es: Die Swisscom will in Freienwil auf Initiative der Gemeinde eine 25 Meter hohe Mobilfunk-Antenne beim Sportplatz bauen (die AZ berichtete). Dagegen sind 46 Einsprachen eingegangen. Darunter auch eine Kollektiveinwendung mit 114 Unterschriften.

Die Opposition nahm der Gemeinderat zum Anlass, die Einwender am Mittwochabend zur Einwenderversammlung einzuladen. Ebenfalls anwesend waren zwei Vertreter der Swisscom, die sich zu technischen und rechtlichen Fragen äusserten. Doch daran waren die Anwesenden gar nicht primär interessiert, sondern sie wollten vom Gemeinderat viel eher wissen, wie dieser eine solch dominante Antenne beim Dorfteingang gutheissen kann. Denn eine solche würde den Grundsätzen des Ortsbildschutzes widersprechen und sei wohl kaum vereinbar mit dem Dorfslogan «Wohnen und erholen».

Doch Gemeindeammann Robert Müller (SVP) und Gemeinderat Daniel Aeschbach übten sich in vornehmer Zurückhaltung. Das hatte weniger mit Passivität oder Desinteresse zu tun. Nein: Sie sahen sich an diesem Abend nicht in der Rolle der Gegenpartei, sondern vielmehr als Moderatoren der Verhandlung. Diese Haltung sorgte bei den Anwesenden mit Fortdauer der Verhandlung für Unmut. Auch der Umstand, dass mit Rébecca Schneider und Beat Bachmann zwei Gemeinderäte bei einer solch wichtigen Angelegenheit durch Abwesenheit glänzten, sorge rundum für scharfe Kritik.

Erneute Kritik an Informationspolitik

Inhaltlich ist die Sache schnell zusammengefasst. Der Handy-Empfang in Freienwil ist ungenügend. Deshalb beauftragte der Gemeinderat die Swisscom, einen aus ihrer Sicht guten Standort zu präsentieren. Da auch die anderen Anbieter Salt und Sunrise dereinst die Antenne nutzen sollen, ist die Höhe von 25 Metern nötig. Andere Standorte wie etwa der «Hof» an der Alten Lengnauerstrasse oder die «Mehrzweckhalle» sind funktechnisch betrachtet nicht gut gelegen. «Der Gemeinderat hat die Sache sorgfältig abgewogen und den Standort unter dem Strich für gut befunden», erklärte Daniel Aeschbach. Er können die Bedenken und die Kritik der Einwender gut nachvollziehen. Etwas provozierend fügte er jedoch hinzu: «Aber ist es nicht auch ein bisschen so: Alle wollen besseren Empfang, aber auf keinen Fall die Antenne vor der Haustüre.»

Nachdem den Anwesenden nach und nach klar wurde, dass inhaltlich an diesem Abend nicht viel herauszuholen ist, verlagerten sich die Diskussionen auf Nebenschauplätze. So musste der Gemeinderat zum wiederholten Mal Kritik für seine schlechte Informationspolitik einstecken. Tatsächlich hat es dieser geschafft, die Stellungnahme der Swisscom, die bereits seit Mai vorliegt, den Einwendern erst wenige Tage vor der Verhandlung zuzustellen. Der Gemeinderat räumte denn auch ein, man hätte die Bevölkerung besser und früher ins Boot nehmen müssen.

Nun hat der Gemeinderat zwei Optionen. Entweder er heisst das Baugesuch gut, was ziemlich sicher eine Beschwerde der Einwender an den Kanton zur Folge hätte. Oder aber er verweigert die Bewilligung, was eventuell die Swisscom so nicht akzeptieren könnte. Viele Einwender dürften aber die Hoffnung auf eine dritte Möglichkeit noch nicht aufgegeben haben. Dass der Gemeinderat der Swisscom nämlich einen fast so guten Standort vorschlägt und der Mobilfunkanbieter mit diesem Kompromiss leben kann.