Rieden/Baden

«Viele Leute merken jetzt, dass es so nicht weiter gehen kann»: Ehemaliger Werber gründet eine Glückszentrale

Schärer war beim bhutanischen Glücksminister in der Lehre.

Schärer war beim bhutanischen Glücksminister in der Lehre.

Andreas Schärer ging beim Glücksminister Bhutans in die Lehre. In seinem neuen Büro teilt der langjährige Werber und Kommunikationsberater nun fernöstliche Weisheiten zum Wohlbefinden.

Wie kann man statt Profit das Wohlbefinden maximieren? Dieser Frage widmet sich Andreas Schärer mit seiner neugegründeten «Glückszentrale» im Oederlin-Areal. An der Landstrasse 1 in Rieden (Gemeinde Obersiggenthal) bietet er Büro und Begegnungsort sowie Workshops an, um Unternehmern den Ansatz des «Bruttonationalglück» näherzubringen.

Das Konzept des Bruttonationalglücks («Gross National Happiness») kam in den 70er-Jahren im Himalaja-Staat Bhutan auf. Während sich andere gesellschaftliche Entwicklungsmodelle wie das BIP an materiellen Faktoren orientieren, steht dabei das Wachstum von Glück und Wohlbefinden im Vordergrund. Entscheidende Bereiche sind: physische und psychische Gesundheit, Zugang zu guter Bildung, ökologische Standhaftigkeit und Diversität, Erhalt der kulturellen Vielfalt, Freiheit der Zeitverfügung, gute Führung, gute Lebensstandards und eine vitale Gemeinschaft.

Ein-Mann-Betrieb

Schärer war lange Zeit Kommunikationsberater, gründete vor 20 Jahren in Baden die Werbeagentur Schärer AG (heute: visàvis AG). Anfang des Jahres stieg er aus der Agentur aus, wollte sich auf neue Projekte konzentrieren. Seine Ehefrau Sandra Koller tat es ihm gleich und reichte im März den Rücktritt als Stadträtin ein. Doch Schärer beteuert, dass sie nicht in die neue Unternehmung involviert sei − bisher sei die «Glückszentrale» ein Ein-Mann-Betrieb.

Der 53-Jährige war in einem Buch auf die bhutanische Philosophie des Nationalglücks gestossen. Nach einer Reise nach Ostasien ging er mit rund 40 Gleichgesinnten an der deutschen Hochschule Osnabrück beim ehemaligen Glücksminister Bhutans, Ha Vinh Tho, in die Lehre. Als erster Absolvent des Studiengangs «Practioneer in Gross National Happiness» trägt er diese Philosophie nun in die Welt hinaus.

Doch lässt sich die fernöstliche Idee überhaupt auf die Schweiz übertragen? Schärer bringt das Beispiel der Industriellen Betriebe Genf, die bereits diesen Ansatz implementiert haben. Frisch gestartet, habe auch er bereits engen Austausch mit einem Unternehmen. Zudem setzt er sich mit Gleichgesinnten dafür ein, dass im Thurgau ein «Brutto-Kantonal-Glück» eingeführt wird.

Schärer ist zuversichtlich, dass Glück und Wohlbefinden in Zukunft als wichtigere Faktoren erachtet und institutionalisiert werden. Er sagt:

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