Baden

Mit Worten und Klängen mitten ins Herz

Claude Meier, Simon Libsig und Roland Wäger (von links) bei ihrem Auftritt im «ThiK» in Baden.

Claude Meier, Simon Libsig und Roland Wäger (von links) bei ihrem Auftritt im «ThiK» in Baden.

Simon Libsig berührte gemeinsam mit zwei Musikern im «ThiK» in Baden mit «Einer für alle, alle für einen».

Dichtes Gedränge und angeregtes Plaudern schon an der Bar, alle Billette sind ausverkauft. Das Zusammenspiel der elektrischen Bässe und wundersamen Klänge von Claude Meier und Percussions-Künstler Roland Wäger mit den Liedern und Poesien von Simon Libsig trägt uns ins Paradies, aber auch in den Abgrund einer schlaflosen Nacht – anders gesagt in den Minutentakt der dramatischen Geburt von Sohn Lino.

Das gebannte Publikum wird von den Melodien und Geschichten immer wieder durchgeschüttelt und verblüfft – um dann wieder sanft geschaukelt in Träumen zu schwelgen.

«Tanze mir zäme in Sunneuntergang, i dem Wunderland, stundenlang, Hand in Hand, am Strand.»

Über die Kindheit und das Vatersein

Der Wortakrobat Libsig hält uns vor Augen, welche überflüssigen Dinge wir sammeln. Schon die Kleinen haben Unmengen an Spielzeug, deshalb sagt das Kind zum Samichlaus:

«Ha so viel Spielsache, ich chönnt mich drin verirre. Drum bin i froh, bringsch Du nur Nuss und Bire.»

Die Kinder wollen nicht schlafen und suchen das Bett der Eltern auf, stehen plötzlich in Taucherbrille oder Küchenschürze da und wollen schwimmen gehen oder einen Kuchen backen. Was auch immer der Alltag dem Sprachkünstler Libsig bringt, er verarbeitet es in Balladen, Humoresken und Schelmereien, die mitten ins Herz gehen.

In seinen Geschichten umspannt er spielend drei Generationen. In der Mitte schwebend und mit der Zeit jonglierend, vor allem in der Nacht, wenn ihn seine Jungs nicht schlafen lassen und er sich erinnert, wie es war, als er ein Bub war: Damals, als er ebenfalls Angst bekam und ins Bett seiner Eltern flüchten wollte.

Oder wenn er sich eine Antwort überlegt auf die Frage seines zukünftigen Enkels:

«Grossvater, uf was chunnt’s im Läbe a?» «Chauf Dir es grosses Bett, wo alli Platz händ drin», wird er raten. «Und freu di amene Schereschnitt, au nacheme schwere Schritt, schmeiss Konfetti und görps gäg de Wind.»

Nadine Tobler und Markus Lerch, die das Theater im Kornhaus leiten, übergeben den Künstlern eine rote Rose. Das Publikum geniesst noch lange den reichhaltigen Apéro, wie es an den jährlich fünf bis sechs Premieren im ThiK üblich ist. «Eine Tradition, die verbindet», freut sich Nadine Tobler und stellt die Häppchenteller zum Weisswein.

Es wird geplaudert und gelacht: «Man merkt dem Tausendsassa Libsig den Schlafmangel an, aber er bringt ihn grandios rüber», witzelt der Karikaturist Silvan Wegmann.

Und am gleichen Tischchen stehend, meint Kollegin Patti Basler: «Simon wird seinem Ruf als genialer Beobachter und Erzähler der kleinen und grossen Wunder des Alltags vollkommen gerecht.» Zwei ehemalige Kantikollegen des Elektro-Bassisten staunen über seine Vielfalt: «Früher hatte Claude nur Seich im Kopf. Und heute trillert er wie ein Stieglitz, hämmert, knistert, streicht und verzaubert uns mit seinen schwebenden Tonfolgen.»

Und Vreni und Benno Wäger, die Eltern des Percussionisten, stellen fest: «Wie gut, liess sich Roman von uns nicht zur Lehrer-Ausbildung überreden, sondern hat sich voll und ganz der Musik gewidmet.»

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