Wer an einem Dienstag ins Kino Orient möchte, steht vor geschlossenen Türen. Nächste Woche wird sich dieses Bild ändern. Bis im Dezember zeigt das Programmkino in Wettingen jeweils an einem Dienstag im Monat einen Film aus den Herkunftsländern von geflüchteten Menschen. Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein «Treff.punkt», der Flüchtlinge sowie Asylsuchende bei der Integration unterstützt.

Anouk Holthuizen ist Vorstandsmitglied von «Treff.punkt» und gründete den Verein Anfang Jahr zusammen mit Freunden und Bekannten aus der Region Baden-Wettingen. «Wir wollten diesen Menschen aus der Isolation helfen», sagt Holthuizen.

Das erste Projekt zur Unterstützung von Flüchtlingen und Asylsuchenden startete im März in Form von kostenlosen Deutschkursen. Geleitet werden diese von 16 freiwilligen Frauen und Männern aus der Umgebung. Zu Beginn bestand das Unterrichtsangebot aus drei Klassen. Ab September werden es sechs sein.

Filme laufen in Originalsprache

Zusammen mit Walter Ruggle, dem Präsidenten der Trägerschaft des Kino Orients, organisiert Holthuizen nun eine Filmreihe für Flüchtlinge, Asylsuchende und Einheimische. Ruggle war von der Idee begeistert: Er ging sofort auf den Vorschlag ein und stellte die Filmserie auf die Beine. Die Filme aus dem arabischen und persischen Raum werden in Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt, anschliessend findet jeweils eine Diskussion über die Themen statt. «Integration heisst auch gegenseitiges Verstehen», begründet Holthuizen die Idee. «Das wollen wir fördern.»

Themen, die überall beschäftigen

Die Auswahl des Programms trafen Ruggle und Holthuizen gemeinsam. Die Filme handeln von Beziehungen, Familie, Krieg und Techno-DJs. Alles Themen, die sowohl in der Schweiz als auch in den Herkunftsländern beschäftigen. Den Auftakt macht der Film «A Separation» aus dem Iran. Gesprochen wird Persisch. Der preisgekrönte Film spielt im Iran und erzählt von der Scheidung eines Ehepaars. Ebenfalls werden Filme aus Syrien und Tunesien in Arabisch sowie die Schweizer Vorpremiere «Wolf & Sheep» aus Afghanistan auf Hazaragi gezeigt.

Nach den Vorstellungen übernimmt Fateme Rahmani aus Nussbaumen die Leitung der Diskussionen. Die 19-jährige Kantischülerin spricht Deutsch sowie Persisch und hilft, die Sprachbarrieren zwischen den Asylsuchenden und den Einheimischen zu umgehen. Rahmani wird dabei von Martin Baumann von der Beratungs- und Informationsstelle «Mannebüro Züri» unterstützt.

Der Eintritt für Asylsuchende und vorläufig aufgenommene Asylbewerber beträgt einen Franken. Für alle anderen gilt der normale Preis. Das Kino Orient trägt die ausbleibenden Einnahmen. Neben vielen Flüchtlingen erwarten die Organisatoren auch zahlreiche ortsansässige Besucher. «Ich bin optimistisch, dass wir das Kino zumindest in der unteren Etage voll besetzen können», sagt Anouk Holthuizen. Sie erhofft sich ein grosses Interesse am kulturellen Austausch und lebhafte Diskussionen.

Kino Orient in Wettingen: Programm bis September. 20 Uhr, 16. August: «A Separation», Iran. 20 Uhr, 13. September: «Al Leil», Syrien.