Die Polizei: dein Freund und Helfer. Diesen Slogan würden wohl nicht viele Jugendliche unterschreiben. Tauchen irgendwo Polizeiautos oder Uniformierte auf, stehen die Zeichen eher auf Anspannung – ganz egal, ob man überhaupt Grund zur Sorge hat.

Um das Verhältnis von Jugendlichen zur Polizei und deren Arbeit zu verbessern, gehen die Stadtpolizei Baden, die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal und die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal zusammen mit der Jugendarbeit Region Baden eine Kooperation ein.

Zwar sei die Zielgruppe von Polizei und der offenen Kinder- und Jugendarbeit die gleiche, doch seien die Aufträge verschieden. Konkret: Die offene Kinder- und Jugendarbeit hat den Auftrag, Räume zu schaffen und das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen zu stärken.

Die Polizei auf der anderen Seite hat den Auftrag, Gesetze durchzusetzen, und will präventiv Gesetzesüberschreitungen verhindern. «Dass diese beiden Aufträge und die unterschiedliche Art zu arbeiten sich zum Teil in die Quere kommen, liegt auf der Hand», sagt Sandra Perego, Leiterin der Fachstelle Jugendarbeit Region Baden, die von 14 Gemeinden getragen wird. Das habe in der Vergangenheit für beide Seiten immer wieder zu unbefriedigenden Situationen geführt.

«Durch die Kooperation und den intensiven Austausch haben beide Seiten vertieften Einblick in die Arbeitsweise der anderen Seite erhalten. Das hilft, diese Vorurteile abzubauen», sagt Perego. Konkret seien nun Kommunikationsabläufe vereinbart worden. «So zum Beispiel, dass Jugendarbeiter von der Polizei informiert werden, wenn bei einer Vermietung der Jugendräume ein Einsatz stattfand. Das ermöglicht den Jugendarbeitern, mit den Vermietern zu sprechen und allfällige Konsequenzen zu ziehen.»

Ein Flyer und der Youtubefilm «Polizeikontrolle – und jetzt?» informieren die Jugendlichen über ihre Rechte und Pflichten, sollten sie in Kontakt mit der Polizei kommen.

«Polizeikontrolle – und jetzt?»: Mit diesem Youtube-Film werden Jugendliche  informiert, wie sie sich bei Polizeikontrollen zu verhalten haben

«Polizeikontrolle – und jetzt?»: Mit diesem Youtube-Film werden Jugendliche informiert, wie sie sich bei Polizeikontrollen zu verhalten haben

Drei Polizeikorps und die Jugendarbeit spannen mit dem Ziel zusammen, Vorurteile abzubauen. Ein Flyer und der Youtubefilm «Polizeikontrolle – was jetzt?» informieren die Jugendlichen über ihre Rechte und Pflichten, sollten sie in Kontakt mit der Polizei kommen.

Prävention vor Repression

«Das Ziel dieser Kooperation ist es unter anderem, bei den Jugendlichen die teilweise negative Einstellung gegenüber der Polizei zu ändern», sagt Adrian Kirchhofer, Gruppenchef bei der Stadtpolizei Baden. Konkret wolle man dazu beitragen, dass Jugendliche im Falle einer Kontrolle wissen, wie sie sich zu verhalten haben. «Die Jugendlichen sollen wissen, dass sie keine Angst haben müssen, wenn wir auftauchen.

Im Gegenteil: Wir sind ja auch im Einsatz, um für ihre Sicherheit zu sorgen», sagt Kirchhofer. Sollte sich ein Jugendlicher doch einmal unfair behandelt gefühlt haben, soll er dank der Kooperation wissen, an wen er sich wenden könne.

Überhaupt unternehme die Polizei sehr viel, um bei den Jugendlichen die Schwellenangst abzubauen respektive das Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen. «So halten wir diverse Vorträge in Schulen, um Schüler insbesondere bei Themen wie Strafmündigkeit, Strafen und Massnahmen, Cybermobbing und weiteren Problemen der digitalen Medien aufzuklären.

Uns ist es wichtig, dass der erste Kontakt mit der Polizei kein negativer ist, wie es im Polizeialltag halt schnell passieren kann.» Damit spricht Kirchhofer den Umstand an, dass die Polizei mit Jugendlichen typischerweise in ihrer Freizeit in Kontakt kommt; etwa bei Ruhestörungen oder Littering-Vorfällen.

Die neu eingegangene Kooperation habe auch geholfen, gegenseitige Vorurteile zwischen Polizei und der offenen Jugendarbeit abzubauen. «Wir haben jetzt gegenseitig viel mehr Verständnis für die Standpunkte der anderen Seite», so Kirchhofer. Aus Sicht der Polizei sei es wichtig gewesen, aufzuzeigen, dass nicht die Repression im Vordergrund stehe, sondern dass man sich vor allem im Bereich der Prävention engagiere.